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Schüler im Unterricht.

Hintergrund

Was arbeiten eigentlich hessische Lehrer - und wie viel?

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Eine Studie der GEW soll die Belastungen und die tatsächliche Arbeitszeit am Beispiel von Frankfurter Schulen zeigen. Vergleiche aus Niedersachsen lassen überraschende Ergebnisse erwarten.

Wie viel arbeiten Lehrer wirklich? Womit verbringen sie die meiste Zeit? Und wodurch fühlen sie sich besonders beansprucht? Antworten auf diese Fragen erhofft sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) durch eine umfangreiche Studie zur Arbeitszeit und Arbeitsbelastung von Lehrkräften an Frankfurter Schulen im Februar nächsten Jahres.

Anlass für die Untersuchung sind die in jüngster Zeit häufiger vorgebrachten Überlastungsanzeigen einzelner Lehrkräfte sowie ganzer Kollegien. „Wenn aus 60 Schulen solche Anzeigen kommen, dann liegt das nicht an der schlechten Organisation einer einzelnen Schule, sondern dann gibt es da ganz offenbar ein grundlegendes Problem“, sagt Sebastian Guttmann, Vorsitzender des GEW-Bezirksverbands Frankfurt.

Lehrer in Hessen: Belastung hat sich nicht verbessert

„An der Belastung vieler Lehrkräfte hat sich trotz aller Proteste nichts verbessert, im Gegenteil, sie hat sogar zugenommen“, sagt GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald. Alle Beschwerden aber hätten beim hessischen Kultusministerium nicht gefruchtet. Die Studie, durchgeführt von der Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften an der Universität Göttingen, solle wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zur tatsächlichen Lage an Hessens Schulen liefern, so Wiedwald.

Die Teilnahme an der Untersuchung ist freiwillig, die Lehrkräfte können sich dafür individuell anmelden. Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, sollen in die Studie allerdings nur jene Schulen aufgenommen werden, an denen mehr als die Hälfte des Kollegiums mitmachen. Rund 50 Schulen seien bislang gemeldet, 1000 Lehrkräfte hätten ihr Interesse an der Teilnahme bereits bekundet, berichtet Guttmann.

Die Hälfte seiner Arbeitszeit hat ein Grundschullehrer im Jahr 1960 mit Unterricht verbracht, jetzt sind es 40 Prozent. Bei Gymnasiallehrern sank der Anteil von 40 auf 30 Prozent.

Eine Studie an Frankfurter Schulen soll weitere Ergebnisse zur tatsächlichen Arbeitszeit und zur Belastung von Lehrkräften bringen.

Weitere Informationen dazu gibt es unter arbeitszeitstudie.de.

Projektleiter Frank Mußmann von der Universität Göttingen kann dabei auf Vergleichswerte zurückgreifen, die eine Studie in Niedersachsen aus den Jahren 2015/2016 geliefert hat. Demnach arbeiten Grundschullehrerinnen in der Woche durchschnittlich eine Stunde und 20 Minuten länger als tariflich vereinbart. Bei Gymnasiallehrern liege die Mehrarbeitszeit bei gut drei Stunden je Woche. Dabei wurde die Gesamtarbeitszeit der Lehrkräfte über ein ganzen Jahr hinweg erfasst und – abzüglich von Urlaubstagen – auf einzelne Wochen umgerechnet.

Lehrer in Hessen: 17 Prozent arbeiten mehr als 48 Stunden

Die Mehrarbeit liege damit im Bereich der durchschnittlichen Belastung von Arbeitnehmern in Deutschland, sagt Mußmann. Allerdings seien die Anforderungen während der Schulwochen teilweise immens hoch. 17 Prozent der Lehrer arbeiteten dann mehr als 48 Stunden, auch samstags und sonntags gehe die Arbeit weiter, wobei der eigentliche Unterricht lediglich ein Drittel der Zeit einnehme. Die Aufgaben seien immer vielfältiger geworden und müssten oft parallel erledigt werden.

Und noch ein anderer Punkt sei wichtig. „Die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit ist bei Lehrkräften besonders wenig vorhanden“, sagt Mußmann. Zudem müssten Lehrkräfte stärker für Aufgaben entlastet werden, die sie zusätzlich zu ihrem Unterricht übernähmen, etwa in der Schulleitung, der Organisation von Ganztagsangeboten oder in der Suchtprävention. Die Deputate dafür genügten nicht, auch das führe zu Überlastungen.

Ergebnisse der hessischen Studie sollen im September 2020 vorgestellt werden.

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