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In einigen Schulen gilt jetzt auch Maskenpflicht im Unterricht.

Schule

Masken auch im Unterricht

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Pflicht im Kreis Groß-Gerau stößt auf Kritik. Der nächste Reiserückkehrer schickt eine Schulklasse in Quarantäne.

Der Kreis Groß-Gerau ist bislang der einzige Schulträger in Hessen, der die Maske im Unterricht zur Pflicht macht: In fünf Kommunen des Landkreises müssen Schülerinnen und Schüler auch im Klassenzimmer Mund und Nase bedecken. Damit geht der Landkreis über die Anordnung des Landes hinaus.

„Sehr interessant“ sei diese Entscheidung, sagte Hessens Kultusminister Alexander Lorz am Mittwoch im Landtag. Sie sei ein Beispiel dafür, wie Schulträger differenziert auf steigende Infektionszahlen reagieren können. Ein solches Vorgehen fördere die Akzeptanz in der Bevölkerung. Deshalb habe Hessen als einziges Bundesland Schulen mit großem Außengelände freigestellt, auf den Mund-Nasen-Schutz in den Pausen zu verzichten.

Einzelne Schulen wiederum haben von sich aus beschlossen, während des Unterrichts auf das Maskentragen zu bestehen. Im Gegensatz zum Schulträger sei ein solcher Beschluss nicht „rechtsverbindlich“, stellte Lorz klar. Wer sich widersetzt, kann nicht sanktioniert werden.

Der Schulstart unter Pandemiebedingungen am Montag bewegt weiter die Gemüter. Es habe sich ein Flickenteppich gebildet, der es den Schulen erschwere, die Maskenpflicht durchzusetzen, sagt Christoph Degen, Bildungsexperte der SPD. Die Sozialdemokraten haben das Thema mittels eines dringlichen Berichtsantrags auf die Tagesordnung des zuständigen Landtagsausschusses gehoben.

Alle Schulen im Land seien seit Montag wieder geöffnet, sagt der Minister. Es gibt allerdings auch schon die ersten Schüler, die wieder zu Hause bleiben müssen. Am Mittwoch kamen weitere hinzu: In der Eichendorffschule in Kelkheim ist eine komplette Schulklasse wegen eines Corona-Falles in Quarantäne, meldete der Main-Taunus-Kreis. Ein Schüler der 10. Klasse habe sich im Kroatien-Urlaub infiziert.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist alles andere als begeistert von der Situation: „Zwar freuen sich alle, dass das Lernen und die Begegnungen im Präsenzunterricht wieder zum Alltag gehören, aber insbesondere die Maskenpflicht führt zu großen Problemen“, teilt der Vorstand im Kreis Groß-Gerau mit. Dies gelte insbesondere für die im Kreis Groß-Gerau angeordnete Maskenpflicht im Unterricht, aber auch für die landesweit geltende auf dem Schulgelände und in den Pausen.

Als Schutz für Schüler und Lehrer werde sie begrüßt. Im Alltag stelle sie die Verantwortlichen vor große Probleme: „Die Masken behindern die pädagogische Arbeit.“ Seien speziell bei den aktuellen Temperaturen „völlig unpraktikabel“, so die GEW. Und die Hygieneregel realitätsfern: „Wenn man die Anweisung ernst nimmt, dass vor und nach jedem Abnehmen der benutzten Mund-Nasen-Bedeckung die Hände gründlich mit Seife zu waschen oder zu desinfizieren sind, bleibt kaum noch Zeit für den Unterricht.“

Lorz bemüht sich im Ausschuss, die Wogen zu glätten: Die Schulen könnten „Maskenpausen“ zum Durchschnaufen einrichten. „Entsprechendes lässt sich organisieren.“ Lorz wirbt um Verständnis: Die steigenden Infektionszahlen hätten die Landesregierung gezwungen, die Regeln in der vergangenen Woche nochmals zu verschärfen. Masken seien besser als „Distanzunterricht“, bei dem die Kinder elektronisch zu Hause lernen müssen. Oder ein „Wechselbetrieb“ mit einzelnen Präsenztagen in der Woche, der zu „gesellschaftlichen Verwerfungen“ führe.

Die GEW sieht das anders. Es sei „unverantwortlich“, dass die Landesregierung nach den Ferien zum Regelbetrieb zurückgegangen sei. Umgehend müssten Vorbereitungen getroffen werden, um notfalls auch kurzfristig wieder zum Unterricht in kleineren Lerngruppen zurückzukehren, in denen das Abstandsgebot eingehalten werden könne. Der Minister müsse endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Schulen das seien, was der Landrat des Kreis-Groß-Gerau in seiner Allgemeinverfügung schreibe – „ein besonders geeigneter Bereich, in dem sich Infektionen ausbreiten können“.

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