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Equal Pay Day: Hessens Gewerkschaften fordern Gleichberechtigung von Frauen im Beruf

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Von: Peter Hanack

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Infostand in Frankfurt zum Equal Pay Day 2018.
Infostand in Frankfurt zum Equal Pay Day 2018. © peter-juelich.com

Gleiches Geld, gleiche Chancen: Am Montag ist Equal Pay Day, am Dienstag dann Internationaler Frauentag. Und gleichzeitig laufen die Betriebsratswahlen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Hessen/Thüringen fordert, Frauen in der Arbeitswelt gleichzustellen. Welchen Anteil Betriebsräte und Betriebsrätinnen an der Gleichstellung haben, machten Vertreterinnen des DGB in einer Pressekonferenz am Donnerstag deutlich.

„Am nächsten Montag ist Equal Pay Day, der Tag im Jahr, bis zu dem Frauen rein rechnerisch für lau gearbeitet haben“, sagte Renate Sternatz, stellvertretende DGB-Vorsitzende im Bezirk Hessen/Thüringen. Um diese Entgeltlücke zu schließen, müsse die Benachteiligung von Frauen im Berufsleben abgestellt werden, forderte sie.

Gerade die Pandemie habe gezeigt, wie sehr Frauen dort im Nachteil sind, so Sternatz. So hätten 20 Prozent der erwerbstätigen Frauen im Januar 2022 ihre Arbeitszeit aufgrund von familiären Betreuungsaufgaben reduziert, bei den Männern seien es nur sechs Prozent gewesen. Auch arbeiten Frauen häufig in Minijobs und seien deshalb überproportional durch deren Wegfall beispielsweise im Gastgewerbe betroffen.

Professorinnen

An den Hochschulen in Hessen lehrten 2020 genau 729 Professorinnen, teilte Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) mit. Bei Neuberufungen sei die Marke von 50 Prozent erreicht.

Der Frauenanteil an Professuren ist demnach von rund zehn Prozent im Jahr 2000 auf 28 Prozent im Jahr 2020 gestiegen. Bis zur Hälfte und damit bis zur Verwirklichung von Chancengerechtigkeit und Gleichstellung sei es aber noch ein weiter Weg. pgh

Frauen verdienten in Hessen im Jahr 2020 durchschnittlich 19,82 Euro in der Stunde, Männer 24,26 Euro. Auch hätten viele von ihnen keinen gleichberechtigten Zugang zu Qualifizierungen im Beruf. Gerade für Teilzeitkräfte – auch das seien überproportional Frauen – seien diese oft nur schwer wahrzunehmen.

Heidrun Schuster, bis zum Eintritt in die Rente 20 Jahre lang Betriebsratsvorsitzende beim Gebäudereinigungs-Unternehmen Piepenbrock, sagte, Tarifverträge könnten helfen, die Ungleichheit abzubauen. „In der Reinigungsbranche haben wir diese Tarifverträge. Dort gilt jetzt gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, berichtete Schuster. Sie mahnte zugleich an, dass die sogenannten Minijobs vom ersten Euro an sozialversicherungspflichtig sein müssten, auch wegen späterer Rentenbezüge. „Sonst haben wir bald nur noch Mini-Jobber, und dann vor allem wieder Frauen“, so Schuster weiter.

Mitarbeitende schickaniert

Imade Shealey, Betriebsratskandidatin bei VW in Baunatal, kritisierte, dass Frauen bei Weiterbildungen oft außen vor gelassen würden. „Da ist es wichtig, dass ein Betriebsrat da ist, der auf das Problem aufmerksam macht“, betonte sie. Vor VW habe sie bei einem Mittelständler ohne Betriebsrat gearbeitet. Dort seien Mitarbeiter:innen schikaniert worden, ohne dass sich eine Arbeitnehmervertretung darum habe kümmern können.

Anlässlich des Equal Pay Day meldete sich auch die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) zu Wort. Die Betreuungssituation von Kindern müsse sich entscheidend verbessern, damit möglichst viele Eltern die Möglichkeit hätten, Vollzeit zu arbeiten, forderte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Das sei jedoch Aufgabe von Gesellschaft und Staat, nicht der Arbeitgeber. Die Entgeltunterschiede beruhten auf familiären und beruflichen Entscheidungen von Frauen und Männern. Frauen wählten häufiger Teilzeit, hätten längere Erwerbsunterbrechungen und wählten häufiger schlecht bezahlte Berufe.

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