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Kinder, die mit sechs Jahren noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, müssen künftig an einem Vorlaufkurs teilnehmen, bevor sie in die Schule kommen.

Bildung

Hessen macht Deutschkurs verpflichtend

  • Pitt v. Bebenburg
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Kinder mit schwachen Sprachkenntnissen müssen in Hessen künftig vor der Einschulung teilnehmen. Nicht alle Parteien finden das richtig.

Kinder, die mit sechs Jahren noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, müssen künftig an einem Vorlaufkurs teilnehmen, bevor sie in die Schule kommen. Das hat der Hessische Landtag am Dienstagabend beschlossen. Bisher ist die Teilnahme freiwillig.

Mädchen und Jungen absolvieren jeweils im März oder April einen Sprachtest, bevor sie eingeschult werden. Wenn sie nicht ausreichend Deutsch sprechen, können sie in einem Vorlaufkurs die Sprache lernen. Ein Großteil der Eltern schickt ihre Kinder in diese Kurse, nämlich rund 95 Prozent. Fast alle sind danach in der Lage, in die erste Klasse zu gehen.

Doch es gibt auch einige Eltern, die sich gegen die Vorlaufkurse entscheiden. Die Zahl der Kinder, die trotz einer Empfehlung nicht teilnahmen, lag im vorigen Schuljahr in Hessen bei knapp 700. CDU und Grüne befürchten, dass den Kindern dieses Versäumnis schadet. Deshalb haben sie mit der Änderung des Schulgesetzes die verpflichtenden Kurse eingeführt. Dafür sollen 210 neue Lehrerstellen geschaffen werden.

Einst umstritten

Im Schuljahr 2002/2003 hat Hessen die Sprach-Vorlaufkurse flächendeckend eingeführt. Sie sollten sich vor allem an Migrantenkinder richten. Seinerzeit war das Vorhaben von Ministerpräsident Roland Koch und Kultusministerin Karin Wolff (beide CDU) politisch hoch umstritten. Alle Bundesländer haben mittlerweile mit ähnlichen Projekten nachgezogen. Die CDU preist daher Hessens „Vorreiterrolle“.

Der CDU-Schulpolitiker Armin Schwarz sieht in der Verpflichtung einen „Weg zu mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit“. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) wies darauf hin, dass die Quote der Schulabbrecher seit Einführung der Vorlaufkurse deutlich zurückgegangen sei.

Im Landtag enthielt sich die FDP der Stimme, der Rest der Opposition votierte gegen das Vorhaben. Die Oppositionsparteien bedauern, dass die Landesregierung nicht erhoben hat, warum Kinder die empfohlenen Vorlaufkurse nicht besuchen. Vergeblich wollten sie die Regierung auffordern, „eine Studie zu der Frage durchzuführen, warum Eltern ihre Kinder trotz der Empfehlung bisher nicht an den Vorlaufkursen teilnehmen lassen“ – so hieß es in einem Antrag der FDP, der von der restlichen Opposition mitgetragen wurden. Die Ergebnisse dieser Studie müssten genutzt werden, „um mit den Eltern zusammenzuarbeiten und gegebenenfalls individuelle Lösungen zu finden“. So vermutete die Linke Elisabeth Kula, dass es praktische Gründe gebe, die eine Teilnahme erschwerten – etwa dass die Kurse oft in der Grundschule und nicht in der Kita stattfänden. Eltern müssten ihre Kinder aus der Kita abholen und zur Schule bringen, nur um sie später wieder in die Kita zu bringen. Das sei „für Berufstätige kaum machbar“.

Die SPD-Abgeordnete Manuela Strube betonte, jedes Kind solle optimal in der sprachlichen Entwicklung gefördert werden. Dafür fehle „ein fachliches Gesamtkonzept mit durchgängiger Sprachförderung“.

Der AfD-Politiker Heiko Scholz argumentierte, die Sprachförderung müsse weit früher beginnen. „Diese in das letzte Jahr vor der Einschulung zu legen, ist viel zu spät“, urteilte er.

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