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Hessen: Mehr Kriminalität auf offener Straße

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Von: Oliver Teutsch

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Die Taunusstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel gilt als Kriminalitätsschwerpunkt. Foto: Renate Hoyer.
Die Taunusstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel gilt als Kriminalitätsschwerpunkt. © Renate Hoyer

Das Frankfurter Bahnhofsviertel spielt in den Statistiken meist eine unrühmliche Ausnahme. Schon zwei Massenschlägereien in diesem Jahr.

Für das Sicherheitsempfinden der Menschen ist das Deliktfeld Straßenkriminalität von besonderem Interesse. Daher ist es schmerzlich, dass die Zahl der Straftaten im öffentlichen Raum im vergangenen Jahr hessenweit erstmals seit dem Jahr 2000 wieder angestiegen ist – wenn auch nur leicht um 2,2 Prozent auf 57 690 Fälle. Die Kriminalitätsstatistik für Hessens mit Abstand größte Stadt wird erst in der kommenden Woche präsentiert, fest steht aber schon jetzt: Das Bahnhofsviertel wird darin wieder eine besondere Rolle einnehmen.

Dies hatte der Leiter der Abteilung Einsatz bei der Frankfurter Polizei, Thomas Seidel, bereits im vergangenen Jahr betont. Frankfurt werde immer sicherer, sagte Seidel, um dann einzuräumen, das Bahnhofsviertel müsse als Sonderfall angesehen werden. So werde es auch in der Kriminalitätsstatistik 2021 sein, ließ ein Polizeisprecher durchblicken. Normalerweise lehne die Polizei es ab, einen bestimmten Stadtteil bei der Präsentation herauszustellen, um ihn nicht zu stigmatisieren. Doch das Bahnhofsviertel sei „die große Ausnahme“, sagte der Sprecher.

Taunusstraße im Fokus

Dabei muss das Kriminalitätsaufkommen selbst im Bahnhofsviertel noch unterschieden werden. Denn dort hat im Laufe der Jahre eine Verdrängung stattgefunden. Die Münchner Straße gilt in weiten Teilen als hip, die Kaiserstraße wurde in den vergangenen Jahren enorm aufgewertet. Die Kriminalität spielt sich laut Polizei hauptsächlich „in der Taunusstraße und den angrenzenden Querstraßen ab“.

Dies beweist auch ein Blick in das noch junge Jahr 2022, in dem das Bahnhofsviertel fast täglich in den Polizeiberichten auftaucht. Mitte Januar kam es an der Ecke Taunus- und Moselstraße zu einer Masssenschlägerei.

20 Männer prügelten und bewarfen sich mit allem, was ihnen in die Finger kam. Die Bilanz: drei Verletzte, zwei davon schwer. Der Streit soll sich zwischen den Angestellten eines Schnellrestaurants und Personen entwickelt haben, die sich vor dem Imbiss des Öfteren aufhalten und offensichtlich die Kundschaft vergraulen.

Hilft Videoüberwachung?

Anfang Februar kam es fast an der gleichen Ecke erneut zu einer Massenschlägerei. Diesmal fing der Streit in einer Gaststätte in der Moselstraße an und verlagerte sich dann nach draußen in Richtung Taunusstraße. Zwei Männer wurden durch Messerstiche verletzt.

Körperverletzungen unter Verwendung eines Messers sind im vergangenen Jahr auf Hessens Straßen um 9,3 Prozent auf 775 Fälle zurückgegangen. Möglicherweise habe die Videoüberwachung von neuralgischen Plätzen oder die temporäre Einrichtung von Waffenverbotszonen dazu beigetragen, mutmaßt das Innenministerium. An der Ecke Taunus- und Moselstraße gibt es noch keine Kameras.

Auch in Sachen Aufklärungsquote fällt das Bahnhofsviertel zumindest bei Körperverletzungen negativ auf. Die Aufklärungsquote ist in diesem Deliktbereich traditionell deutlich überdurchschnittlich, da es meist eine Beziehung zwischen Täter und Opfer gibt. Im Bahnhofsviertel aber sind die Beziehungen zwischen den einzelnen Streitparteien eher flüchtig. Als die Polizei Mitte Januar mit einem Großaufgebot eintraf, um die Massenschlägerei zu unterbinden, hatten sich die Kontrahenten schon längst aus dem Staub gemacht.

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