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Die Trauerfeier für den ermordeten Walter Lübcke (CDU) in der Martinskirche in Kassel im Juni. Swen Pförtner/dpa

Promis in Hessen

Hessen: Mord an Walter Lübcke hat viele erschüttert

Hessens Prominente lassen das Jahr 2019 Revue passieren. Die Trauerfeier für den ermordeten Regierungspräsidenten hat viele bewegt.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) muss nicht lange überlegen: „Sicherlich der Mord an Walter Lübcke, mit dem ich seit 40 Jahren befreundet war. Diese Gewalttat hat nicht nur mich, sondern auch viele andere in Deutschland nachdenklich gemacht, wie es um unsere politische Kultur und die politische Auseinandersetzung steht. Wir dürfen sie nicht extremistischen Minderheiten und Gruppen überlassen. Mit dem Aktionsprogramm „Hessen gegen Hetze“, das wir im September auf den Weg gebracht haben, treten wir dem Hass mit einem Bündel an Maßnahmen entgegen.“ Bouffier hat auch einen Wunsch für das Jahr 2020: „Wenn wir zusammenstehen und all diejenigen, die sich für unsere Werte einsetzen, es auch wirklich tun, wäre viel gewonnen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Auch Kabinettskollege und Bouffiers Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne) sieht es ähnlich wie der Landesvater: „Das bewegendste Ereignis war für mich die Trauerfeier für den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Er fehlt, und sein Tod sollte jedem deutlich machen, dass wir für die Werte unserer Verfassung kämpfen müssen und die gesamte Gesellschaft Radikalen und Extremisten entgegentreten muss.“

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) sagt: „Persönlich war mein 60. Geburtstag ein besonderes Ereignis. Gesellschaftlich einschneidend war der Mord an Walter Lübcke durch Rechtsradikale, und die Trauerfeier für ihn hat mich sehr bewegt.“

Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), erklärt: „Für mich waren es vor allem zwei Ereignisse. Zunächst die Klimaproteste der Schüler. Die Fridays-for-Future-Aktivisten haben uns Älteren sehr deutlich unsere Verantwortung dafür vor Augen geführt, dass die Generationen nach uns noch eine Zukunft in dieser wunderbaren Welt haben will, die für mich ein großartiges Geschenk Gottes ist.“ Sehr erschüttert hätten ihn auch die Morde an Regierungspräsident Walter Lübcke, den er persönlich kannte, und an dem achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof. „In beiden Fällen gab es unerträgliche Reaktionen und Diffamierungen im Netz. Das zeigt für mich, dass wir in der Gefahr sind, Menschlichkeit zu verlieren.“

Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer war 2019 erschrocken über den Extremismus: „Das Attentat auf die Synagoge in Halle. Die Explosion von Rassismus, Antisemitismus, Gewalt und Menschenhass hat mich erschüttert. Ich wünsche mir für 2020, dass jeder Mensch wieder respektvoll mit seinen Mitmenschen umgeht. Im Netz, im Straßenverkehr, im Gespräch,“

Die neue Kasseler Bischöfin Beate Hofmann blickt privat gern auf 2019 zurück: „Mein persönlich bewegendstes Ereignis war meine Wahl zur Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, weil das mein Leben völlig verändert hat. Gesellschaftlich war es die Ermordung von Walter Lübcke, weil die gezeigt hat, dass wir entschlossen rechtem Gedankengut entgegentreten und uns für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft engagieren müssen.“

Limburgs Bischof Georg Bätzing berührte ein Kirchen-Ereignis: „Im Jahr 2019 haben wir die Seligsprechung eines Zeugen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Limburg feiern dürfen. Der Pallottinerpater Richard Henkes ist gegen Rassismus und Hetze aufgestanden und hat seine Fürsorge um kranke Häftlinge mit dem Leben bezahlt. Leider ist das auch heute ein aktuelles Thema.“

Lotto-Fee und Moderatorin Franziska Reichenbacher sagt: „Insgesamt finde ich die stetig wachsende Klimabewegung, die in 2019 immer größer wurde, unter anderem auch durch die Fridays-for-Future-Demos, sehr gut.“

TV-Moderator Holger Weinert erklärt: „2019 scheint mir alles noch extremer geworden. Figuren wie Boris Johnson in Europa – gute Nacht! Und naziähnliche AfD-Gestalten als Wahlgewinner. Die Begabung des Menschen für Demokratie scheint mir wackelig ohne Ende.“ (dpa)

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