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Über mangelnde Nachfrage kann der RMV nicht klagen.

Nahverkehr

RMV setzt auf Alternativen zur Bahn

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Weil der Bahnverkehr bereits stark ausgelastet ist, setzt der RMV unter anderem auf Schnellbusse zwischen den Städten.

Das Jobticket boomt: Mehr als 259 Verträge hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) mit Arbeitgebern geschlossen. Es wächst auch das Interesse in den Rathäusern. Es gibt Gespräche mit dem Hessischen Städtetag.

Über mangelnde Nachfrage kann der RMV nicht klagen. Die Fahrgastzahlen wachsen kontinuierlich, neue Angebote wie die Schnellbusse oder die neue Zugverbindung von Frankfurt nach Mainz werden sehr gut angenommen. Was dem Team von Geschäftsführer Knut Ringat Grenzen setzt, sind hauptsächlich die Kapazitätsengpässe auf der Schiene und der Mangel an Fachkräften: „Wir haben Notstand bei Fahrern. Das wird nur nicht so öffentlich dargestellt“, sagte Ringat am Dienstag in Frankfurt.

Bessere Löhne und eine Ausbildungsoffensive seien notwendig, eine Imagekampagne für den Beruf in Vorbereitung. „Nur mit ausreichendem und qualifiziertem Personal kann es mehr und besseren öffentlichen Nahverkehr geben.“ 

Ende dieses Jahres eröffnet der neue S-Bahnhof Gateway Gardens. Doch die anderen neuen Schienenbauprojekte sind entweder im Bau oder existieren gar nur auf dem Papier: Das dritte und vierte Gleis zwischen Frankfurt und Bad Vilbel sollen Ende 2022 in Betrieb gehen. Die ersten Spatenstiche für die Nordmainische S-Bahn und die Regionaltangente West erfolgen frühestens im Jahr 2022. Eine spürbare Entspannung im überlasteten Schienennetz Rhein-Main ist demnach zeitnah nicht in Sicht.

Also setzt der RMV auf Alternativen. Weitere Schnellbusse etwa, die hochfrequentierte S-Bahn-Linien entlasten könnten; etwa die von Frankfurt nach Wiesbaden. Attraktiv wäre ein solches Angebot aber nur, wenn diese Busse nicht im Stau steckenbleiben. Der RMV lotet derzeit bei der Landesstraßenbehörde Hessen-Mobil aus, ob die Exklusivnutzung des Standstreifens auf der A66 möglich ist. Ebenfalls in der Diskussion sind Schnellbusse zwischen dem Hessencenter in Frankfurt-Bergen-Enkheim und dem Main-Kinzig-Kreis oder Liederbach und Frankfurt-Höchst.

Spätestens zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember sollen die S-Bahnen in der Früh zwischen 4 und 10 Uhr im 15-Minuten-Takt fahren. Dann könnte auch das hessenweit gültige 365-Euro-Jahresticket für Senioren an den Start gehen, die konkrete Ausgestaltung ist noch offen. Bedingung: Der Aufsichtsrat stimmt zu.

Die nach großen Anfangsschwierigkeiten endlich reibungslos funktionierenden neuen Ticketautomaten werden mit WLAN-Routern ausgestattet. Und noch etwas steht für dieses Jahr auf dem Plan: Für die Region Wetterau /Vogelsberg plant der RMV einen Test von „On-demand-Verkehren“. Von Fahrzeugen ohne fixen Fahrplan, die auf Bestellung kommen. 

Für die vom Regionalverband in die Diskussion gebrachte Seilbahn zeigt sich Ringat offen. Vielleicht eine Lösung für den Taunus von Hohemark nach Schmitten? Oder als Touristenattraktion zwischen Offenbach und Frankfurt? Eine Machbarkeitsstudie ist in Auftrag gegeben. Innovative Antriebsformen wie Wasserstoff- und E-Busse werden geprüft, für autonomes Fahren ist ein Test geplant.

Ideen gibt es reichlich. Und noch nie sei die Bereitschaft der Politik so groß gewesen, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, sagt Ringat. Seine Leute haben sogar schon den Entwurf eines Schienenrings um Frankfurt gezeichnet, der die Regionaltangente West integriert. Dazu, sagt Chefplaner Thomas Busch, müsste vor allem Frankfurts Südbahnhof vom Fernverkehr entlastet werden: „Wir brauchen den Fernbahntunnel.“ 

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