Der Geigenvirtuose Daniel Hope zeigt in der Evangelischen Kirche in Nieder-Moos, wie vielfältig die Musik der Barockzeit war.
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Der Geigenvirtuose Daniel Hope zeigt in der Evangelischen Kirche in Nieder-Moos, wie vielfältig die Musik der Barockzeit war.

Veranstaltungen in Hessen

Hessen: Klassik in der Provinz

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Der Nieder-Mooser Konzertsommer hat auch in diesem Jaahr Hochkarätiges zu bieten.

Nieder-Moos, ein Dörfchen mit 370 Seelen im Vogelsberg, wird jeden Sommer zu einem Mekka für Musikliebhaber. Seit 42 Jahren organisiert der Frankfurter Alexander Eifler in ehrenamtlicher Arbeit im Ortsteil der Gemeinde Freiensteinau den „Nieder-Mooser Kultursommer“. Die Konzertreihe, ursprünglich eine Folge kleiner Orgelkonzerte, hat sich zu einem Musikfestival entwickelt, das internationale Klassik-Stars anzieht. In diesem Sommer geben beispielsweise der Dresdner Star-Trompeter Joachim Karl Schäfer und der britische Geigenvirtuose Daniel Hope in der Dorfkirche Konzerte.

Der „ungehobene Schatz“ des evangelischen Gotteshauses, so Alexander Eifler, eine nahezu unverändert erhaltene Orgel aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert mit mehr als 23 Registern, brachte den inzwischen pensionierten Musiklehrer 1978 auf die Idee, in der Kirche eine Konzertreihe zu etablieren. Er hatte davor Urlaub in dem Dörfchen gemacht und den damaligen Pfarrer gefragt, ob er auf dem Instrument, heute die bedeutendste, denkmalgeschützte Orgel aus der Zeit des Klassizismus in Hessen, ab und an spielen dürfe. Der Geistliche stimmte zu, bat ihn allerdings im Gegenzug um ein Konzert für die Gemeindemitglieder. Die hatten bis dahin die Klänge ihrer Orgel nur gehört, wenn sie während der Gottesdienste für drei oder vier Lieder gespielt wurde. Alexander Eiflers Engagement änderte das.

Der Konzertsommer der evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Moos hat sich in all den Jahren zu einem Musikfestival entwickelt, das nicht nur Zuschauer weit über die Grenzen des Vogelsbergkreises anzieht. auch Musiker, inzwischen von internationaler Bedeutung, haben die Dorfkirche für sich als Bühne entdeckt. „Künstler bewerben sich, entweder direkt oder über große Agenturen, und ich spreche Wunschkandidaten an“, sagt Alexander Eifler. Acht Konzerte stehen dieses Jahr auf dem Programm. In früheren Jahren waren es schon einmal 16. Doch das wurde dem Festspielleiter und den ebenfalls ehrenamtlich arbeitenden Helfern zu viel.

Der Nieder-Mooser Konzertsommer hat inzwischen ein Stammpublikum. „Die teuersten Karten sind immer am schnellsten weg“, sagt Alexander Eifler. Wer in der Kirche einen Stuhl in den ersten Reihen habe, könne den Musikerinnen und Musikern ganz unmittelbar beim Spielen zusehen und ihnen dabei helfen, ihre Notenblätter umzudrehen, scherzt der Frankfurter.

Viele Besucher verbänden den Besuch eines Konzerts in der Kirche mit einem Bad im nahen Badesee, einem Spaziergang oder einem Essen in den Gasthöfen des Ortes. Und auch Tagesausflügler, die sich spontan für ein Konzert entscheiden, müssen nicht befürchten, an der Tageskasse keine Karte mehr zu bekommen. „Wir schicken niemanden fort, nicht einmal wenn er einen Hund dabei hat, vorausgesetzt das Tier ist leise“, sagt Alexander Eifler. Zur Not gebe es in dem Gotteshaus ja noch die „Treppenplätze“.

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