Corona-Test am Frankfurter Flughafen.
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Corona-Tests gibt es am Frankfurter Flughafen bisher nur für Selbstzahler. Andere Bundesländer sind großzügiger.

Andere Bundesländer sind großzügiger

Corona-Alarm in Offenbach: Verwirrung um kostenlose Tests

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Offenbach unternimmt Schritte gegen eine weitere Corona-Ausbreitung. Irritationen gibt es wegen kostenloser Tests, da in Hessen nicht die selben Regeln wie in anderen Bundesländern herrschen.

  • Kostenlose Corona-Tests sorgen für Verwirrung
  • Hessen möchte eine gesetzliche Grundlage aus Berlin abwarten
  • Der Hausärzteverband weist auf den Aufwand der Tests hin

Offenbach - In Offenbach wurde am Freitag (31.07.2020) die kritische Marke von 20 Corona-Infizierten pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage überschritten. Konkret waren es rechnerisch 21,6. Als Folge trat erstmals Stufe 2 des Eskalationskonzepts des Landes vom 8. Juli in Kraft.

Die Stadt sieht sich verpflichtet „vorsorgliche und speziell auf Offenbach bezogene Maßnahmen zu ergreifen“. Hessenweit stieg die Zahl der Neuinfektionen um 70.

Corona in Hessen: Keine kostenlose Testung in Arztpraxen

Unterdessen registrieren niedergelassene Ärzte häufigere Nachfragen nach kostenlosen Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Doch bislang gilt noch die alte Regel, dass Krankenkassen in Hessen nur bei Symptomen oder Kontakt zu einem Infizierten zahlen. Ausnahme: Lehrerinnen und Lehrer.

Andere Bundesländer sind da großzügiger, das sorgt offenkundig für Verwirrung in der Bevölkerung: In Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein ist die kostenlose Testung schon jetzt in der Arztpraxis möglich. Zum Teil sogar für Reiserückkehrer aus Nicht-Risikogebieten.

Corona-Tests für Reiserückkehrer: Hessen wartet gesetzliche Grundlage aus Berlin ab

Hessen hingegen will das Angebot erst starten, wenn die gesetzliche Grundlage aus Berlin auf dem Tisch liegt. Erst dann werde auch das neue Testcenter am Flughafen in Betrieb gehen, hatte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) dieser Tage klargestellt.

Dessen ungeachtet rufen bei Monika Buchalik vermehrt Patienten an, die sich nach einer Reise kostenlos testen lassen wollen: „Das geht im Moment aber nur für Selbstzahler“, sagt die Maintaler Hausärztin. Solange die Kostenübernahme durch den Gesetzgeber nicht vorliegt, fielen allein 128 Euro Laborkosten an, die privat übernommen werden müssten.

Die kostenlosen Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten sind nach Ansicht der Vize-Präsidentin der Landesärztekammer eine gute Idee. „Wir befinden uns in einer Pandemie. Der Staat steht in der Fürsorgepflicht für die Bürger.“ Was aber nicht sein könne sei, dass durch ein schwieriges Abrechnungsprozedere mit dem Erstellen von Rechnungen noch mehr Bürokratie auf die Arztpraxen zukomme. „Dafür haben wir keine Zeit.“

Hausärzteverband verweist auf organisatorischen Aufwand von Corona-Tests

Der deutsche Hausärzteverband weist auf den organisatorischen Aufwand hin: „Dann heißt es Schutzausrüstung anziehen, Abstrich nehmen und Aufklärungsgespräch über Hygienemaßnahmen, Validität der Tests und deren Konsequenz führen. Im Anschluss dann die Räume lüften und desinfizieren.“ Die 15 Euro Honorar für den Abstrich seien wohl „ein schlechter Scherz“, urteilte Verbandsvorsitzender Ulrich Weigeldt.

In Zusammenhang mit Reisen nach Spanien, Rumänien, Serbien, Kosovo oder Bosnien steht die Hälfte der aktuell 48 positiv Getesteten in Offenbach. Das seien so viele wie zuletzt Anfang Mai, meldet die Stadt in Hessen. Laut Gesundheitsamt werden derzeit drei Personen im Krankenhaus behandelt. 334 Offenbacher stünden unter Quarantäne – ebenfalls ein Rekord.

Laut Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) wächst die Zahl der Corona-Infizierten, bei denen der Ursprung der Ansteckung unbekannt ist. „Diese Menschen arbeiten zudem oft in publikumsintensiven Bereichen und dort besteht das Risiko, dass sich Menschen unerkannt angesteckt haben und das Virus weiterverbreiten.“ Weiterhin werde in Offenbach jede Kontaktperson doppelt getestet: Einmal an dem Tag, an dem die Infektion festgestellt wurde, und dann noch einmal nach sieben Tagen. Dies entspricht der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, werde aber nicht überall umgesetzt. (Jutta Rippegather)

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