+
Mund-Nasen-Schutz anziehen, Hände desinfizieren, Abstand halten.

Gesundheit

Hessen lockert Regeln für Kliniken

  • schließen

Der Zugang zu Operationen wird einfacher. Jetzt arbeiten die Häuser die Wartelisten ab.

Hessische Kliniken dürfen auch wieder Menschen mit leichteren Erkrankungen operieren. Das betrifft zunächst jene Patienten, die wegen der Corona-Krise auf die Warteliste gesetzt wurden - etwa weil sie ein künstliches Hüftgelenk brauchen. „Diese Woche fangen sie an, den Betrieb wieder hochzufahren“, bestätigt der Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Steffen Gramminger, der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. Wer Hilfe benötige, möge sich telefonisch melden. „Wir werden auch Patienten anrufen“, sagt Rafaela Korte, Direktorin der Frankfurter Stiftung Hospital zum Heiligen Geist. Niedergelassene Chirurgen können ebenfalls wieder an die Arbeit gehen. Einige von ihnen waren sogar in Kurzarbeit.

Am Freitag hatte Sozialminister Kai Klose (Grüne) angekündigt, die seit Mitte März geltenden strengen Zugangsregeln zu den Operationstischen von der nächsten Woche an zu lockern. Dann seien sogenannte elektive, also planbare Eingriffe im stationären und ambulanten Bereich wieder möglich. Er habe die entsprechende Verordnung geändert. Damit folgt Hessen der Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der hatte schon Anfang vergangener Woche den Bundesländern geraten, angesichts der relativ günstigen Entwicklung bei den Neuinfektionen einen Teil der für Covid-19-Patienten freigehaltenen Krankenhauskapazitäten auch für planbare Operationen zu nutzen. Das hat Vorteile für alle Beteiligten. Gramminger hatte der FR vergangene Woche gesagt, es stehe rund die Hälfte der Betten in Hessen derzeit leer. Das kostet.

Nun ist es keinesfalls so, dass demnächst alle diese Betten Non-Covid-Patienten zur Verfügung stünden. Klose spricht vielmehr von einem „neuen Klinikalltag in Hessen mit Corona“. Und meint damit ein Herantasten an eine Gesundheitsversorgung, die weniger stark darauf ausgerichtet ist, dass man sich auf eine Infektionsgeschehen wie jüngst in Italien vorbereitet.

Das soll so funktionieren: Ein Viertel aller vorhandenen Intensivbetten sind weiter für Infizierte vorzuhalten, so Klose. Die OP-Kapazitäten sind bis zu 70 Prozent für Elektiveingriffe geöffnet. Die hohe Wachsamkeit bleibt. Denn: „Wir müssen weiterhin für alle Eventualitäten hinsichtlich der Entwicklung von Covid-19-Erkrankungen gewappnet sein, um die Menschen medizinisch gut versorgen zu können.“ Ganz wichtig dabei: Beide Patientengruppen werden wie gehabt streng voneinander getrennt behandelt. Keiner muss befürchten, dass er sich im Krankenhaus oder in der Praxis ansteckt. Die Hygieneregeln spielen im Alltag der Klinik mindestens eine so große Rolle wie in dem der Gesamtbevölkerung.

Mund-Nasen-Schutz anziehen, Hände desinfizieren, Abstand halten: So wie der Einkauf im Supermarkt kosten auch die Arbeitsabläufe in den Praxen, Ambulanzen und Kliniken mehr Zeit. Dementsprechend wird es dauern, bis die Wartelisten abgearbeitet sind. Direktorin Korte bittet, auf alle Fälle vorher anzurufen. Und um Verständnis, wenn es nicht so flott geht wie erwünscht. „Alle Krankenhäuser haben Wartelisten, wir werden nach der Schwere der Erkrankungen behandeln.“ Gramminger geht davon aus, dass es auch Unterschiede geben wird. „Die kleineren Häuser können wohl etwas schneller hochfahren.“

Grund sei die Arbeitsteilung, die das Land gemeinsam mit den Versorgern Hessen verordnet hat. Das Konzept mit dem sogenannten Planungsstab an der Spitze sieht sechs Regionen mit jeweils einem großen Krankenhaus der Maximalversorgung vor, das die Behandlung der Covid-Patienten in den umgebenden Häusern koordiniert. Womöglich, so Gramminger, könnten die koordinierenden Kliniken jetzt komplett die geforderte Zahl an Intensivbetten für Infizierte vorhalten. Dies sei eine der Lösungen, die derzeit im Gespräch seien.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare