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In Offenbach werden die Ersten im Testlauf schon mal probegeimpft.

Corona

Impfwillige müssen sich melden

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Für die geplante Massenimpfung gibt es nun doch ein bundeseinheitliches System per Telefon oder Online. Die große Unbekannte bleibt, wie viel Serum Hessen abbekommt.

Die Logistik steht. Hessen ist bereit für die Massenimpfung. Wann es nach der Zulassung losgeht, hängt davon ab, wann das Serum in den Lagerhallen an unbekannten Orten eintrifft. Eine weitere Unbekannte sind die Mengen, die dann zur Verfügung stehen werden.

Höchstwahrscheinlich reicht die erste Lieferung noch nicht einmal aus, um jene zu versorgen, die auf der Prioritätenliste ganz oben stehen: Ältere über 80 Jahre und chronisch Kranke, weil sie das höchste Risiko für eine schwere oder gar tödliche Corona-Infektion haben, sowie medizinisches Personal, das berufsbedingt eng mit Infizierten in Kontakt steht: Ärzt:innen, Pflegende, Physiotherapeut:innen. Anders als bisher kommuniziert, müssen Impfwillige nicht auf eine Einladung warten. Wenn es losgeht, sollen sie sich telefonisch unter der 116 117 melden oder online, die Adresse ist noch unbekannt. Es handelt sich um eine bundesweite Lösung.

„Ich freue mich auf meine Impfung“, sagte Sabine Wicker, die mit Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch in Wiesbaden die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Priorisierung von Impfungen vorstellte. Die Fachärztin für Arbeitsmedizin und Notfallmedizin ist selbst Mitglied des unabhängigen Gremiums, das gemeinsam mit der Leopoldina und dem Ethikrat die Empfehlungen erarbeitet hat. Die Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes am Universitätsklinikum Frankfurt spürt eine große Ungeduld. „Alle fragen mich, wann es endlich losgeht.“ Es gebe keinen Grund, sich nicht impfen zu lassen. Die Fachleute wüssten genug über die Wirksamkeit des neuen Serums und dessen Nebenwirkungen. Auch in höheren Altersgruppen sei es erprobt worden.

Herdenimmunität wichtig

„Ich glaube an die Effektivität und Sicherheit“, sagte die Notfallmedizinerin und betonte die Wichtigkeit einer Herdenimmunität, die bei 60 bis 70 Prozent Geimpften in der Bevölkerung erreicht sei: „Es wird keinen anderen Weg geben, diese Pandemie zu bekämpfen.“ Die häufigsten Nebenwirkungen reichten von Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle am Oberarm bis hin zu leichtem Unwohlsein und Abgeschlagenheit. In der Regel erst nach der zweiten Impfung könnten sich eine erhöhte Temperatur sowie Kopf- und Gliederschmerzen einstellen. Diese Reaktionen seien meist von kurzer Dauer und medikamentös gut behandelbar.

Anders als es Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) gefordert hat, werden Politiker nicht zu den ersten Geimpften gehören, wie etwa Polizei oder Feuerwehr. Die Stiko hat sie nicht in die Rubrik „für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Leben notwendig“ einsortiert, die auf der Prioritätenliste oben steht. Wer erwiesenermaßen eine Corona-Infektion durchgemacht hat, soll zunächst nicht immunisiert werden, sagte Wicker. Zumindest für die ersten Monate sei von einer „gewissen Teilimmunität“ auszugehen.

„Jeder Tag kann buchstäblich Leben retten“, betonte Klose. Die Pflegeheime seien mit Formularen für Einwilligungserklärungen versorgt. Die mobilen Teams stünden ebenso in den Startlöchern wie die Betreiber der 28 Zentren im Land. Deren ärztliches Personal setzt sich zusammen aus niedergelassenen Ärzt:innen, Ruheständlern und Mitarbeitenden von Dienstleistern wie dem DRK. Sobald es losgehen kann, werde über die Presse ein Aufruf an die Bevölkerung erfolgen. Dann kann man sich online anmelden oder alternativ die 116 117 anrufen.

Bundesweites Callcenter 

Die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sei nur das „Einfallstor“, sagte deren Sprecher Karl Roth der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. Die Impfwilligen würden dort über einen Sprachcomputer an ein bundesweites Callcenter weitergeleitet. Die KV sei sonst organisatorisch nicht in die Impfkampagne involviert.

Steht ausreichend Serum zu Verfügung, will das Land pro Tag rund 30 000 Bürger:innen impfen. Notwendig ist immer eine doppelte Immunisierung. Das in Mainz entwickelte Biontech-Serum wird voraussichtlich als erstes zugelassen. Es benötigt eine Kühlung von minus 70 Grad und kann nach dem Auftauen durch Erschütterung verderben. Laut Notärztin Wicker hat es eine Effektivität von 95 Prozent.

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