Die Befragten plädieren auch dafür, Flüchtlinge aufzunehmen, wenn andere EU-Länder ihre Grenzen für Asylsuchende schließen.
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Die Befragten plädieren auch dafür, Flüchtlinge aufzunehmen, wenn andere EU-Länder ihre Grenzen für Asylsuchende schließen.

Soziales

Geflüchtete als kulturelle Bereicherung

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Eine repräsentative Umfrage des Sozialministerium gibt Auskunft über die Haltung der Hessen zu Zuwanderung. Ergebnis: die Skepsis steigt leicht.

Knapp drei Viertel der hessischen Bevölkerung empfinden Zuwanderung als Bereicherung für das gesellschaftliche Zusammenleben. 63 Prozent finden sie wichtig für den Wirtschaftsstandort Hessen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag veröffentlichte repräsentative Umfrage, die das hessische Sozialministerium in Auftrag gegeben hatte. Sie basiert auf einer telefonischen Befragung von 1000 volljährigen Personen mit und ohne Migrationshintergrund.

Besonders willkommen sind demnach hochqualifizierte Fachkräfte (82 Prozent), aber auch Kriegsflüchtlinge (81 Prozent). Nur jeder Zweite befürwortet den Zuzug von Niedrigqualifizierten für unbeliebte Jobs. Interesse an den Themen Migration, Asyl und Integration haben 80 Prozent. Befragte mit Migrationsgeschichte sind etwas weniger interessiert.

Positiv hebt Minister Kai Klose (Grüne) hervor, dass rund zwei Drittel der Befragten Geflüchtete langfristig als kulturelle Bereicherung sehen. Sie plädieren auch dafür, Flüchtlinge aufzunehmen, wenn andere EU-Länder ihre Grenzen für Asylsuchende schließen. Auf der anderen Seite stehen 44 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund und 26 Prozent ohne, die die aufgenommenen Geflüchteten als Bedrohung für den Wohlstand in Deutschland empfinden.

Die Studie untersucht auch das Zusammenleben von seit langem hier lebenden Menschen – als Indikator für Integration. Ergebnis: Nur sieben Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund und zwölf Prozent derjenigen ohne Migrationshintergrund haben keinen Kontakt zu Menschen, die aus einem anderen Land stammen. Besonders häufig sind Zusammentreffen im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, am Ausbildungsort, in der Nachbarschaft. Um Entwicklungen abzubilden, greift die Studie einige Fragen aus vorherigen Befragungen auf. Im Jahr 2011 etwa waren rund 62 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund der Ansicht, die hessische Gesellschaft tue genug für die Integration. In der aktuellen Befragung sank dieser Anteil auf 56 Prozent.

„Wir müssen uns weiterhin und noch stärker um eine aktive Willkommens- und Anerkennungskultur bemühen“, folgert Klose aus der Tatsache, dass die Skepsis gegenüber Zuwanderung und Integration leicht steigt – auch bei Migrant:innen selbst.

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