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Die angestiegene Zahl der Nachweise von Wölfen in Hessen sorgt für Diskussionen um den Schutz nicht nur von Schafen.

Hessen

Hessische Schaf- und Ziegenhalter sollen ihre Herden mit Elektrozäunen vor Wölfen schützen

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Hessens Umweltministerin Priska Hinz wirbt mit einer Prämie für besseren Schutz von Schafen und Ziegen.

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat die Schaf- und Ziegenhalter dazu aufgefordert, ihre Herden mit Elektrozäunen zu sichern. Die Tierhalter sollen dafür mit einer Prämie von 31 Euro pro Hektar unterstützt werden. Dadurch sollten die Nutztiere vor Wölfen geschützt werden, erläuterte Hinz am Mittwoch in ihrem Ministerium.

Wer den vollen Betrag erhalten will, muss täglich seine Zäune kontrollieren und darüber Buch führen. Für Tierhalter, die sich nicht dazu verpflichten, steht wie bisher eine Prämie von 17 Euro pro Hektar bereit. Anträge müssen bis Ende Juli gestellt werden. Das Land geht von Kosten bis zu einer halben Million Euro aus. Im Jahr 2018 waren 100.000 Euro geflossen.

Mit dem Programm reagiert Hinz auf die Rückkehr des Wolfes. „In Hessen muss jederzeit mit Wölfen gerechnet werden“, sagte sie. Im laufenden Jahr wurden nach Angaben des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) neun Mal Wölfe nachgewiesen. Sesshafte Wölfe, die länger als ein halbes Jahr in einem Revier blieben, gebe es in Hessen noch nicht, aber in den angrenzenden Bundesländern Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen.

In drei Fällen bestätigte sich 2019 in Hessen der Verdacht, dass Wölfe Nutztiere in einer Herde gerissen hatten. Dabei wurden nach Angaben der Behörden zwölf Tiere getötet. In sehr viel mehr Fällen gab es Fehlalarm. Hier waren Schafe oder Ziege an einer anderen Todesursache verendet und anschließend von Tieren angefressen worden, so dass es wie ein Wolfsriss aussah.

Das galt auch für einen Fall in Ulrichstein (Vogelsberg), wo im Mai ein totes Kalb gefunden worden war, aus dessen Hals ein Stück herausgebissen worden war. Nach Angaben von HLNUG-Sprecher Helmut Weinberger war das Tier nicht durch den Biss getötet worden. Ob ein Wolf von dem Kadaver gefressen habe oder ein Hund oder Wildschwein, lasse sich nicht feststellen.

„Die beste Prävention sind gut geschützte Herden“, sagte Ministerin Hinz. Dort, wo Wölfe Nutztiere in Hessen gerissen hätten, sei dieser Schutz vernachlässigt worden. So hätten Halter ihre Weideflächen nur an drei Seiten mit einem Zaun geschützt, während die Fläche an der vierten Seite von einem Bach begrenzt werde. Der stelle für einen Wolf kein Hindernis dar.

Ein Bündnis aus elf Organisationen vom Bundesverband Berufsschäfer bis zur Gesellschaft zum Schutz der Wölfe am Mittwoch hatte am Mittwoch in Berlin gerügt, dass durch verschiedene Herdenschutz-Regelungen in den Bundesländern ein „unübersichtlicher Flickenteppich“ entstanden sei.

Hessens Ministerin Hinz unterstützte die Forderung nach „einheitlichen Maßgaben“. Sie äußerte zudem die Erwartung, dass der Bund eine Weidetierprämie beschließt, um der prekären wirtschaftlichen Lage der Tierhalterinnen zu begegnen.

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