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Hessen will den Schulunterricht zunächst nur mit höheren Klassen aufnehmen – trifft aber noch keine endgültige Entscheidung.

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Hessens Grundschüler bleiben zu Hause

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Hessen will den Schulunterricht zunächst nur mit höheren Klassen aufnehmen – trifft aber noch keine endgültige Entscheidung.

Hessen dringt darauf, den regulären Unterricht in den Klassenräumen zunächst für die älteren Schülerinnen und Schüler wieder anlaufen zu lassen. Die schwarz-grüne Landesregierung will daher nicht der Empfehlung der Leopoldina-Akademie folgen, den Unterricht auch an Grundschulen wieder starten zu lassen. Die Leopoldina hatte das für dritte und vierte Klassen vorgeschlagen.

Diese Auffassung überzeuge ihn nicht, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag in einer Video-Pressekonferenz in der Wiesbadener Staatskanzlei. „Wir neigen dazu, dass wir eher mit den Abschlussklassen beginnen“, fügte der Regierungschef hinzu. Eine Entscheidung falle aber nicht vor dem Gespräch der Ministerpräsidenten heute mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Abitur wurde bereits geschrieben

Die Landesregierung gehe davon aus, „dass bei älteren Schülerinnen und Schülern der notwendige Appell, Abstand zu halten und Hygienevorschriften einzuhalten, wesentlich besser gelingen kann als bei Kindern in der Grundschule“, erklärte Bouffier. Dies dürfte bedeuten, dass neunte und zehnte Klassen den Anfang nach der Corona-Zwangspause machen würden, wenn in der jeweiligen Schulform Abschlussprüfungen bevorstehen. Das Abitur hingegen wurde in Hessen bereits geschrieben, während die meisten anderen Bundesländer es zunächst verschoben haben.

Unterstützung bekommt Bouffier vom Landeselternbeirat (LEB). „Die Vorschläge der Leopoldina, die Grundschulen zu öffnen, haben bei sehr vielen Eltern in Hessen zu großer Verunsicherung geführt“, berichtet der LEB-Vorsitzende Korhan Ekinci auf Anfrage. Hunderte von Anrufen und Zuschriften hätten ihn daraufhin in kürzester Zeit erreicht, die meisten der Anrufer und Absender hätten sich sehr besorgt geäußert. Sie fürchteten, dass durch den engen Kontakt der Kinder untereinander das Coronavirus weitergegeben werden könnte.

Gewerkschaft äußert Skepsis

„Kinder im Grundschulalter sind natürlich überhaupt nicht in der Lage, den nötigen Abstand zu halten, um eine Infektion zu vermeiden“, sagt Ekinci der Frankfurter Rundschau. Sie brauchten den sozialen Kontakt und suchten die körperliche Nähe. Zudem seien die Schulen häufig nicht so ausgestattet, dass die Hygiene überall eingehalten werden könne. „Diese Eltern, die mich kontaktiert haben, hoffen, dass die Grundschulen noch weiter geschlossen bleiben“, sagte der Elternsprecher.

Skeptisch äußerte sich hingegen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu Überlegungen, die Öffnung mit „Abschlussklassen“ zu beginnen. Diese Gedanken zeigten, „dass Schule immer noch in erster Linie von den Zensuren und Prüfungen her gedacht wird und nicht von einem umfassenden Bildungsbegriff ausgegangen wird“, sagte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe. Notwendig sei „Hilfe im Umgang mit sozialen Benachteiligungen, die durch die Kita- und Schulschließungen verstärkt werden“.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) warnte vor der Vorstellung, man könne mit dem ersten Tag der Schulöffnung den regulären Unterricht aufnehmen. „Es wird zuerst darum gehen müssen, sensibel für die Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen in den letzten Wochen zu sein und sich Zeit für den Austausch zu nehmen“, forderte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann.

Einigkeit bei Öffnung von Geschäften erwartet

Die hessische AfD-Fraktion stellte den Antrag, am 2. Mai mit dem Unterricht zu beginnen. Dann sollten Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache gelehrt werden, in „leistungshomogenen“ Gruppen von bis zu zehn Schülerinnen und Schülern. Dafür müssten Lehrkräfte auch fachfremd unterrichten.

Weitgehende Einigkeit zwischen den Bundesländern erwartet Ministerpräsident Bouffier bei der Öffnung von Geschäften. Er gehe davon aus, dass man „im Einzel- und vielleicht auch im Großhandel eine Öffnung vornehmen“ könne, allerdings nicht ohne Bedingungen.

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