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Hausbau

Jubiläum

100 Jahre Hessische Landgesellschaft

Die Hessische Landgesellschaft spekuliert nicht mit Grundstücken. Sie soll dem Wohl der Allgemeinheit dienen.

Sie kauft Grundstücke für energiesparende Wohnsiedlungen und für Gewerbeparks, für Bahntrassen und Autobahnen, aber auch für Streuobstwiesen und Hecken. Anders als andere große Grundstückseigentümer spekuliert die Hessische Landgesellschaft (HLG) jedoch nicht, sondern soll dem Wohl der Allgemeinheit dienen. 

„Wir möchten Spekulation unterbinden und mit Weitblick Bodenbevorratung betreiben“, sagte HLG-Geschäftsführerin Martina Klärle am Donnerstag im Wiesbadener Landtag. Dort wurde das 100-jährige Bestehen der Gesellschaft gefeiert. Die HLG muss nicht zuletzt Konflikte lösen. „Boden ist ein nicht vermehrbares Gut, für das es nahezu grenzenlosen Bedarf gibt“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und zählte auf: Wohnen und Landwirtschaft, Gewerbe und Erholung, Straßen und Natur. „Dies alles in Einklang zu bringen, erfordert kluges Management.“

Zum Beispiel beim Bau der ICE-Trasse Frankfurt-Köln, die 2002 fertiggestellt wurde. Allein auf hessischer Seite wurden dafür 400 Hektar Land beansprucht sowie 800 Hektar für den ökologischen Ausgleich. Insgesamt wurden dafür nach Angaben der HLG 7000 Grundstücke benötigt. Die Gesellschaft habe mit 2400 Eigentümern verhandelt; in den meisten Fällen einigte man sich, in zwölf Prozent allerdings nicht. Dann kam es zu Enteignungsverfahren samt Entschädigungen.

Hessen: Auch in ländlichen Gebieten wird spekuliert

Ähnlich lief es beim Bau des Flughafens Kassel, für den 220 Hektar benötigt wurden plus 365 Hektar ökologische Ausgleichsfläche. Oder bei der Erweiterung des Frankfurter Flughafens um eine Landebahn. Damals habe die HLG „auch für den letzten Landwirt die Ausgleichsfläche organisiert“, berichtete Geschäftsführerin Klärle.

CDU und Grüne haben vereinbart, den Flächenverbrauch in Hessen auf 2,5 Hektar pro Tag zu begrenzen und gleichzeitig den Wohnungsbau voranzubringen. Spekuliert wird nach Angaben von Umwelt-Staatssekretärin Beatrix Tappeser (Grüne) aber nicht nur im Ballungsraum, sondern auch in ländlichen Gebieten. Landwirtschaftlich genutzte Flächen erschienen manchen Spekulanten sogar besonders lukrativ, sagte sie. Hier versuche die Hessische Landgesellschaft vorausschauend, Flächen zu erwerben und damit zu sichern.

Für mehr als 200 kleinere Gemeinden arbeitet die HLG auch als „Bauamt auf Zeit“, wie Klärle es formuliert. Wenn dort etwa eine Ortsumgehung geschaffen werden solle, könne die Gesellschaft mit ihrer Erfahrung einspringen, die den örtlichen Verantwortlichen fehle.

Die Hessische Landgesellschaft im Überblick

146 Beschäftigte arbeiten bei der Hessischen Landgesellschaft. Der Umsatz beträgt 80 bis 100 Millionen Euro pro Jahr.

99,7 Prozent befinden sich in Landeseigentum. Der Hessische Bauernverband hält 0,3 Prozent der Anteile.

1919 wurden die Vorgänger „Hessische Heimat“ und „Nassauische Siedlungsgesellschaft“ gegründet. pit

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