Die Landesbehörde versucht Hessen mobil zu halten.
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Die Landesbehörde versucht Hessen mobil zu halten.

Hessen Mobil

Hessen Mobil sucht Bauingenieure

Unbesetzte Stellen in der Verkehrsbehörde Hessen Mobil führen zu Verzögerungen bei Bauprojekten. Die Wirtschaft warnt vor den Folgen.

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) rühmt sich für Rekordinvestitionen in Hessens Autobahn- und Bundesstraßennetz. Die Opposition mault dagegen seit Monaten über zu wenig Geld für die Landesstraßen. Die Verkehrsbehörde Hessen Mobil hat derweil ganz andere Sorgen: Ihr fehlen qualifizierte Bauingenieure.

Rund 200 offene Stellen gab es im laufenden Jahr. Diese konnten zwar mittlerweile überwiegend besetzt werden. Der Weg dahin gestaltete sich aber zäh. Um sich im Wettbewerb am Fachkräftemarkt zu behaupten, will Hessen Mobil gerade bei den Ingenieuren mit neuen Wegen bei der Stellenausschreibung in die Offensive gehen.

Die Ursachen für den Personalengpass bei der Verkehrsbehörde sind vielfältig, die Folgen weitreichend. „Die schwierige Personalsituation bei Hessen Mobil birgt natürlich die Gefahr, dass wichtige Verkehrsprojekte nicht oder nur mit großen Verzögerungen realisiert werden können“, warnt Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). „Das haben wir letztes Jahr beobachten können, als das Land Hessen 30 Millionen Euro an Investitionsgeldern an den Bund zurücküberwiesen hat, weil Planungen für Verkehrsprojekte schlicht nicht vorhanden waren. So etwas darf sich nicht wiederholen.“

Der kontinuierliche Aderlass bei der Straßen- und Verkehrsverwaltung wird erst langsam gestoppt. Zu Beginn der 90er Jahre verfügte sie über mehr als 5000 Stellen, derzeit sind es nur noch 3374 Beschäftigte auf 3176 Vollzeitstellen, also rund 40 Prozent weniger. Auch in der laufenden Legislaturperiode hat Hessen Mobil nach eigenen Angaben jährlich weitere 13 Stellen einzusparen. Dem stehen seit 2016 erstmals wieder neue und vom Haushaltsgesetzgeber bewilligte Stellen für das Planen gegenüber: 25 im Jahr 2016,  weitere zehn dieses Jahr.

Pilotprojekt mit Griechen

Hessen Mobil räumt wegen der Personallage Verzögerungen beim Abarbeiten von Projekten ein. Man will deshalb vermehrt Ingenieurbüros mit Planungs- und Bauüberwachungsleistungen beauftragen. Zudem übernimmt der Projektdienstleister Deges Aufträge. Für diese Alternative macht sich auch die VhU stark: „Notfalls sollte verstärkt auch auf externe Planungsbüros zurückgegriffen werden“, sagt Pollert und begrüßt die Anstrengungen der Verkehrsbehörde in dieser Richtung.

Diese sogenannten Ingenieur-Fremdleistungen werden auch im Landeshaushalt ausgewiesen und sind wegen der in den vergangenen Jahren enorm intensivierten Bau- und Sanierungstätigkeit deutlich gestiegen. Nach 36,8 Millionen Euro im Jahr 2014 erhöhten sich die Mittel für die Planung und Bauüberwachung in den Folgejahren auf 41 und 47 Millionen Euro. Dabei lagen die realen Ausgaben 2016 nach Angaben des Verkehrsministeriums bei 49 Millionen Euro und damit sogar zwei Millionen über dem Haushaltsansatz. Im laufenden Jahr sind 54 Millionen, 2018 dann 65 Millionen Euro veranschlagt.

Hessen Mobil will sich aber nicht darauf verlassen, dass die Vielzahl der Sanierungs- und Neubauprojekte mit dem regelmäßigen Einschalten von privaten Planungsbüros gestemmt werden kann. Der starken Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt durch private Firmen und andere öffentliche Arbeitgeber will die Behörde mit einem Bündel von Maßnahmen zur Gewinnung qualifizierter Fachkräfte begegnen.

Neben Praktika und Werkstudentenstellen für Studierende sowie der Möglichkeit eines dualen Studiums für Straßen- und Verkehrstechniker gibt es auch ein Pilotprojekt zur Gewinnung griechischer Ingenieure. Außerdem soll die Ausbildung von Beamten im Ingenieurbereich verstärkt und bei Stellenausschreibungen sollen gezielte, großflächige Anzeigen geschaltet werden. Dauerausschreibungen sollen auf der Homepage von Hessen Mobil zu finden sein.

Ob die Personalstärke bei Hessen Mobil mit derzeit mehr als 3300 Beschäftigten auch in den nächsten Jahren Bestand hat, ist derweil ungewiss. Wegen der Gründung einer Autobahngesellschaft des Bundes ist nicht sicher, welche Kompetenzen und damit auch wie viel Personal bei Hessen Mobil oder einer möglicherweise dann eigenständigen Tochtergesellschaft für die Autobahnen im Land verbleiben werden.

Die neue Autobahngesellschaft gehört zu dem Gesamtpaket, in dem die Finanzströme zwischen Bund und Ländern ab dem Jahr 2020 neu geordnet werden. Damit will sich der Bund die Zuständigkeit für die bisher von den Ländern im Auftrag des Bundes verwalteten Bundesautobahnen zurückholen. Das Rundum-Management der Autobahnen soll ab 2021 eine bundeseigene GmbH in Berlin mit bis zu zehn regionalen Töchtern übernehmen. Ob Hessen darunter sein wird, ist noch unklar. Eine Entscheidung soll voraussichtlich bis Ende des Jahres fallen.            ( dpa)

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