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Hessen: Nassauische Heimstätte verkauft weiter Wohnungen

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Von: Hanning Voigts

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Der Nassauischen Heimstätte gehören rund 59 000 Wohnungen in Hessen, so wie hier in der Fritz-Kissel-Siedlung in Frankfurt..
Der Nassauischen Heimstätte gehören rund 59.000 Wohnungen in Hessen, so wie hier in der Fritz-Kissel-Siedlung in Frankfurt.. © Andreas Arnold

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte hat im vergangenen Jahr 267 Wohnungen privatisiert. Die Linkspartei hält das angesichts des engen Wohnungsmarkts für einen Skandal.

Die Nassauische Heimstätte hat im vorigen Jahr 267 Wohnungen aus ihrem Bestand verkauft und damit 21,2 Millionen Euro eingenommen. Das geht aus der Antwort von Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf eine Anfrage der Linken im Landtag hervor. Die verkauften Wohnungen seien die letzte Tranche aus einem 2014 definierten Portfolio zu verkaufender Wohnungen gewesen. Der Verkauf habe „der Optimierung der Bestände“ des Wohnungsunternehmens gedient, das mehrheitlich dem Land Hessen gehört.

Die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag von 2019 dazu bekannt, dass die Nassauische Heimstätte ein „wichtiger Baustein für den Erhalt und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in öffentlichem Eigentum in Hessen“ sei und ihr Bestand daher von aktuell etwa 59 000 auf mindestens 75 000 Wohnungen anwachsen solle. In der Antwort auf die Anfrage der Linksfraktion heißt es nun, der einzelne Verkauf von Wohnungen und ganzen Mehrfamilienhäusern stehe nicht im Widerspruch zu diesem politischen Ziel.

Das Unternehmen

Die Nassauische Heimstätte verwaltet rund 59 000 Wohnungen in Hessen und ist damit eins der größten Wohnungsunternehmen in Deutschland. Die 1922 gegründete GmbH mit Sitz in Frankfurt gehört zu 61 Prozent dem Land Hessen und zu 27 Prozent der Stadt Frankfurt. Vorsitzender des Aufsichtsrates ist der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), sein Stellvertreter ist Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Vielmehr reduziere sich durch gezielte Verkäufe der Verwaltungsaufwand des Unternehmens, Erlöse würden zudem an Standorten investiert, „die einen angespannten Wohnungsmarkt aufweisen“. Nachdem die 2014 festgelegten Wohnungen nun alle verkauft seien, seien keine weiteren Verkäufe von Mehrfamilienhäusern mehr geplant; in diesem Jahr sollten lediglich 62 Wohnungen und Reihenhäuser veräußert werden.

Die von der Nassauischen Heimstätte im vorigen Jahr verkauften Wohnungen liegen vor allem in den nord- und mittelhessischen Gemeinden Schotten, Schwalmstadt, Heuchelheim, Dillenburg und Wildeck. Zudem wurden einzelne Wohneinheiten in Frankfurt-Westhausen, Marburg und im thüringischen Erfurt privatisiert. Darüber hinaus hat das Wohnungsunternehmen 56 Eigentumswohnungen gebaut und direkt auf den Markt gebracht. Diese Geschäfte brächten das nötige Eigenkapital, „um bezahlbaren Mietwohnungsbau zu betreiben“, schreibt das Wirtschaftsministerium.

Im vergangenen Jahr hat die Nassauische Heimstätte der Antwort zufolge zudem 210 Wohnungen gekauft, 194 in Neu-Isenburg und 16 in Marburg. Gleichzeitig hat das Unternehmen 390 Wohnungen neu gebaut, vor allem in Gießen, Frankfurt, Kassel und Offenbach. Dafür investierte es 117 Millionen Euro.

Die Linkspartei hält den Verkauf von Wohnungen aus dem Bestand der Nassauischen Heimstätte grundsätzlich für falsch. Von 2008 bis 2021 seien insgesamt 7212 öffentliche Wohnungen privatisiert worden, mehr als zwölf Prozent des Bestands, kritisierte Fraktionsvorsitzender Jan Schalauske. Das sei „angesichts der eklatanten Wohnungskrise ein Skandal“. Das Unternehmen mache unter Schwarz-Grün das genaue Gegenteil dessen, wozu eine öffentliche Wohnungsbaugesellschaft da sei, sagte Schalauske.

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