+
Volker Bouffier und Tarek Al-Wazir 2018 mit dem Koalitionsvertrag.  

Umfrage

Hessen: Grüne auf dem Vormarsch

  • schließen

Die HR-Umfrage sieht eine klare Mehrheit für Schwarz-Grün in Hessen. CDU und SPD sehen ihre Verluste als Folge der Berliner Politik.  

Die Grünen sind in Hessen so stark wie nie. In der aktuellen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Hessischen Rundfunks kommt die Partei von Vize-Regierungschef Tarek Al-Wazir auf 25 Prozent. Sie liegt damit nur noch einen Punkt hinter ihrem Koalitionspartner, der CDU.

Derzeit regiert Schwarz-Grün unter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nur mit einer einzigen Stimme Vorsprung. Wenn heute neu gewählt würde, könnte die Koalition auf eine größere Mehrheit rechnen. Zwar würde die Union gegenüber der Landtagswahl vom Oktober 2018 einen Punkt einbüßen. Die Grünen aber könnten mehr als fünf Prozentpunkte hinzugewinnen.

„Offenbar geben wir zurzeit für viele Menschen die richtigen Antworten auf die drängenden Probleme der Zeit“, kommentierten die Grünen-Landesvorsitzenden Sigrid Erfurth und Philip Krämer. „Wir sind davon überzeugt, dass der Klimakrise und der immer größer werdenden sozialen Spaltung nur durch ein Jahrzehnt des sozial-ökologischen Aufbruchs begegnet werden kann.“ Allerdings bleibe die Partei „auch bei sehr guten Werten auf dem Teppich“.

Die CDU machte für ihr mäßiges Umfrageergebnis die Turbulenzen in Thüringen und die Unklarheit über die Zukunft der Bundespartei verantwortlich. Davon seien „wir in Hessen nicht losgelöst“, räumte CDU-Generalsekretär Manfred Pentz ein. Infratest dimap hatte 1000 Hessinnen und Hessen in der Woche vom 7. bis 13. Februar befragt – genau in der Zeit, als die CDU nach der Ministerpräsidenten-Wahl in Erfurt heftige interne Debatten führte und Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug ankündigte.

Auch die SPD verwies auf die Schwierigkeiten der Bundespartei, um ihr mageres Ergebnis von 16 Prozent zu erklären. Es müsse „Ansporn sein, unser Profil im Land wieder zu schärfen“, sagte SPD-Generalsekretär Christoph Degen. Hoffnung macht ihm der Umstand, dass die Beliebtheit der neuen Partei- und Fraktionsvorsitzenden Nancy Faeser angestiegen ist.

Faeser rangiert mit einer Zustimmung von 21 Prozent auf Augenhöhe mit Linken-Fraktionschefin Janine Wissler. Deutlich mehr, nämlich 55 Prozent der befragten Hessinnen und Hessen, zeigten sich zufrieden mit der schwarz-grünen Landesregierung. Das gilt auch für ihre führenden Politiker. Mit der Arbeit von Ministerpräsident Bouffier erklären sich 64 Prozent der Menschen zufrieden, bei seinem Stellvertreter Al-Wazir sind es 60 Prozent. Das sind deutlich mehr als bei sämtlichen Oppositionspolitikern, die aber ohnehin bei mehr als der Hälfte der Bürger gar nicht bekannt sind.

Fast drei Viertel der Befragten plädieren dafür, dass Bouffier bis zum Ende seiner regulären Amtszeit auf seinem Posten bleiben solle, also bis Anfang 2024. In Wiesbaden war spekuliert worden, dass der Regierungschef vorzeitig abtreten könnte, da er an Krebs erkrankt war.

Als wichtigstes Themenfeld erachten die Menschen in Hessen die Bildung, gefolgt von Verkehrsfragen. Wohnen, Umweltschutz und Einwanderung sind weitere Punkte, die viele Befragte für wichtig halten. Allerdings ist das Interesse an Einwanderungs- und Asylthemen seit der vorigen Umfrage im April 2019 deutlich zurückgegangen – von 22 auf 15 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare