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Appell an die Vernunft: Auf den Weg zum Feldberg soll sich möglichst niemand machen, denn es droht Schneebruch.  renate hoyer
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Appell an die Vernunft: Auf den Weg zum Feldberg soll sich möglichst niemand machen, denn es droht Schneebruch. renate hoyer

Corona-Pandemie

Hessen: Kommunen sperren Wintertouristen aus

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  • Anke Hillebrecht
  • Petra Zeichner
    Petra Zeichner
  • Jens Joachim
    Jens Joachim

Geschlossene Pisten und Polizeikontrollen an Zufahrten zu den Mittelgebirgen sollen weiteren Ansturm verhindern

Das schneereiche Winterwetter und der eintönige Pandemiealltag locken zahlreiche Natursuchende in die hessischen Mittelgebirge. Die Behörden in Hessen erwarten auch an diesem Wochenende kein Abflauen des Besucheransturms und versuchen, dem mit Sperrungen und Warnungen vorzubeugen. „Ein Besuch der Feldbergregion macht derzeit keinen Sinn“, hat Landrat Ulrich Krebs (CDU) auf Facebook gepostet. Denn auf den Straßen und Wegen in den höheren Lagen bestehe unvermindert Gefahr durch Schneebruch, umgestürzte Bäume und Glatteis.

Aus diesem Grund, so meldete der Hochtaunuskreis auch offiziell, hätten der Erste Kreisbeigeordnete Thorsten Schorr (CDU) sowie die Bürgermeister der Feldberganrainerkommunen Glashütten, Königstein, Schmitten und Oberursels Erster Stadtrat Christof Fink beschlossen, die Sperrung der Zufahrtsstraßen zum Großen Feldberg bis einschließlich Montag zu verlängern. Nur an diesem Wochenende sollen zudem die Landesstraßen durch den Glashüttener Ortsteil Oberems sowie die Zufahrt nach Falkenstein gesperrt werden. Natürlich nicht für Anwohner – sie sollen aber ihren Personalausweis mitnehmen.

Schneehungrige Massen aus der ganzen Region waren vor allem am vorigen Wochenende in die Höhenlagen geströmt. Sie parkten in Wohngebieten, in Feuerwehreinfahrten und an Bundesstraßen. Da es kalt bleibt und weiter schneit und zugleich der Lockdown in die Verlängerung geht, wird auch in den nächsten Tagen mit einem erhöhten Besucheraufkommen gerechnet. Daher werde die Landespolizei mit zusätzlichen Kräften die Polizei der Taunusorte unterstützen, sagt Schorr. Wie der Kreis mitteilt, versucht er beim Verkehrsministerium zu erreichen, dass auf den Hinweistafeln auf der A661 und der A5 ebenfalls auf die Sperrung des Feldberggebiets hingewiesen werde.

Glashüttens Bürgermeisterin Brigitte Bannenberg bittet darum, Schleichverkehr durch Schloßborn zu vermeiden. „Wegen der Sperrung von Oberems führt der Weg durch Schloßborn eben nicht zum Feldberg“, erklärt die Rathauschefin.

Schorr verweist auch auf die Corona-Regeln. Sie könnten „auf den wenigen begehbaren Wegen und Hängen aufgrund des unverminderten Besucherinteresses nur schwerlich eingehalten“ werden. Wer dennoch in den Taunus kommt, an den appelliert das Amt für ländlichen Raum, sein Auto nicht auf Feldern und Äckern zu parken. Dies könne zu tiefgreifenden Schäden des Ackerbodens führen, der derzeit wegen der Schneedecke nicht sichtbar sei. Wer Müll in der Landschaft entsorge, sich in freier Natur oder auf privatem Gelände erleichtere oder Einfahrten zuparke, werde von den Ordnungshütern bestraft.

Im nordhessischen Wintersportort Willingen gilt wegen der Corona-Pandemie von diesem Freitag an ein Betretungsverbot für Skipisten und Rodelhänge. Bürgermeister Thomas Trachte (parteilos) will dies aber zunächst nicht mit umfangreichen Absperrungen und Bußgeld durchsetzen, sondern appelliert an die Vernunft der Besucher: „Wir wollen nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“ Die Sperrung von Skipisten und Rodelhängen auf Grundlage des Infektionsschutzrechts ist die erste dieser Art in Hessen. Sie gilt bis Sonntag.

Laut Trachte wird das Ordnungsamt mit Unterstützung der Polizei über die Einhaltung des Verbots wachen. Da die 7000-Einwohner-Gemeinde ein Tourismusschwerpunkt in Hessen sei, habe man vergleichsweise viele Ordnungskräfte. Zudem seien die Hänge und Pisten gut einsehbar. Bei Verstößen wolle man die Besucher zunächst aufklären. Spaziergänge und die Zufahrt in den Ort seien möglich. „Sollte sich aber wieder ein Besucheransturm ergeben, wären wir auch in der Lage, Straßen zu sperren.“

Auslöser des Verbots war die Situation am vorigen Wochenende: Nachdem die Wintersportregion Winterberg im benachbarten Nordrhein-Westfalen Pisten und Parkplätze geschlossen hatte, waren Tausende Ausflügler nach Nordhessen ausgewichen.

Auch in Osthessen rüstet man sich. Im Vogelsbergkreis sollen die Zufahrtsstraßen zum Hoherodskopf und zur Herchenhainer Höhe weiter zwischen 9 und 16 Uhr gesperrt bleiben. Dies solle zunächst bis zum 12. Januar gelten, teilte der Kreis mit.

In der Röhn schließen der Kreis Fulda und die Stadt Gersfeld die touristischen Parkplätze und Zufahrten zur Wasserkuppe komplett, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung hieß. Die Sperrungen am Wochenende gelten einer Sprecherin des Kreises Fulda zufolge am Samstag und Sonntag zwischen 9 und 16 Uhr. Es sei verständlich, dass die Leute Erholung suchten. Aber: „Der Appell an Eigenverantwortung geht bei vielen ins Leere.“

In und bei Wiesbaden gibt es gleich mehrere Ausflugsziele, die – vorerst – geöffnet bleiben: die „Platte“, ein Rodel- und Wandergebiet in der Nähe des gleichnamigen Jagdschlosses, die „Eiserne Hand“, ein Gebirgspass zwischen Wiesbaden und Taunusstein, sowie die Berge Schläfers- und Kellerskopf. Trotzdem warnt die Stadt, sie gehe davon aus, dass die Parkplätze auf den Höhenlagen des Taunus dem zu erwartenden Ansturm nicht standhalten würden. Es sei dringend davon abzuraten, am Samstag und Sonntag Parkplätze und Wandermöglichkeiten auf den Höhenlagen anzufahren. Und der Parkplatz Hohe Wurzel an der L3037 in den Taunus hinein könne aus Gründen der Verkehrssicherung bis auf weiteres nicht zur Benutzung empfohlen werden.

Außerdem gelte: Sobald die Parkplätze vor Ort belegt seien, werde das Ordnungsamt sie schließen, sagt Wiesbadens Stadtsprecher Ralf Munser. Um die Lage im Blick zu behalten, kontrolliere das Ordnungsamt häufiger.

Unterdessen hat die Stadt Taunusstein im Rheingau-Taunus-Kreis die Reißleine gezogen. Seit gestern sind dort Wohngebiete und zentrale Orte sowie Feld- und Waldwege für Ausflügler:innen gesperrt. Durch den Ansturm von Tagesbesuchern am vergangenen Wochenende sei ein Verkehrschaos in den Wohngebieten entstanden, außerdem hätten die Leute „teilweise rücksichtsloses Fahr- und Parkverhalten“ an den Tag gelegt, was auch nachhaltige Schäden an Feldern, Privateigentum und der Natur verursacht habe. Auch hier wird die Ordnungspolizei der Stadt das gesamte Wochenende im Einsatz sein. Notfalls würden Fahrzeuge auch abgeschleppt.

Im Kreis Darmstadt-Dieburg haben Kommunen rund um die Neunkircher Höhe, der höchsten Erhebung im Odenwald, auf den Ansturm durch Tagestouristen am zurückliegenden Wochenende reagiert. Die Stadt Lindenfels hat am Freitag die Zufahrt zu mehreren Parkplätzen zwischen dem Stadtteil Winterkasten und Modautal-Neunkirchen für den Verkehr gesperrt. Die Sperrung gilt bis Montag, 11. Januar.

Die Polizei in Darmstadt kündigte rund um die Neunkircher Höhe sowie in den Ausflugszielen rund um Siedelsbrunn und Oberzent im Odenwald Kontrollen an, weil in den vergangenen Tagen immer wieder Halteverbote missachtet und Rettungswege zugeparkt worden seien. ahi/dpa/pz/jjo

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