Erneuerbare Energien

Hessen muss den Windpark bei Wiesbaden genehmigen

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die Eswe Taunuswind darf auf dem Taunuskamm bei Wiesbaden zehn Rotoren bauen. Ein Gericht hat das entschieden. Nun aber könnten weitere Klagen folgen.

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat am Freitag der Klage der Eswe Taunuswind GmbH gegen das Land Hessen stattgegeben. Das kommunale Unternehmen hatte geklagt, weil ihm der Bau von zehn Windrädern im Windpark Hohe Wurzel verweigert worden war.

Zwei Tage lang hatte die vierte Kammer unter Vorsitz von Richter Günter Wiegand verhandelt. Am späten Freitagabend fiel nun die Entscheidung. War es am ersten Verhandlungstag noch vor allem um den Schutz von Grund- und Trinkwasser gegangen, stand am zweiten Tag der mündlichen Verhandlung der Denkmalschutz im Mittelpunkt.

Genau 6640 Meter von der Wiesbadener Kernstadt entfernt würde das erste der zehn Windräder gen Himmel ragen, immerhin knapp 207 Meter vom Boden bis zur Spitze des Rotorenblatts. Auch die anderen Anlagen des geplanten Windparks Hohe Wurzel wären nicht viel weiter entfernt. Das hielten die Denkmalschützer für bedenklich. Sie führten an, dass die technischen Großbauwerke die Ansicht von Wiesbaden stark beeinträchtigen würden.

Zwar könnte man die Windräder von der Innenstadt aus selbst gar nicht sehen. Beobachter von außen aber, so die Argumentation, würden die Stadt nicht mehr wie bisher vor dem nahezu unberührten Taunushang wahrnehmen, sondern von den sich bewegenden Windrädern und dem nächtlichen Blinken, der an den Masten angebrachten Leuchten abgelenkt.

Hohe Wurzel

Zehn Windrändergehören zum geplanten Windpark Hohe Wurzel auf dem Taunuskamm bei Wiesbaden.

207 Meterhoch sind sie vom Boden bis zur Spitze des Rotorenblatts.

85 000 MegawattstundenStrom könnten sie jährlich erzeugen, das sind etwa fünf Prozent des Wies- badener Bedarfs. pgh

Ähnliche Beeinträchtigungen von denkmalgeschützten Bauwerken und Ensembles würde es unter anderem bei der Eltviller Altstadt sowie im Taunussteiner Kloster St. Ferrutius geben.

Um den Windpark auf dem Taunuskamm wird seit Jahren gestritten. Die Gerichtsentscheidung sollte nun die Hängepartie beenden. Die Eswe Taunuswind hatte den Bau der Anlagen im April 2015 beantragt, das Land Hessen hatte, vertreten durch das Regierungspräsidium, die Genehmigung im Dezember 2016 verweigert und dies vor allem mit dem Grund- und Trinkwasserschutz begründet.

Am Dienstag, dem ersten der beiden Verhandlungstage, war es deshalb vor allem darum gegangen, ob der auf dem Gebirgszug vorherrschende Taunusquarzit das Grundwasser vor Verunreinigungen würde schützen können, die möglicherweise beim Bau der Windräder und ihrer im Durchmesser 24 Meter messenden Fundamente in den Boden gelangen könnten.

Die Eswe Taunuswind argumentierte, das Schutzkonzept könne dies sicher verhindern, während Vertreter des RP selbst ein geringes Risiko als zu hoch einschätzten. Schließlich werde von dort ein erheblicher Teil des Wiesbadener Trinkwasserbedarfs gedeckt. Dies dürfe nicht gefährdet werden, etwa durch einen Unfall mit einem Baufahrzeug, bei dem Kraftstoffe auslaufen könnten.

Das Gericht wollte den Bedenken der Fachleute des Landes nicht folgen und hielt auch die Einwände wegen des Denkmalschutzes nicht für ausreichend, um eine Genehmigung zu verweigern. Ob nun tatsächlich gebaut wird, ist fraglich. Die Rahmenbedinungen haben sich zum Nachteil von Windradbetreibern verschlechtert, zudem hat eine Bürgerinitiative Klagen gegen den Windpark angekündigt. Berufung vor dem Verwaltungsgerichtshof ist zugelassen.

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