Mit Elternprotest konfrontiert: Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag in Offenbach.
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Mit Elternprotest konfrontiert: Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag in Offenbach.

Offenbach

Hessen und Offenbach: Kitas eingeschränkt offen

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Seit Dienstag ist die Kinderbetreuung in Hessen ausgeweitet. Die Kommunen und Kita-Träger können nun teils selbst entscheiden, wen sie wie lange in die Betreuung lassen. In Offenbach sollen unter anderem Vorschulkinder reguläre Betreuungsplätze erhalten.

Seit gestern sind Hessens Kitas im sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet: Möglichst viele Kinder sollen zumindest an einem oder zwei Tagen in der Woche wieder betreut werden – so wie es die Personalausstattung und die jeweiligen Raumgrößen in Kombination mit den Hygiene- und Abstandsregeln zulassen. Doch Offenbachs „Kita 5“ ist schon jetzt fast voll, Platz für weitere Kinder jenseits der Notbetreuung gibt es kaum. Der Grund: Viele Eltern arbeiten im benachbarten Klinikum und gelten als „systemrelevant“ – sie konnten ihre Kinder auch bisher schon in die Betreuung schicken.

60 von 211 Betreuungsplätzen waren, Stand gestern, an der Kita belegt. Viel mehr ließen die Corona-Beschränkungen wie die kleineren Gruppengrößen kaum zu, erzählt Kita-Leiter Raimund Bergmann. Das Beispiel mag ein Extremfall sein, es zeigt dennoch anschaulich, dass die jüngste Lockerung der coronabedingten Beschränkungen bei Kindertagesstätten noch nicht die Planungssicherheit gebracht hat, die sich viele Eltern erhofft hatten. Wo etwa in Offenbachs „Kita 5“ die übrigen Kinder unterkommen – und für wie viele Stunden in der Woche – muss noch geklärt werden.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) hatte die Details des sogenannten eingeschränkten Regelbetriebs vorige Woche verkündet. Kernstück der neuen Regelung ist die Flexibilität, die den Kommunen zugestanden wird. Sie können vieles entscheiden, selbst zu Gruppengrößen gibt es vom Land keine Vorgaben, lediglich eine Hygieneempfehlung.

„Wir haben genau das umgesetzt, was sich die Kommunen gewünscht haben“, sagte Klose am Dienstag bei einem Pressetermin zum Thema vor Offenbachs „Kita 5“. An dem Vorgehen gibt es aber auch viel Kritik. Am Zaun besagter Kita drängten sich Unterstützerinnen der Initiative „Familien in der Krise“, darunter Landtagsabgeordnete der Linken, mit Plakaten in die TV-Kameras, um auf ihre Forderung nach einer schnelleren, besser organisierten Kita-Öffnung aufmerksam zu machen. Sie überreichten Klose 2550 Unterschriften.

Doch es gibt auch Unterstützung für das Vorgehen der Landesregierung. Offenbachs Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) etwa begrüßt den „Handlungsspielraum“, den die Stadt nun habe. Die Kitas dort stünden vor besonderen Herausforderungen, Stichwort Förderung der deutschen Sprache: Rund zwei Drittel der Sechsjährigen in Offenbach sind nicht in Deutschland geboren oder haben mindestens ein Elternteil, das in einem anderen Land geboren wurde. Dieser Realität entsprechend hat der Offenbacher Magistrat beschlossen, dass nun auch alle Vorschulkinder Anspruch auf Betreuung im Kindergarten haben, damit sie vor dem Schuleinstieg noch etwas gefördert werden können.

Positiv sei auch, dass die Kommunen Einzelfallentscheidungen treffen dürfen, betont Groß. Als Beispiel erzählt sie von einem Kind, das ohne Deutschkenntnisse mit seiner Familie von Rumänien nach Offenbach zieht. Wenn dieses Kind keine Kita besuchte, hätte es bei Schulanfang „überhaupt keine Chance“, gibt die Dezernentin zu bedenken.

Einen kritischen Punkt spricht Roberto Priore, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO), an: Da die Stadt aufgrund ihrer schlechten finanziellen Lage größere Kita-Gruppen habe als andere Kommunen, sei bei einer Beschränkung auf 13 oder 15 Kinder pro Gruppe auch die Anzahl der Kinder höher, deren Betreuungsplatz weiterhin wegfällt. „Offenbacher Kinder, von denen viele einen enormen Förderbedarf haben, sind deshalb nun nochmals benachteiligt.“ Trotzdem werde man nächste Woche ein Konzept zur zeitlich beschränkten Aufnahme aller Kinder vorlegen.

Hoffnung macht Priore die Tatsache, dass es auch Kitas gebe, die wegen der bisherigen Beschränkungen kaum besucht wurden und deshalb noch Kapazitäten haben. Doch ist die Nachfrage auch in diesen Kindertagesstätten seit gestern extrem gestiegen: Die innerstädtische „Kita 18“ besuchten letzte Woche zum Beispiel noch weniger als zehn Kinder. Gestern waren es dann 27 – und für heute sind schon 44 angemeldet.

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