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Hessen: Keine Cannabis-Medizin für Alkoholkranke

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Von: Gregor Haschnik

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Laut einem Urteil des Landessozialgerichts besteht bei Alkoholsucht gegenüber der Krankenkasse kein Anspruch auf Versorgung mit medizinischem Cannabis.

Versicherte haben seit 2017 einen gesetzlichen Anspruch auf Versorgung mit medizinischem Cannabis, wenn sie schwer erkrankt sind, die Arznei Besserung verspricht und die Standardbehandlungen nicht helfen.

Alkoholkranke Menschen können die Cannabistherapie nicht von ihrer Krankenkasse beanspruchen, auch weil ihnen „insbesondere Rehabilitationsbehandlungen“ zur Verfügung stehen. Das hat das hessische Landessozialgericht in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil entschieden (Az.: L 1 KR 429/20).

Nach Angaben des Gerichts hatte ein 70-Jähriger aus dem Landkreis Gießen bei seiner Krankenkasse Cannabisblütenmedizin beantragt, weil er nur damit seinem Drang, Alkohol zu trinken, entgegenwirken könne. Das sei etwa 15 Jahre lang mit selbst angebautem Cannabis gelungen. Der Eigenanbau sei ihm jedoch mittlerweile untersagt. Die Kasse lehnte den Antrag mit Verweis auf die Möglichkeit einer Entwöhnungstherapie ab, wogegen der Betroffene klagte.

Die Richter folgten – wie bereits in der ersten Instanz – im Kern der Argumentation der Kasse: Neben einer Rehabilitation könne der Mann seine Sucht auch mit medikamentöser Rückfallprophylaxe und Psychotherapie behandeln. Darüber hinaus habe der behandelnde Arzt nicht ausreichend begründet, weshalb der Gießener nicht auf Standardtherapien zurückgreifen könne.

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