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CDU vor Europawahl

CDU-Kandidaten für Europawahl: Erfahrung kontra Erneuerung

Europawahl: Bei der CDU drängen sich neue Bewerber nach vorne, doch die Amtsinhaber wollen nicht weichen.

Die hessische CDU steht vor schwierigen Personalentscheidungen und möglicherweise vor einer Kampfkandidatur. Es geht darum, wer die Christdemokraten nach der Europawahl am 26. Mai im Europäischen Parlament vertritt.

Wenn die Zeichen nicht trügen, besitzt mit dem Juraprofessor Sven Simon ein CDU-Politiker gute Chancen auf einen aussichtsreichen Listenplatz, der noch nicht im Parlament sitzt. Doch die bisherigen Abgeordneten wollen ebenfalls weitermachen.

CDU-Treffen in Künzell 

Die Frage lautet also: Erfahrung oder Erneuerung? Eine Vorentscheidung fällt an diesem Wochenende in Künzell, wo der sogenannte Elfer-Ausschuss der Hessen-CDU um Parteichef Volker Bouffier zusammenkommt. Dieses geheim tagende Gremium arbeitet vor Wahlen stets die Listenvorschläge aus. In der Regel werden sie von Parteitagen unverändert beschlossen. Diesmal aber erscheint eine Kampfabstimmung beim Parteitag am 16. Februar in Alsfeld möglich.

Bisher vertreten zwei altgediente Europa-Kämpen die hessische CDU in Brüssel und Straßburg: Thomas Mann und Michael Gahler. Beide wollen es noch einmal wissen und kandidieren erneut. Zugleich bringen Parteigremien zwei jüngere Kandidaten in Stellung: den 40-jährigen Sven Simon aus Buseck bei Gießen und die 42-jährige Frankfurterin Verena David. Mehr als zwei hessische Christdemokraten besitzen aber keine Chance auf den Einzug.

Bisherige Parlamentarier schon lange dabei   

Thomas Mann, der Namensvetter des berühmten Schriftstellers, gehört dem Europaparlament bereits seit 1994 an. Der Schwalbacher, der in der nächsten Woche 73 Jahre alt wird, engagiert sich in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. „Ich habe noch Mumm“, betont der Abgeordnete, der weiß, dass ihm sein fortgeschrittenes Alter bei der Nominierung zum Nachteil gereichen könnte.

Der 58-jährige Michael Gahler aus Hattersheim zog 1999 erstmals ins Europaparlament ein. Er ist auf Sicherheits- und Verteidigungspolitik spezialisiert. Beide Abgeordneten heben hervor, wie stark sie sich für die Interessen der Hessen in Europa einsetzten.

Außerdem warnen beide entschieden vor antieuropäischen Ressentiments. Rechtspopulismus mache Schule in vielen Mitgliedsstaaten, schildert Mann. Im Kampf dagegen sei „Erfahrung ein wichtiger Faktor“.

Gahler sagt, es gehe um die „Prinzipienfrage: Wollen wir dieses Europa oder nicht?“. Er wolle deutlich machen, dass die Europäische Union dem Frieden, dem Wohlstand und eigenen Interessen der Bürger diene. So sei die engere Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden notwendig, um Terroranschläge zu verhindern. Er arbeite dafür, dass Europa empfunden werde als „ein Raum, der Sicherheit gibt“.

In weiten Teilen der Partei war man davon ausgegangen, dass Thomas Mann sich zurückziehen und Platz für Jüngere machen würde. Doch der frühere Werbe-Kreativdirektor besitzt nach eigenen Angaben die Unterstützung des Arbeitnehmerflügels CDA, der Mittelstandsvereinigung und der Senioren-Union. 

Junge Union wünscht sich junges Gesicht 

Die Junge Union (JU) wünscht sich hingegen, dass mit Sven Simon ein neues Gesicht in Brüssel für die hessische CDU steht. „Sven Simon ist nicht nur ein äußerst kompetenter Europapolitiker, sondern auch ein profilierter Vertreter der jungen Generation“, sagt der hessische JU-Vorsitzende Stefan Heck. Simon solle „in Europa eine herausragende Rolle“ spielen.

Bei der vergangenen Europawahl hatte Simon auf Platz vier der CDU-Liste kandidiert. Er hat seit 2016 eine Professur an der Philipps-Universität Marburg inne. Der Jurist hatte sowohl seine Promotion als auch seine Habilitation zu europarechtlichen Fragen geschrieben.

Europa habe „seine Strahlkraft verloren“, bedauert Simon. Es gehe darum, sie wieder herzustellen und „Populisten in die Schranken zu verweisen“, sagt er. Das sei eine Aufgabe für „meine Generation“.

Die Frankfurterin Verena David war 2014 auf Platz fünf der CDU-Liste platziert worden. Auch sie verspricht, „sich für ein starkes und einiges Europa einzusetzen und Populisten und Nationalisten die Stirn zu bieten“. Gut möglich, dass sie Platz drei erringt und damit erste Nachrückerin wäre.

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