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Hessen: Gemeinsame Gegenwehr gegen Automatensprengungen

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Von: Hanning Voigts

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Polizisten untersuchen Mitte März einen gesprengten Geldautomaten in Lampertheim. Foto: dpa
Polizisten untersuchen Mitte März einen gesprengten Geldautomaten in Lampertheim. © dpa

Die hessische Polizei und 15 hessische Banken schließen sich zusammen, um gegen die Sprengung von Geldautomaten vorzugehen. Das Ziel ist es, die Taten unattraktiv zu machen.

Die hessische Polizei will enger mit Banken zusammenarbeiten, um gegen Sprengungen von Geldautomaten vorzugehen. Gemeinsam mit dem hessischen Landeskriminalamt und mehreren Bankenvertretern hat Innenminister Peter Beuth (CDU) am Mittwoch eine „Allianz Geldautomaten“ vorgestellt, die vor allem durch Informations- und Erfahrungsaustausch Prävention und Strafverfolgung in diesem Bereich voranbringen soll.

Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Automatensprengungen um 90 Prozent auf 56 Fälle angestiegen, sagte Beuth bei der Pressekonferenz in Wiesbaden. Im laufenden Jahr habe es bereits 16 Fälle gegeben, bei denen 270 000 Euro erbeutet worden seien. Zugleich sei durch die Explosionen Sachschaden von rund 2,6 Millionen Euro entstanden, teils wurden Bankfilialen erheblich beschädigt. Statistisch werde in Hessen jede Woche ein Geldautomat gesprengt; mit der bundesweit einzigartigen Kooperation wolle man jetzt die „Trendumkehr“ schaffen.

Hessen: „Skrupellose, hoch gefährliche Täter“

Die Verantwortlichen seien „skrupellose, hoch gefährliche Täter“, die meist aus der organisierten Kriminalität kämen, sagte Beuth. Die Explosionen gefährdeten auch Unbeteiligte und Mitarbeiter;innen der Geldinstitute, viele Täter:innen seien zudem bewaffnet.

Das Bündnis

Die „Allianz Geldautomaten“ dient dem Informationsaustausch zwischen Banken und der hessischen Polizei und soll Prävention und Strafverfolgung bei der Sprengung von Geldautomaten verbessern. An der Gründung sind unter anderen die Deutsche Bank, die Targo Bank, die Postbank, die Commerzbank, die Frankfurter Sparkasse sowie mehrere hessische Sparkassen und Volksbanken beteiligt.

Seit 2017 gab es in Hessen jährlich mehr als 30 Taten, die Spitze wurde 2021 mit 56 Taten erreicht. han

Der Allianz hätten sich zunächst 15 Banken angeschlossen, die der Polizei jetzt Daten zu ihren Geldautomaten und ihren Sicherheitsvorkehrungen zur Verfügung stellten und im Gegenzug Risikoanalysen bekämen. Mit der Allianz wolle man auch das Signal an Kriminelle senden, dass man ihnen stärker „auf den Füßen stehen“ werde.

Die organisierte Kriminalität geht hoch professionell vor

Andreas Röhrig, der Präsident des hessischen Landeskriminalamts, sagte, man arbeite bei diesem Thema schon lange mit anderen Länderpolizeien und dem Bundeskriminalamt zusammen. Die Täter:innen kämen häufig aus Osteuropa und den Niederlanden und gingen von der Ausspähung möglicher Ziele bis zur Flucht „sehr professionell“ vor. Das LKA habe ein Lagebild erstellt, um Risikobereiche festzustellen. Diese Informationslage wolle man jetzt gemeinsam mit den Banken verbessern. Ziel sei es, „dass das Phänomen der Geldautomatensprengungen in Deutschland der Geschichte angehört“, sagte Röhrig. Bei Bankrauben sei das schließlich auch gelungen.

Der Leiter der für Automatensprengungen zuständigen Arbeitsgruppe im LKA, Andreas Maurer, betonte, Hessen leiste bundesweit beachtete „Pionierarbeit“. Man teile die Geldautomaten in mehrere Risikoklassen ein, berate die Banken bei der Sicherung und bereite sich mit den erhobenen Daten auch auf Fahndungen vor. Die anwesenden Bankenvertreter äußerten die Hoffnung, dass es gelingen werde, mehr Taten zu verhindern und aufzuklären.

(Hanning Voigts)

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