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So schlecht wie zurzeit ging es den hessischen Wäldern seit mehr als 30 Jahren nicht. 

Bericht enthüllt

In Hessen stirbt der Wald - Zustand so schlecht wie selten zuvor

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In Hessen stirbt der Wald! Das geht aus dem jüngsten Waldzustandsbericht hervor. Dabei ist der Zustand des Waldes so schlecht wie selten zuvor - der Klimawandel lässt grüßen.

200 Millionen Euro stellt das Land zur Verfügung, um den Auswirkungen des Klimawandels in den heimischen Wäldern entgegenzuwirken. Der geplante Stellenabbau bei Hessenforst ist angesichts der dramatischen Situation gestoppt.

Fichtenbestände, in denen der Borkenkäfer wütet, Buchen, die im Stehen verrotten, weil sie von Pilzen befallen sind, schüttere Kronen bei Laub- und Nadelbäumen mitten im Sommer – der Klimawandel ist mit aller Macht in Hessens Wäldern angekommen. Seit mehr als 30 Jahren sei der heimische Wald nicht mehr in einem so schlechten Zustand gewesen wie zurzeit, sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) gestern bei Vorstellung des Waldzustandsberichts 2019.

Wald in Hessen stirbt: Klimawandel sorgt für Massentod

Im Wald bei Eppstein-Bremthal waren Schautafeln für die Pressevertreter aufgestellt, die deutlich machten, wo die Ursachen für das Waldsterben liegen. Zwei sehr heiße Sommer mit großer Trockenheit, Dürre und Wassermangel in der Vegetationsphase, mit Stürmen und Waldbränden haben Bäume in großer Zahl geschädigt und geschwächt. 

Der Borkenkäfer konnte sich massenhaft in Fichtenbeständen ausbreiten. Von Wetterextremen in Mitleidenschaft gezogen sind auch Buchen: Kleine, eingerollte Blätter deuten darauf hin, dass die heimischen Laubbäume zunehmend unter Stress stehen. Einzig die Eiche gilt den Forstleuten als „Hoffnungsschimmer“. Sie hat den Klimawandel bislang relativ gut verkraftet.

Wegen Massensterben des Waldes in Hessen: Geplanter Personalabbau gestoppt

Weil die Mitarbeiter von Hessenforst in dieser Situation besonders belastet seien, habe die Landesregierung den in den Forstämtern bis 2025 geplanten Personalabbau gestoppt, sagte Hinz. Bis auf weiteres werde kein Revier aufgelöst. Ein 12-Punkte-Plan für einen stabilen Wald der Zukunft sei erstellt worden. Die Waldbewirtschaftung müsse sich dem Klimawandel anpassen. 

Details dazu nannte der Leiter von Hessenforst, Michael Gerst. Seinen Angaben zufolge werden Fichtenbestände, wo es geht, geschützt und vom Borkenkäfer befallene Bäume gefällt. Bei der Pflege der Buchenbestände müsse mit besonderer Sorgfalt vorgegangen werden. Der Bestand werde „in Lücken“ verjüngt, um zu verhindern, dass ältere Bäume einzeln stünden und bei zu großer Trockenheit ihre Standfestigkeit verlören. Wo die Verjüngung des Waldes auf natürlichem Wege nicht gelingt, sollen neue Mischwälder angelegt werden – mit Baumarten, die dem Klimawandel trotzen.

Der Wald in Hessen stirbt: Land leitet Gegenmaßnahmen ein

„Im Rahmen des integrierten Klimaschutzplans erstellen wir eine Klimarisikokarte. Sie dient als fachliche Grundlage und Entscheidungshilfe für den Aufbau klimaangepasster Mischwälder“, erklärte Ministerin Hinz. Das Land erarbeite außerdem ein Wiederbewaldungsprogramm für den Staatswald und veranstalte Anfang Dezember ein Fachsymposium „Baumarten im Hessischen Wald der Zukunft“. 

Umweltministerin Priska Hinz und Johannes Eichhorn stellten den Waldzustandsbericht vor.

Wissenschaft und Verbände seien daran beteiligt, die Ergebnisse würden allen Waldbesitzern zur Verfügung gestellt. Insgesamt 200 Millionen Euro Landesmittel sollen laut Hinz für Schutz und Wiederaufbau des Waldes bereitgestellt werden. Fördergeld könnten auch private Waldbesitzer beantragen.

Wald in Hessen stirbt: Kritik von den Liberalen

Kritik am Krisenmanagement der schwarz-grünen Landesregierung angesichts der Situation in den hessischen Wäldern kommt von der Opposition. SPD-Vorsitzende Nancy Faeser plädiert für einen „gesamtgesellschaftlichen Pakt“ für den Wald. Man müsse auch verstärkt den Blick auf die Menschen richten, die in den Forstämtern tätig seien, teilte sie mit. Die Verkehrssicherung sei mancherorts nicht mehr gewährleistet. „Die Arbeit im Wald ist riskant geworden.“

Die hessischen Liberalen fordern „pragmatische Lösungen statt ideologischer Diskussionen“. Der Wald müsse seine Erholungs- und Klimaschutzfunktion erfüllen können, teilte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wiebke Knell mit. Schadholz gelte es so schnell wie möglich zu beseitigen. „Der Borkenkäfer darf nicht im Wald überwintern.“ Dass Windkraftanlagen in Wäldern gebaut und gesunde Bäume dafür gefällt werden, sei unverständlich. „Jeder Baum, der angesichts der dramatischen Situation unseres Waldes für ein Windrad geopfert wird, ist einer zu viel“, findet Knell.

Dabei ist der Konflikt zwischen Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen zum Thema Wald nichts Neues. In Berlin forderten Umweltschützer von der Bundesregierung, ökologische Standards ins Gesetz zu schreiben.  

Wald in Hessen: Statistik 

Buchen und Fichten sind mit 55 Prozent Anteil die wichtigsten Baumarten in den hessischen Wäldern. 

Die jährliche Absterberate aller Baumarten liegt aktuell bei 2,3 Prozent. Sie hat sich damit gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 0,3 Prozent fast verachtfacht. 50 Prozent der abgestorbenen Bäume sind Fichten. 

Starke Schäden zeigen 2019 sieben Prozent der Waldbäume. Das ist ein Rekordwert und doppelt so hoch wie im Mittel der Jahre 1984 bis 2019. 

Besonders schwer getroffen sind die Wälder im Hessischen Ried, in der Vogelsbergregion und in Nordhessen. Dort hat der Sturm Friederike Anfang 2018 eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. 

85 Waldbrände haben 2019 zusätzliche Schäden angerichtet. 

Der Waldzustandsbericht für das Jahr 2019 kann im Internet heruntergeladen werden unter https://umwelt.hessen.de.

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