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Desinfektionsmittel sind derzeit gefragt.

Es fehlt an Desinfektion und Masken

Coronakrise: In Pflegeheimen wird der Virus-Schutz knapp

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In Heimen und bei Pflegediensten in Hessen wird der Infektionsschutz knapp. Die Diakonie bittet Unternehmen um Hilfe.

  • Coronavirus breitet sich in Hessen aus
  • Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe werden knapp
  • Pflegediensten und Heimen fehlt es an Infektionsschutz

Frankfurt – Den Mitarbeitern von Pflegediensten und Heimen gehen die Utensilien aus, um sich und die Kranken zu schützen. Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen hat jetzt hessische Unternehmen dazu aufgerufen, ihnen zu helfen. „Schwierige Zeiten erfordern kreative Lösungen“, heißt es in dem Aufruf von Carsten Tag. Das Nachbarland mache es uns vor: In Frankreich habe ein Produzent eines alkoholischen Getränks mehrere Tausend Liter reinen Alkohols zur Verfügung gestellt. Denn es fehlen nicht allein Handschuhe, Brillen oder Masken – auch Desinfektionsmittel gehen zu Ende.

Coronavirus in Hessen: Pflegedienste gehen Desinfektionsmittel aus – „Das ist eine Riesenproblem“

Nicht allein den rund 122 Einrichtungen der Diakonie fällt es zunehmend schwer, die ihnen anvertrauten Hochrisikopatienten und ihre Mitarbeiter zu schützen. „Das ist eine Riesenproblem“, sagt Manfred Mauer, Landesgeschäftsführer des Verbands privater Anbieter. Gerade in Corona-Zeiten werde viel mehr gebraucht als üblich. Desinfektionsmittel komme viel häufiger zum Einsatz, weil die Mitarbeiter auf Nummer sicher gehen wollen, sagt Mauer. Aber auch die Angehörigen von Pflegebedürftigen seien verunsichert und in Alarmstimmung: „Es kommt vor, dass sie die Mitarbeiter der Pflegedienste gar nicht hineinlassen, wenn diese keinen Mundschutz tragen.“ Auch deshalb sei die Maske inzwischen so gut wie Standard.

„Die Sorge ist groß“, sagt Mauer. Die Arbeitgeber hätten ja auch die Pflicht, ihre Mitarbeiter zu schützen, „Wenn nicht bald etwas kommt, haben wir nichts mehr.“ Welche Folgen das im Extremfall haben könne, zeige der Corona-Ausbruch in einem Heim in Würzburg. Der Schutz von Hochrisikogruppen sei auch wichtig, um die Krankenhäuser nicht zu überlasten.

Coronavirus in Hessen: Pflegedienste hoffen auf die Landesregierung

Große Hoffnungen setzt der Geschäftsführer nun in die Landesregierung. Sie hat um eine Bedarfshochrechnung gebeten, um die Pflegeorganisationen möglichst schnell zu versorgen, wenn der vom Bund und Land seit Wochen angekündigte Nachschub endlich kommt. Doch wann ist das?

Selbst das war bislang nicht sicher. Wie die Diakonie mitteilt, sieht der hessische Pandemieplan aus dem Jahr 2007 vor, dass in einer solchen Situation lediglich Krankenhäuser und Arztpraxen bei staatlichen Zuteilungen berücksichtigt werden sollen. Das hätte zu einem Desaster geführt: Wie eine Befragung der Diakonie unter ihren Mitgliedern am vorigen Freitag ergab, verfügen 39 Prozent der Pflegedienste und 47 Prozent der Heime nur noch über Desinfektionsmittel, die in maximal zwei Wochen verbraucht sein werden. 68 Prozent der ambulanten Dienste und 61 Prozent der Heime gaben an, ihre Schutzmasken reichten nur noch für drei Tage.

Coronavirus in Hessen: Versorgungssystem könnte aus der Balance geraten

Das Versorgungssystem könnte aus der Balance geraten. Der AOK Hessen ist zwar nicht bekannt, dass Pflegedienste mangels Schutzkleidung ihrem Sicherstellungsauftrag nicht nachkommen können, sagt Pressesprecher Riyad Salhi. „Gleichwohl haben wir erfahren, dass einzelnen Anbietern allmählich das Material ausgeht.“

Pflege ohne Schutz stelle eine erhöhte Infektionsgefahr dar. Deshalb sollte sich ein Pflegedienst zunächst an seinen Lieferanten wenden – was in der Regel eine Apotheke ist oder auch ein Großhandel. Das geschehe bereits, sagt Mauer. „Viele Apotheken stellen Desinfektionsmittel schon selbst her.“ Diese Unterstützung sei zu begrüßen, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein: „Die können die großen Mengen nicht produzieren.“

Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Personen in Frankfurt steigt weiter. Die Stadt erlässt Gewerbetreibenden in der Neuen Altstadt die Miete. Die Agentur für Arbeit verzeichnet wegen des Coronavirus in Hessen 7300 Anzeigen auf Kurzarbeit in einer Woche.

Von Jutta Rippegather

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