Gesundheit

Hessen: Nie mehr warten beim Arzt

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Eine App soll die Wartezeiten in Praxen abschaffen. Dies ist nur eines von vielen hessischen Projekten, die die Digitalisierung im Gesundheitsbereich vorantreiben wollen.

Auf dem Smartphone eine Mitteilung bekommen und dann ohne Wartezeit in die Sprechstunde beim Hausarzt gehen? Klingt wie ein Traum, könnte aber schon bald Realität werden. Am Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health in Gießen arbeitet man an einer App, die Wartezeiten beim Doktor im Grunde abschaffen soll. Das mittelhessische Projekt ist eines von fünf Beispielen, die die Landesärztekammer bei einem Pressegespräch zur Digitalisierung im Gesundheitswesen präsentierte.

Die App soll den Namen „Wart’s ab“ tragen und eventuell schon im Dezember in die Testphase gehen. Mit der Software scannt man einen individuellen Code, den man in der Praxis bekommt. Anschließend kann man etwas anderes machen, als die Zeit im Wartezimmer zu verbringen. Ist man an der Reihe, bekommt man einen Hinweis in der App und kann zurück zum Arzt gehen.

Thomas Friedl von der Technischen Hochschule Mittelhessen, der das Projekt begleitet, verdeutlicht, dass bei der Anwendung keinerlei personenbezogenen Daten übermittelt würden. Weitere E-Health-Projekte der Hochschule sind die Digitalisierung der Pflege und eine Erhebung der Mobilfunkversorgung in Hessen.

Bei einem weiteren hessischen Projekt geht es speziell um die telemedizinische Versorgung von Epilepsiepatienten. Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums Frankfurt und Rhein-Main, berichtet von einer Unterversorgung im ländlichen Raum sowohl bei der Zahl der Ärzte als auch bei der Möglichkeit des Datenaustauschs und der Mobilität der Patienten. Diagnosen würden erst verzögert gestellt und Therapien spät oder nicht ausreichend ermöglicht.

Das Projekt will ein Netzwerk schaffen, das Kliniken in ganz Hessen mit den zwei hessischen Epilepsiezentren verknüpft. So können sich Ärzte Expertenmeinungen einholen und Patienten schneller diagnostiziert werden. Noch bis März 2021 wird das Projekt gefördert.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das hessische Projekt Tele-Intensivmedizin. Diese betrifft vorrangig Patienten mit Organausfällen, deren Behandlung oft zeitkritische Entscheidungen erfordert. „Aktuell läuft die Kommunikation hier per Telefon und Fax“, beschreibt Ralf Michael Muellenbach vom Zentrum für Notfall- und Intensivmedizin in Kassel die Situation. Möchte ein Arzt die Meinung eines Kollegen aus der Intensivmedizin, habe der Kollege keine Untersuchungsbilder oder Daten vom Patienten – außer er warte auf das Fax. Die Telemedizin mit Echtzeitübertragungen würde das Verfahren verbessern.

Für möglichst minimale technische Einstiegshürden möchte das Projekt Smartphones und Tablets nutzen, die heute jeder Arzt im Krankenhaus ohnehin dabei habe. Die Lösung solle auch in diesem Fall eine App sein, die aktuell programmiert werde. Muellenbach sagte aber auch, dadurch bekomme man zwar die Expertise in strukturschwache Regionen, aber eine solche Lösung werde nie ein Ersatz für einen Arzt vor Ort sein.

Ein Beispiel für die Nutzung künstlicher Intelligenz in der Medizin ist das Institut der Kasseler Stottertherapie. Bei der Behandlung von Stotterern werden Algorithmen verwendet, die dem Patienten Feedback geben und somit den Therapeuten ersetzen. Die Onlinetherapien und -angebote auf der bereits bestehenden Plattform sollen nun auf die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen ausgeweitet werden.

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