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Hessen: Kritik an neuer Vertrauensgruppe in der Linkspartei

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Von: Hanning Voigts

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Die hessische Linkspartei steht wegen dem Skandal um sexuelle Übergriffe stark unter Druck. Foto: dpa
Die hessische Linkspartei steht wegen dem Skandal um sexuelle Übergriffe stark unter Druck. © dpa

Im Skandal um Berichte von sexuellen Übergriffen in der hessischen Linkspartei wurde ein Team von Vertrauensleuten benannt. Die Betroffenen wissen nicht, was die neue Gruppe leisten soll.

Die Benennung von drei Vertrauensleuten für Opfer von Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen innerhalb der hessischen Linkspartei stößt bei den Betroffenen auf Kritik. „Die Betroffenen wurden in keinster Weise eingebunden“, sagte Sarah Dubiel, Sprecherin des Bundesverbands der Linksjugend „Solid“, der Frankfurter Rundschau. Die Einsetzung der Vertrauensgruppe sei intransparent abgelaufen und „unglücklich gelöst“, sagte Dubiel, die in Wetzlar lebt und nach eigenen Angaben Kontakt zu 60 Betroffenen von missbräuchlichem Verhalten in der Partei hat, davon acht aus Hessen. Die Betroffenen seien nicht nur Frauen, sondern auch Männer und queere Menschen.

Wie Dubiel weiter sagte, ist bisher nicht klar, nach welchen Grundsätzen die Arbeit der Vertrauensleute ablaufen soll. Die Betroffenen seien nie gefragt worden, was für Hilfsbedarf es gebe. Es sei zudem nicht einmal klar, was die Aufgabe der Gruppe sei. Die Aufklärung bereits bekannter Fälle, die Beratung von Betroffenen und die Prävention künftigen Fehlverhaltens seien „drei verschiedene Dinge“, kritisierte Dubiel. Viele Betroffene stellten sich aktuell dieselbe Frage: „Was machen diese Personen jetzt?“.

Der Landesvorstand der hessischen Linken hatte vor zehn Tagen mitgeteilt, Betroffene von Übergriffen und Sexismus könnten sich ab sofort an die Rechtsanwältin Godela Linde, die Sozialpsychologin Julia Schnepf und den evangelische Pfarrer Martin Schindel wenden. Die dreiköpfige Vertrauensgruppe arbeite unabhängig, sei niemandem gegenüber rechenschaftspflichtig und solle dem Landesvorstand in anonymisierter Form über Vorfälle berichten. Die hessische Linke steht seit einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ über Fälle von sexuellem Missbrauch und Grenzverletzungen durch vier Linken-Politiker massiv unter Druck, in dem Bericht war von einer „toxischen Machokultur“ in der Linkspartei die Rede. Die Berichterstattung hatte die Linkspartei bundesweit erschüttert, Bundes- und Landesverband der Partei beteuern seitdem, die Vorfälle aufklären und neue Hilfsstrukturen schaffen zu wollen.

Vorwurf der Intransparenz

Ein Mann aus Hessen, der in dem „Spiegel“-Bericht ebenfalls einen Übergriff schildert, sagte der FR, ihm sei unklar, wieso ausgerechnet die drei genannten Personen ernannt worden seien und nach welchem Konzept sie arbeiten sollten. „Gegen die Leute kann ich kaum etwas sagen, es geht mir eher um den Prozess, der wieder sehr intransparent ist“, sagte der Mann. Er sehe keinen Grund, mit dem Vertrauensteam zu sprechen. Die Ankündigung, das Team solle dem Landesvorstand Bericht erstatten, mache ihn zusätzlich skeptisch. Er befürchte, die Partei habe eher „eine öffentlichkeitswirksame Selbstinszenierung hingelegt“, als wirklich ein Hilfskonzept zu erarbeiten.

Michael Müller, der Sprecher der hessischen Linken, sagte der FR, die drei Vertrauensleute hätten ihre Hilfe von sich aus angeboten und seien aufgrund ihrer Erfahrungen in der Frauen- und Opferberatung als externe Expert:innen qualifiziert. „Wenn sie nicht geeignet gewesen wären, hätten wir weitergesucht“, versicherte Müller. Das Team arbeite unabhängig und ehrenamtlich und erstelle jetzt sein eigenes Arbeitskonzept. Sensible Informationen würden selbstverständlich vertraulich behandelt.

Müller räumte ein, dass es vor der Einsetzung des Teams keinen Kontakt zu Betroffenen gegeben habe. Der gesamte Landesverband sei aber informiert gewesen, dass eine solche Gruppe geplant sei.

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