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Mitarbeiter von DLRG und Feuerwehr sind am Nachmittag dabei, Bewohner aus den vom Wasser eingeschlossenen Häusern in der überfluteten Altstadt zu bergen.
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Mitarbeiter von DLRG und Feuerwehr sind am Nachmittag dabei, Bewohner aus den vom Wasser eingeschlossenen Häusern in der überfluteten Altstadt zu bergen.

Katastrophen

Hessen: Katastrophenschützer fordert vielfältige Warnkanäle

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Hessens oberster Katastrophenschützer fordert nach dem gravierenden Hochwasser einen bunten Strauß an Warnkanälen - und eine Sensibilisierung der Bevölkerung.

Die Katastrophe ist noch in vollem Gange, da werden schon die ersten Stimmen laut, was künftig besser laufen müsse. Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, forderte am Montag im ZDF, die gute alte Alarmsirene müsse wieder reaktiviert werden. Eine solche Sirene tauge nachts um drei Uhr mehr als die Warn-Apps auf irgendwelchen Handys.

Im vergangenen September beim bundesweit ersten Warntag hatte sich allerdings gezeigt, dass die in Zeiten des Kalten Krieges etablierte Sirene nur noch in wenigen Kommunen zum Einsatz kommt. In Frankfurt etwa gibt es Sirenen nur noch rund um die Industrieparks in Höchst und Fechenheim. Fernab dieser Stadtteile blieb es am Warntag weitestgehend ruhig. Hessenweit gibt es noch 4500 aktiv betriebene Sirenen in den einzelnen Kommunen.

Oberster Katastrophenschützer in Hessen ist Tobias Bräunlein. Der Leiter der Abteilung Brand- und Katastrophenschutz im hessischen Innenministerium will die Forderung von Feuerwehr-Präsident Banse nicht unterstützen. Vielmehr sei „ein Werkzeugkoffer an Warnkanälen“ erforderlich. Die Sirene tauge zwar dafür, alle Menschen in einem Gebiet zu erreichen, doch was dann zu tun sei, wüssten ja die wenigsten. „In jedem Fall ein Radio- oder Fernsehgerät einschalten“, rät Bräunlein. Warn-Apps wie Katwarn oder Hessenwarn hätten den Vorteil, dass die Menschen nicht nur alarmiert, sondern bereits gezielt zu Handlungen aufgerufen werden könnten. Während ältere Menschen mit solchen Mobilfunk-Applikationen aber kaum erreichbar seien, werde es schwer, jüngere Menschen über ein Fernsehgerät zu erreichen. Daher sei der bunte Strauß an Warnmöglichkeiten so wichtig.

Warn-Apps

Katwarn informiert seit 2017 über mögliche Bedrohungslagen wie Hochwasser oder Terrorangriffe . Das Warn- und Informationssystem wurde vom Fraunhofer-Institut entwickelt. www.katwarn.de

Hessenwarn ist eine Weiterentwicklung des Landes Hessen und informiert seit 2019 zusätzlich über Ereignisse wie Cyberangriffe oder Produkrückrufe. Hessenweit haben aktuell 785 000 Menschen Katwarn und/oder Hessenwarn auf ihren mobilen Endgeräten installiert. www.hessenwarn.de ote

Das alles hilft aber ohnehin nur, wenn die Bevölkerung die entsprechenden Warnhinweise auch ernst nimmt. Die Erfahrungen des Hochwassers in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zeige, dass die Bevölkerung für solche Warnhinweise sensibilisiert werden müsse. So hätten teilweise Menschen trotz der Aufforderung des Katastrophenschutzes, ihre Häuser zu verlassen, gerade eben dies nicht getan, weil sie vielmehr ihr Hab und Gut schützen wollten, gibt Bräunlein zu bedenken.

Medienberichten zufolge sind in einigen Fällen wegen des Stromausfalls auch die vorhandenen Warnhinweise nicht bei der Bevölkerung angekommen. Unter den möglichen Schreckensszenarien ist daher ein flächendeckender Stromausfall die größte Herausforderung für Katastrophenschützer. Denn dann sind auch die Helfenden untereinander in ihrer Kommunikation eingeschränkt. Daher gebe es in Hessen schon seit Jahren einen entsprechenden Sonderschutzplan.

Der sieht etwa vor, dass Feuerwehrleute bei Stromausfall von sich aus in die Wachen einrücken, weil sie womöglich gar nicht mehr alarmiert werden könnten. Für die Bevölkerung empfiehlt Bräunlein, ständig ein batteriebetriebenes Radio, ein paar Kerzen und auch ein bisschen Essen zu Hause zu haben.

Um Lehren aus der Hochwasserkatastrophe zu ziehen, sei es noch zu früh, so Bräunlein. Die hohe Zahl der Todesopfer hat aber auch ihn nachdenklich gemacht. An mancher Stelle müsse womöglich die Siedlungspolitik oder der bauliche Hochwasserschutz auf den Prüfstand. Die schlimmsten Folgen hatte es in engen Tallagen gegeben. Bei der Feuerwehr Frankfurt war am Montag keiner der Katastrophenhelfer erreichbar. Sie sind alle noch mal nach Rheinland-Pfalz ausgerückt.

FrHochwasser am Main in Frankfurt im Januar 2021. Monika Müller

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