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1000 Kilometer im Blick: Hessen sieht sich als Vorreiter bei der intelligenten Steuerung des Autobahnverkehrs.

Verkehr

Intelligente Ideen gegen den Stau auf der Autobahn

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Verkehrszentrale Hessen wird 50. Sie ist an vielen Forschungsprojekten beteiligt, unter anderem mit Oberleitungs-Hybrid-Lastwagen.

Es war im Jahr 1970. Von einem separaten Raum der Autobahnmeisterei Rüsselsheim wurde das erste ferngesteuerte Verkehrsschild in Betrieb genommen. Es diente der „Netzbeeinflussung bei Störungen“, lenkte den Verkehr auf Alternativrouten um. Ein Schild, das aus der Ferne umgestellt werden kann. Was aus heutiger Sicht zu einer modernen Autobahn gehört, war damals eine kleine Revolution. Wie so manches Projekt der Verkehrsleitzentrale Hessen, die damals in Rüsselsheim noch den Namen „Verkehrsrechnerzentrale“ trug und aus einem einzigen Bedien-tableau bestand.

Inzwischen arbeiten 70 Menschen in der Zentrale, die lange in Frankfurt-Rödelheim residierte, bevor sie vor zwei Jahren ins House of Logistics an Mobility (HOLM) am Flughafen umzog, wo eine kleine Gruppe am Mittwoch das 50-jährige Bestehen feierte – coronabedingt ohne großes Fest.

Weniger Verkehr Laut Staubilanz des ADAC standen im vergangenen Jahr die Autofahrer in Hessen zwar seltener im Stau, die Länge der Wartezeit stieg aber deutlich an. Im Bundesvergleich sei dies noch moderat angesichts der Tatsache, dass Hessens Autobahnen ein knapp 30 Prozent höheres Verkehrsaufkommen verkraften müssten. Während des Corona-Lockdown war laut Hessen Mobil auf den Autobahnen zwischen 30 und 50 Prozent weniger Verkehr, an den Sonntagen betrug der Rückgang sogar etwa 70 Prozent. Aktuell sind es noch rund zehn Prozent weniger Verkehrsteilnehmende im Rhein-Main Gebiet. jur Im nächsten Jahr steht wieder eine große Neuerung an: Die Zuständigkeit für die Autobahnen geht von den Bundesländern auf den Bund über. Aus der Verkehrszentrale Hessen wird die für Deutschland, die die unterschiedlichen Strukturen in den 16 Bundesländern zusammenführt.

Die Zuständigkeit für die Steuerung der Schilder auf den 1000 hessischen Autobahnkilometern bleibt aber bestehen, stellte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Mittwoch klar. Auch künftig werden auf den vielen Bildschirmen in der Leitzentrale die Standstreifen beobachtet, die bei starkem Verkehr zum Fahren freigegeben werden, etwa wenn eines Tages wieder Eintrachtfans mit den Autos in Richtung Stadion düsen. Auch das Pilotprojekt mit den Oberleitungs-Hybrid-Lastwagen will Hessen-Mobil-Präsident Gerd Riegelhuth weiter vorantreiben.

Fahrzeuge, die miteinander Informationen austauschen; Baustellen, die Autofahrer vor sich selbst warnen können - all das erfordert viel Forschung und Entwicklung. Auch beim Thema autonomes Fahren oder dem Datenschutz sieht Riegelhuth noch viele offene Fragen. Ungeduld in seinem Beruf sei aber ein schlechter Ratgeber. „Weitsicht und ein langer Atem sind elementar, um im Bereich des intelligenten Verkehrsmanagements Vorreiter zu werden und es vor allem zu bleiben.“

Hessen bietet sich als Testfeld an, sagte Al-Wazir. Die Autobahnen zählen zu den meist befahrenen in ganz Deutschland - speziell die im Rhein-Main-Gebiet. Mit der zentralen Verkehrssteuerung gelinge es, die Stauzeiten zu verringern. Das würdige sogar der ADAC. Die Verkehrszentrale und Hessen Mobil seien an nationalen und internationalen Forschungs-und Entwicklungsprojekten beteiligt. „Damit dokumentiert sie Hessens Führungsrolle bei der Entwicklung der intelligenten Mobilität der Zukunft.“ Im HOLM residiere die Zentrale nun in Nähe zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die am gleichen Ziel arbeiteten.

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