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Hessen: Großer Mangel bei Kita-Betreuung

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Von: Gregor Haschnik

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Der Mangel an Betreuungsplätzen führt auch dazu, dass viele Kinder nicht in der Gruppe gefördert werden können. dpa
Der Mangel an Betreuungsplätzen führt auch dazu, dass viele Kinder nicht in der Gruppe gefördert werden können. dpa © dpa

Eine Bertelsmann-Studie sieht für 2023 eine Lücke von bis zu 37 200 Plätzen.

Auch 2023 werden viele Kinder in Hessen keinen Betreuungsplatz bekommen: Die Bertelsmann-Stiftung kommt in ihrem „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ zu dem Ergebnis, dass bis zu 37 200 Plätze geschaffen werden müssten, um den Bedarf zu decken. Demnach ist der Mangel bei der Betreuung von Kindern im Alter unter drei Jahren besonders groß.

Bei der U3-Betreuung lag Hessen 2021 bei der Versorgungsquote leicht unter dem bundesdeutschen Schnitt von 34 Prozent, bei den Drei- bis Sechsjährigen bei 91 Prozent (Bund: 92 Prozent). Die Quote bei den Jüngsten ist seit 2014 – damals waren es 29 Prozent – nur geringfügig gestiegen. Beim Personalschlüssel – der fast überall weit hinter den Empfehlungen liegt – liegt Hessen im Mittelfeld. 2021 stand für 73 Prozent der Kinder nicht genug Fachpersonal zur Verfügung - das ist etwas schlechter als bundesweit (68 Prozent). Die nicht kindgerechte Personalausstattung betrifft die ab Dreijährigen häufiger (76 Prozent) als die unter Dreijährigen (63).

Die Stiftung teilte am Donnerstag mit, die aktuellen Zahlen belegten, dass „Hessen den bundesgesetzlich verankerten Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kindertagesbetreuung auch bis 2023 nicht für jedes Kind, dessen Eltern einen Bedarf haben, einlösen kann“. Hauptgrund sei Fachkräftemangel. Den Berechnungen zufolge müssten 10 700 Betreuende eingestellt werden, was zusätzlichen Personalkosten von 456 Millionen Euro jährlich bedeutete. Hinzu kämen Ausgaben für Bau, Betrieb oder Erweiterung von Kitas, für den in erster Linie die Kommunen zuständig sind.

Die Studie

Die Bertelsmann-Stiftung hat für das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik (Stichtag: 1. März 2021), des Bundesfamilienministeriums und weitere amtliche Statistiken auswerten lassen.

Laut dem Monitoring werden 2023 bundesweit 384 000 Kita-Plätze fehlen. In Westdeutschland sei der Mangel besonders groß. Der Betreuungsschlüssel liege hinter wissenschaftlichen Empfehlungen.

Im Bundesschnitt seien zwei von drei Kita-Kindern in Gruppen, in denen eine Fachkraft für deutlich mehr als drei U3-Kinder oder mehr als 7,5 Kinder über drei Jahren verantwortlich sei. Im Osten sei das in 90 Prozent der Fälle so. Würden alle wie empfohlen betreut, fehlten 308 800 Fachkräfte. Dazu wären 13,8 Milliarden Euro für Personal notwendig. gha

Diese würden von Land und Bund nicht genug unterstützt, kritisiert die Opposition im Landtag. Die schwarz-grüne Koalition in Hessen schaffe es seit Jahren nicht, „die Differenz zwischen den vorhandenen Kita-Plätzen und den tatsächlich benötigten wenigstens zu verringern“, sagte Lisa Gnadl (SPD). „Das Land muss die Kommunen finanziell in die Lage versetzen, Fachkräfte für unsere Kitas zu gewinnen – und zwar durch guten Lohn für gute Arbeit.“ Ähnlich äußerte sich FDP-Fraktionschef René Rock und schlug eine höhere Betriebskostenförderung sowie eine Vergütung der Ausbildung von Erzieher:innen vor.

Hessens Sozial- und Integrationsstaatssekretärin Anne Janz (Grüne) wies Kritik zurück: Dem Mangel „begegnen wir in Hessen seit Beginn der Legislaturperiode mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen“, die auch Wirkung zeigten. So flössen etwa Mittel aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ des Bundes hier im Unterschied zu den meisten anderen Ländern vollständig in den Personalausbau. Darüber hinaus sei eine „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“ gestartet worden. Dadurch habe sich Hessen etwa beim Betreuungsschlüssel seit 2014 verbessert.

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