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Schüler im Klassenzimmer

Bildung

Hessen: Ganztagsbetreuung an Grundschulen sehr gefragt

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Die Länder wollen ein Angebot für 90 Prozent der Schüler – heute sind es in Hessen erst 38 Prozent.

Die Kultusminister der Länder rechnen damit, dass die Ganztagsbetreuung an Grundschulen immer stärker nachgefragt wird. Sie streben an, dass bis 2025 bundesweit 90 Prozent der Kinder betreut werden können.

Noch liegen die Quoten deutlich darunter. In Hessen können lediglich 38 Prozent der Grundschulkinder eine Ganztagsbetreuung nutzen. Besser sieht die Quote aus, wenn man nicht die Schüler, sondern die Schulen mit Ganztagsbetreuung beziffert; hier sind es 58 Prozent. Das berichtete Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Freitag in Wiesbaden.

Kultusministerkonferenz tagt

In Congress-Centrum der hessischen Hauptstadt hatte zwei Tage lang die Kultusministerkonferenz getagt, da Hessen in diesem Jahr den Vorsitz in dem Gremium führt. Die Ministerinnen und Minister entwickelten eine gemeinsame Schätzung, was es kosten wird, den geplanten Rechtsanspruch auf ganztätige Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschüler umzusetzen.

Danach werden rund zehn Milliarden Euro jährlich benötigt. Bisher wendeten die Bundesländer jährlich 2,3 Milliarden Euro auf. Weitere zwei Milliarden Euro habe die Bundesregierung in Aussicht gestellt. Dieses Angebot werde „nicht annähernd reichen“, sagte Lorz.

Nach seinen Erfahrungen ist die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung in verschiedenen Teilen des Landes sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Ballungsraum wünschten sich bereits rund 90 Prozent eine Ganztagsbetreuung für ihre Grundschulkinder, auf dem Land seien es eher 50 Prozent, erläuterte der Minister.

Ihrer Kostenschätzung legten die Kultusminister ein Ziel zugrunde, das Lorz selbst als „hoch angesetzt“ bezeichnete. Danach soll bis 2025 für 90 Prozent der dann rund drei Millionen Grundschulkinder ein Ganztagsangebot zur Verfügung stehen. Die Betreuung wäre an fünf Tagen pro Woche zu gewährleisten – in den 40 Schulwochen sowie in acht der zwölf Ferienwochen. „Wir sehen, dass der Bedarf massiv angestiegen ist“, sagte Lorz. Bei der Finanzierung gebe es Gesprächsbedarf. „Wir stellen noch keine konkreten Forderungen. Aber wir müssen reden.“

Als vorbildliches Projekt aus Hessen stellte Alexander Lorz seinen Kolleginnen und Kollegen die „Familienklassen“ vor. Dort sind die Eltern ein halbes Jahr lang für vier Stunden in der Woche im Unterricht dabei. Im Zusammenspiel von Schule, Eltern und Kindern sollen Konflikte und Verhaltensweisen gelöst werden, die sonst den Unterricht stören würden.

Das Projekt, das 2010 an der Grundschule Aßlar begann, läuft inzwischen an 13 Schulen im Lahn-Dill-Kreis und einigen anderen in Hessen. Der Kultusminister will die „Familienklassen“ im ganzen Land einführen. Er zeigte sich nach der Präsentation bei der Konferenz überzeugt, dass andere Bundesländer diesem Beispiel folgen werden.

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