Ein Arzt mit Stethoskop.
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Ein Arzt mit Stethoskop.

Corona

Hessen: Keine Angst vorm Arztbesuch

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Eine Kampagne wirbt für Vertrauen. Doch bei den Tests für Patienten und Klinikmitarbeiter gibt es noch keine Entscheidung und auch nicht bei den Besuchsregelungen.

Die Patientenrückgänge sind frappierend: 25 bis 30 Prozent sind es in den Arztpraxen, 20 bis 30 Prozent in den Krankenhäusern. Selbst bei Schlaganfällen oder Herzinfarkten meidet so mancher den Gang zum Arzt, auch Krebsvorsorge wird aus Angst vor dem Virus verschoben. Doch eine Nach-Corona-Zeit wird es auf absehbare Zeit nicht geben, sagt Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch in Frankfurt. „Wir müssen jetzt das Leben mit Covid organisieren.“

Klose ist Schirmherr der Kampagne, mit der die Hessische Krankenhausgesellschaft und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen der Bevölkerung die Furcht nehmen will, sich bei einer medizinischen Behandlung anzustecken. 100 000 Euro lassen sie sich die Plakate kosten, die demnächst in Praxen, Krankenhäusern und auf Plakaten in den Großstädten zu sehen sein werden. „Sicher für Sie da“ lautet der Slogan, den sie Vorbehalten entgegensetzen, die ihrer Darstellung nach unberechtigt sind: Sowohl in den Kliniken als auch in der ambulante Versorgung würden Corona-Verdachtsfälle separat behandelt. Die Hygienestandards seien hoch, Erfahrungen mit der Behandlung von Infektionen groß – nicht erst seit Corona, betont KV-Vorstandschef Frank Dastych.

Mitte März hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Krankenhäuser aufgefordert, möglichst viele Intensiv-Kapazitäten für Corona-Patienten aufzubauen. Planbare Eingriffe wurden verschoben. In Hessen stieg die Zahl der Beatmungsbetten auf 2187. Davon sind derzeit 810 frei. Der Normalbetrieb unter Beachtung des verschärften Infektionsschutzes könnte wieder losgehen, denn die Engpässe mit Schutzausrüstungen sind auch beseitigt. Doch der Neustart verläuft schleppend, sagt Christian Höftberger, Präsident der Krankenhausgesellschaft. „Die Ressourcen sind da, doch die Angst der Bevölkerung ist groß.“

Unterdes gibt es immer noch jede Menge Baustellen. Etwa beim Thema Tests. In der Regel vergeht mindestens ein Tag, bis das Ergebnis vorliegt. Der Notfall-Patient müsste in dieser Zeit in Quarantäne, derjenige mit einem geplanten Eingriff dürfte auch keinen Kontakt zu andern Menschen haben, um sich nicht neu zu infizieren. Um dies zu kontrollieren, könnte man die neue App nutzen, sagt Höftberger. Auch die Frage der Mitarbeiter-Testung sei noch in der Diskussion. Klose verwies auf den kommenden Freitag, an dem er die Teststrategie des Landes vorstellen will. Weiter geht es mit den Besuchsregeln. Derzeit sind nur in Ausnahmefällen Besuche in den Kliniken möglich. Das dient dem Schutz der Kranken, doch sorgt zunehmend für Ärger. Alles Testen von Mitarbeitern nutzt aber nichts, wenn Angehörige das Virus einschleppten, sagt Höftberger. Auch hier werde nach einer Lösung gesucht.

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