Soziales

Kinder als Armutsrisiko

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Linke im Landtag fordert einen „Aktionsplan“. Das Land Hessensetzt auf Bildung und Hilfen für Alleinerziehende.

In Hessen wachsen nach Ansicht der Linksfraktion zu viele Kinder in Armut auf. Über den aktuellen Stand liegen dem Sozialministerium keine Daten vor. Von Alleinerziehenden weiß es, dass die Quote der von Armut bedrohten Haushalte von 42,2 Prozent im Jahr 2016 auf 39,4 Prozent im Jahr 2018 sank. In sogenannten Bedarfsgemeinschaften lebten im vergangenen Jahr 146 703 Minderjährige. Auch hier gebe es einen Abwärtstrend, heißt es in der Antwort des Ministeriums auf eine kleine Anfrage der Linken.

Nach Ansicht der sozialpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Christiane Böhm, unternimmt die schwarz-grüne Landesregierung nicht genug gegen Kinderarmut. Die sei in Hessen von 2017 auf 2018 erneut von 20,3 Prozent auf 21,1 Prozent angestiegen. „Damit ist auch weiterhin unter Schwarz-Grün etwas mehr als jedes fünfte Kind armutsgefährdet. Das ist eine politische Bankrotterklärung.“ Betroffen seien vor allem junge Frauen unter 25 Jahren. Deren Zahl sei innerhalb eines Jahres um 1,6 Prozentpunkte auf 28,1 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. „Das Geschlecht darf kein Armutsrisiko sein“, sagt Böhm.

Was ist Armut?

In der Wirtschaftsstatistik gilt als armutsgefährdet, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. Das Durchschnittseinkommen in Deutschland lag im vergangenen Jahr laut statistischem Bundesamt bei 1301 Euro für eine Einzelperson.

Kritik übt die Linken-Abgeordnete an den Kürzungen der SGB-II-Leistungen für unter 25-Jährige. Betroffen waren davon laut Ministerium 2762 volljährige Jugendliche, die noch zu Hause wohnen, sowie 2165, die bereits ausgezogen sind. „Bei jungen Menschen geht durch die Sanktionspraxis das Vertrauen in die Beratungs- und Unterstützungsprozesse verloren“, urteilt Böhm. Kinderarmut resultiere auch aus der verfehlten Mieten- und Wohnungspolitik. Dies belege die Zahl von mehr als 48 250 Haushalten, die laut Ministerium eine Sozialwohnung suchen. Von den rund 80 300 Sozialwohnungen in Hessen seien die meisten vergeben. Auch hier sind Kinder besonders betroffen. Die Liste der Suchenden führen Alleinerziehende (6000), gefolgt von kinderreichen Familien (5000) an. Böhm erneuert die Forderung der Linken nach jährlich 10 000 neuen Sozialwohnungen und einem „Aktionsplan gegen Kinderarmut“.

Das Ministerium sieht Hessen gut aufgestellt. In seiner Antwort führt es eine lange Liste mit Projekten gegen Armut und soziale Ausgrenzung von Kindern auf. „Die Landesregierung ist davon überzeugt, dass die beste Armutsbekämpfung Armutsprävention ist“, schreibt es. Ein Schwerpunkt bildeten deshalb Bildung, Erziehung und Betreuung, aktuell würden dazu noch Angebote ausgebaut.

Es gebe die Beitragsfreistellung auf alle Kindergartenjahre im Umfang von täglich sechs Betreuungsstunden. Als nächster Schritt werde in den kommenden Jahren das „Kita-Stärkungs-Paket“ umgesetzt. Ziel sei eine Verbesserung der Personalausstattung durch die Erhöhung der gesetzlichen Mindeststandards. Auch gebe es Förderprogramme für Alleinerziehende.

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