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Gesundheit

Mehr Qualität in Kliniken in Hessen

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Die Krankenkasse Barmer fordert eine „Offensive“ beim Adipositas-Eingriff. Das Land fordert für jedes Haus einen Beauftragten für die Patientensicherheit.

Immer mehr Menschen leiden unter extremem Übergewicht. Und immer mehr müssen sich operieren lassen. „Die Anzahl der Krankenhausfälle zwischen 2016 und 2017 mit der Hauptdiagnose Adipositas in Hessen hat sich um 24 Prozent erhöht.“ Darauf weist Norbert Sudhoff hin, Landesgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse. 50 der insgesamt 130 hessischen Krankenhäuser böten gewichtsreduzierende (bariatrische) Operationen an. Mit „massiven Qualitätsunterschieden“. Lediglich sieben seien von der Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zertifiziert. Nötig, so Sudhoff, sei eine „Qualitätsoffensive“.

Die Adipositas-Chirurgie ist nur ein Beispiel. Generell gilt: Krankenhäuser ohne Zertifikat liefern nicht automatisch schlechte Arbeit, stellt das hessische Sozialministerium auf FR-Anfrage klar. Ohne „weitergehende Informationen und Analysen“ lasse sich kein Urteil über die Qualität bilden. Die Möglichkeit dazu hat die Landesregierung im Herbst mit der Änderung des Hessischen Krankenhausgesetzes eröffnet. Es sieht verbindliche Vorgaben vor, die zur Sicherheit des Patienten und der Qualität beitragen können. Eine dazu notwendige Rechtsverordnung wird derzeit erarbeitet, informiert Ministeriumssprecher Markus Büttner. Dabei werde auch diskutiert, die Adipositas-Chirurgie zu analysieren und gemeinsam darüber zu beraten.

Konkret geht es darum, dass alle Krankenhäuser in Hessen sogenannte qualifizierte Beauftragte für Patientensicherheit vorhalten. Das muss nicht zwangsläufig zusätzliches Personal sein. Die Aufgabe kann auch der hausinterne Qualitätsbeauftragte übernehmen. Die Steuerung liegt beim Ministerium. Ziel ist, die medizinische Qualität durch Informationsaustausch, Wissenstransfer und Netzwerkbildung zwischen den Krankenhäusern zu fördern.

Konkret soll der Patientensicherheitsbeauftragte die Risiken in den einzelne Fachgebieten sowie der gesamten Klinik beurteilen. Und dafür Sorge tragen, dass gesetzliche Vorgaben umgesetzt werden – wie Risikomanagement oder das Fehlermeldesystem CIRS. Denn aus Fehlern lässt sich bekanntlich lernen. Mit dem Vorhaben geht das Land über die Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (Gba) hinaus, des obersten Beschlussgremiums der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland.

Aktuell hat der Gba die Qualität von Kniespiegelungen im Blick, von Herzkatheteruntersuchungen oder Oberschenkelhalsoperationen. Die Adipositas-Chirurgie spielt in dem Gremium derzeit keine Rolle. Dabei handelt es sich um einen schweren und irreversiblen Eingriff, so Barmer-Geschäftsführer Sudhoff. Auch sei es mit der Operation bei Weitem nicht getan. „Es muss immer eine engmaschige und interdisziplinäre Nachsorge in Wohnortnähe erfolgen.“ Eine stärkere Vernetzung der medizinischen Versorgungssysteme – wie im hessischen Koalitionsvertrag vereinbart – sei „in diesem sensiblen Bereich“ unumgänglich.

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