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Besonders hoch ist die Absterberate der Bäume im Rhein-Main-Gebiet.

Natur

Der Wald ist krank wie nie

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Das Land investiert mehr Geld in Personal. Der BUND fordert ein höheres Tempo beim Klimaschutz.

Die Zukunft des Waldes sieht Hessen bei den Eichen, Buchen, Kiefern. Baumarten, die es über Jahrhunderte geschafft haben, ihre Genetik den geänderten Umständen anzupassen. Hessen setzt auch auf natürliche Verjüngung und einen „Vorwald“. Das sind robuste Arten wie Birken, Eschen oder Weiden als Schattenspender für die Aufforstung. Der künftige hessische Wald soll ein Mischwald sein. Der gilt als besonders resistent gegen Pilze und Insekten, die den vom Klimawandel geschwächten Bäumen immer mehr zu schaffen machen. „In weiten Teilen Hessens ist der Zustand des Waldes in diesem Jahr schlecht wie nie zuvor“, sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Freitag bei der Vorstellung des Waldschadensberichts. Besonders schlimm sei die Situation im Rhein-Main-Gebiet. Hier liegt die Absterberate bei vier Prozent.

„Wir müssen weiterhin alles tun, um den Klimawandel zu begrenzen“, sagte Hinz in Wiesbaden. Große Bedeutung komme dabei dem Forst zu. Die Landesregierung werde ihre Investitionen in den „Wald der Zukunft“ noch einmal erhöhen. Zusätzliche Mittel in Höhe von rund 250 Millionen Euro stünden dafür bis 2023 bereit. „Wir brauchen alle Kräfte.“ Deshalb sei der Personalabbau bei Hessen Forst vom Tisch. Der Staatswald müsse ständig beobachtet und gepflegt werden. Die kommunalen und privaten Besitzer bräuchten mehr Unterstützung. „Auf die Förster kommen anstrengende Jahre zu.“

Die Absterberate habe sich mit 2,9 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel versiebenfacht.

Nach drei heißen und trockenen Sommern hat sich die Gesundheit hessischer Wälder noch einmal verschlechtert. Bei den Fichtenbeständen seien die Schäden „verheerend“, heißt es in dem Bericht. Die mittlere Kronenverlichtung von 28 Prozent bei allen Baumarten sei der höchste Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1984. Der Anteil starker Schäden liege mit knapp neun Prozent dreimal so hoch wie im Mittel der Jahre 1984 bis 2020. Die Absterberate habe sich mit 2,9 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel versiebenfacht. Mehr als die Hälfte der Fichten sind demnach in den vergangenen drei Jahren gestorben. Bei den mehr als 60 Jahre alten Buchen habe sich die Kronenverlichtung nochmals leicht verschlechtert. Die der älteren Eichen und älteren Kiefern hingegen habe sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert.

Der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte am Freitag „mehr Tempo bei der Energiewende und Schutzmaßnahmen für alte Wälder“. Innovative Ideen für die Verkehrswende seien nötig, sagte Landesvorsitzender Jörg Nitsch. Er verurteilte den Widerstand gegen den Ausbau der Windkraft bei vielen südhessischen Kommunalpolitikern. „Die Waldflächen, die hier vor der Windkraft gerettet werden sollen, werden in vielen Fällen den Klimawandel nicht überleben.“

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