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Hessen will eine höhere Sicherheitskultur in Kliniken.

Gesundheit

Mehr Sicherheit im Krankenhaus in Hessen

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Hessen will vermeidbare Risiken für Patienten stärker mindern. Der Kulturwandel in den Krankenhäusern läuft schon seit Jahren.

Es sei wie bei den tödlichen Verkehrsunfällen, sagt Hedwig François-Kettner vom Aktionsbündnis Patientensicherheit. Nachdem man Gurtpflicht und Airbags einführte, starben weniger Menschen auf der Straße. Auch für Krankenhäuser gebe es Möglichkeiten, die Zahl der „unerwünschten Ereignisse“, wie sie dort heißen, zu verringern. Etwa Checklisten vor der Operation oder Patientenarmbänder gegen Verwechslung. Doch bei rund zehn Prozent der Krankenhausbehandlungen komme es zu Beanstandungen: Druckgeschwüre, Stürze, Fehldiagnosen, bei der Operation vergessene Fremdkörper.

„Die sind vermeidbar, da muss man genau hinsehen“, sagt François-Kettner. In Pflegeheimen werde jedoch zu wenig auf die Medikation der Bewohner geachtet. „Das ist ein Desaster.“ Ihre These: 40 Prozent aller Kliniken der Republik wären verzichtbar, wenn vorab mehr auf Patientensicherheit geachtet und dafür gesorgt würde, dass bei Notfällen oder Geburten schnell ein Hubschrauber vor Ort ist. Denn eine gute medizinische Versorgung ist dem Patienten wichtiger als eine wohnortnahe. Das weiß sie aus den regelmäßigen Workshops des Aktionsbündnisses.

François-Kettner ist die Radikalste in der Diskussionsrunde des Verbands der Ersatzkassen (VdEk) zu Patientensicherheit und Qualitätsmanagement im Krankenhaus. Ein aktuelles Thema. Nicht zuletzt, weil Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) eine „Patientensicherheitsverordnung“ plant. Sie soll alle Krankenhäuser zur Weiterentwicklung einer Sicherheitskultur verpflichten, sagt seine Sprecherin Alice Engel.

Patientensicherheitsbeauftragte wichtig

Eine zentrale Rolle spielten dabei die Patientensicherheitsbeauftragten. Die müssten „eine hohe Kompetenz und gute Kenntnisse auf dem Gebiet des klinischen Risikomanagements“ vorweisen. Bei der Qualifizierung werde das Land die Kliniken finanziell unterstützen. Aufgabe der Beauftragten sei es, Risiken zu identifizieren, einzuschätzen und gegebenenfalls Konsequenzen abzuleiten. Sie sollen direkt der Klinikleitung unterstellt werden.

Hessen fängt nicht bei null an. Seit rund 20 Jahren leitet Björn Misselwitz die Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen, eine Einrichtung der Krankenhausgesellschaft und Krankenkassen. Sie wertet Daten der Kliniken aus und spricht sie bei Auffälligkeiten an. Oft stoße er zunächst auf Verunsicherung, „aus Sorge, dass man an den Pranger gestellt wird“. Neuerdings schaut die Geschäftsstelle auch auf die niedergelassenen Ärzte. Manches, sagt Misselwitz, gehe ihm zu langsam. So sei seit Jahren eine Patientenbefragung geplant. Bei der Belastung mit Kontrastmittelapplikationen oder multiresistenten Erregern gebe es große Unterschiede.

Eine Sicherheitskultur zu etablieren, hänge stark von der Führung ab, meint Kyra Schneider, Patientensicherheitsbeauftragte der Uniklinik Frankfurt. Der Prozess dauere lange – auch weil die Schulungen des Personals Zeit kosteten. Und Kommunikation spiele eine zentrale Rolle.

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