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Hessen: Neue Hinweise im Fall Monika Weimar

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Von: Gregor Haschnik

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Ein Ex-Schwager der Verurteilten, der den Vorwurf zurückweist, könnte als weiterer Verdächtiger in Frage kommen. Melanie und Karola Weimar waren 1986 ermordet worden.

Im Fall Monika Weimar gibt es laut einer Dokumentation von Spiegel TV („Das Geheimnis der Weimar-Morde“, RTL+) neue Hinweise: Demnach könnte der frühere Schwager der wegen Mordes an ihren Töchtern verurteilten Frau – die seit ihrer Scheidung wieder ihren Geburtsnamen Böttcher trägt – als weiterer Verdächtiger infrage kommen. Er lebte 1986, als die siebenjährige Melanie und die fünfjährige Karola getötet wurden, im Haus der Familie Weimar in Philippsthal (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Später sei er in die USA zurückgegangen und dort verurteilt worden, weil er zwei Mädchen sexuell missbraucht habe. Böttchers Verteidiger Gerhard Strate hat durchgesetzt zu prüfen, ob sich auf sichergestellten Asservaten, etwa Kleidung und Bettwäsche der Kinder, DNA-Spuren befinden. Auf einer Decke seien daraufhin Spuren eines Unbekannten entdeckt worden. Strate will nun erreichen, dass sie mit der DNA des US-Amerikaners abgeglichen werden. Dieser weist in der Dokumentation entschieden zurück, etwas mit der Tötung der Kinder zu tun zu haben.

Der Mordfall hatte die Justiz viele Jahre beschäftigt. Böttcher wurde 1988 vom Landgericht Fulda wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Kinder hätten ihrer Beziehung zu einem anderen US-Soldaten im Weg gestanden, so das Gericht, das unerklärliche Widersprüche in den Aussagen der Angeklagten sah. Die Töchter waren zunächst vermisst gemeldet und drei Tage später einige Kilometer von ihrem Haus entfernt tot aufgefunden worden, an unterschiedlichen Stellen.

Böttcher hatte anfangs angegeben, sie morgens zu einem nahe gelegenen Spielplatz gebracht und dann Einkäufe erledigt zu haben. Nach ihrer Rückkehr habe sie bemerkt, dass die Mädchen verschwunden seien. Später behauptete sie, nachts nach Hause gekommen zu sein, als ihr Mann an den Betten der toten Kinder gestanden habe. Danach habe er die Leichen „beseitigt“. Darüber hinaus stützte sich die Fuldaer Kammer bei ihrem Urteil unter anderem auf ein Fasergutachten, das Weimar belastete. Zuvor hatten sich die Ermittler:innen früh auf Mutter und Vater als Tatverdächtige festgelegt.

Strate erreichte auch aufgrund eines neuen Fasergutachtens ein Wiederaufnahmeverfahren, bei dem Böttcher 1997 vom Landgericht Gießen aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. Nachdem die Staatsanwaltschaft und Böttchers Ex-Mann erfolgreich Revision eingelegt hatten, kam es 1999 zu einem erneuten Prozess am Landgericht Frankfurt, der mit einer Verurteilung endete. 2006 wurde Böttcher – die den Mordvorwurf weiterhin zurückwies – nach 15 Jahren Haft aus der JVA Preungesheim entlassen.

Auch nach dem dritten Urteil blieben ein paar Fragezeichen. Die Unterstützer:innen Böttchers führten beispielsweise an, dass der Geliebte bereit gewesen sei, die Töchter zu adoptieren.

Ob die aktuellen Hinweise neue Erkenntnisse bringen, bleibt abzuwarten. Auch wenn die DNA-Spur zu ihm passen sollte, ist der Schwager deshalb nicht unbedingt zu verdächtigen, weil er offenbar häufiger Kontakt zu den Kindern hatte und die Spur von einer Begegnung, die nichts mit dem Mord zu tun hatte, stammen könnte.

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