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Inken Formann, Fachgebietsleiterin der Gärten und Gartendenkmalpflege, in der Parkanlage des Bad Homburger Schlosses.
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Inken Formann, Fachgebietsleiterin der Gärten und Gartendenkmalpflege, in der Parkanlage des Bad Homburger Schlosses.

Garten

Hessen: „Gärten sind immer lebendige Orte“

Klimawandel und Eventkultur stellen die Gartendenkmalpflege vor große Probleme. Inken Formann, zuständig für die Gärten des Landes, spricht im Interview über mögliche Lösungen.

Vor über 200 Jahren träumte Landgräfin Elizabeth von exotischen Pflanzen in Bad Homburg – passt das Klima mittlerweile besser zu diesem Wunsch?

Landgräfin Elizabeth hatte viele Pflanzen aus Australien und Neuseeland gesammelt. Das waren damals wie heute alles Gewächshauspflanzen, die auf andere Standortbedingungen angewiesen sind. Wir merken, dass einige unserer Pflanzen nicht sehr gut mit zunehmenden Temperaturschwankungen und Trockenheit umgehen können. Zum Beispiel die Blutbuche – farblich gibt es nicht viele Bäume mit solch roten Blättern. Wir haben nun nochmals versucht, Blutbuchen zu pflanzen und unterstützen sie durch Pflanzenstärkungsmittel.

Neben dem Garten in Bad Homburg betreuen Sie noch acht andere Gärten, die dem Land gehören – sind manche hier sensibler als andere oder brauchen mehr Schutz vor einem veränderten Klima?

Das Problem betrifft alle unsere neun Gärten. Es ist nur immer etwas unterschiedlich gelagert, je nachdem, was für einen Bestand man hat. Im Prinz-Georg-Garten in Darmstadt zum Beispiel haben wir viele Blumenbeete, die bepflanzt werden müssen – hier haben wir vorrangig ein Wasserproblem.

Müssen die Gärten dementsprechend weiterentwickelt und dem Klima angepasst werden?

In unseren historischen Gärten und Parks ist Erhalten das erste Ziel. Die vorhandenen Bäume versuchen wir als Originale zu behalten. Wir sprechen hier von Individuen, die leben und sich weiterentwickeln. Bäume erhalten bedeutet da auch, das genetische Erbe zu wahren.

Werden auch neue Arten gepflanzt, die besser mit Wetterextremen zurechtkommen?

Ja, wir haben zum Beispiel die ungarische Eiche gepflanzt, weil wir hoffen, dass sie noch trockenheitsresistenter ist. Baumschulen weisen in Katalogen sogenannte Klimabäume auf, die besonders robust sind und ein sich änderndes Klima gut vertragen.

Am Ende hat jeder Garten sein eigenes Konzept – brauchen Sie für jede Anlage eigene Spezialistinnen und Spezialisten?

Zur Person

Inken Formann (44), promovierte Landschaftsarchitektin, koordiniert von der Zentrale in Bad Homburg aus die Erhaltung und Pflege von insgesamt neun Gartenanlagen.

Zu ihrer Abteilung gehören rund 70 Beschäftigte, davon sind etwa 60 Gärtnerinnen und Gärtner. prlr

Es gibt in jedem Garten einen Gartenleiter, ein je nach Anlage unterschiedlich großes Team und noch die Auszubildenden. Wir bauen jetzt langsam auf, dass jeder Gärtner ein Spezialgebiet hat. Es gibt Leute, die sind wirklich gut in der Anzucht und kümmern sich um Jungpflänzchen. Dann gibt es Charaktere, die lieber Wegebau machen. Etwa in Darmstadt, Seligenstadt und auch hier haben wir Gärtner, die sich sehr gut mit der Zitruskultur auskennen. Jeder hat Spezialwissen – und es ist sehr wichtig, dass einzelne Gärtner einen Bestand dann auch kontinuierlich betreuen. Es sollte nicht immer jemand anderes den Zitrus gießen, der dann nicht weiß, was letzte Woche war.

Die Gärten so gut wie möglich zu schützen, während sie gleichzeitig Besucherinnen und Besuchern zugänglich gemacht werden. Das führt doch sicher zu Nutzungskonflikten.

Vor Probleme stellt uns die Eventkultur. Die versuchen wir jetzt seit ein paar Jahren einzudämmen, bieten in historischen Gärten keine Großveranstaltungen mehr an. So ein alter Garten ist auch kein Sportplatz oder eine Arena, die auf viele Menschen ausgelegt sind. Stattdessen sollen sie ermöglichen, Details zu genießen – das geht in kleinen Gruppen besser.

Rechnen Sie im Jubiläumsjahr nicht mit einem Besucherandrang?

Auch anlässlich des Jubiläums laufen nur kleine Gruppen durch die Gärten und Parks – die Probleme sind in diesem Jahr damit nicht größer. Nutzung wird zum Problem, wenn Menschen anfangen, Gehölze zu beschädigen, zum Beispiel Äpfel ernten und dabei Äste abreißen, auf nicht begehbaren Flächen laufen oder Müll hinterlassen. Wir haben hier relativ wenig Fehlnutzung. Die Leute gehen pfleglich mit den Gärten um. Gerade im Corona-Jahr war deutlich spürbar, dass die Menschen die Gärten zum Spazierengehen genutzt haben, auch zum Verweilen. Als man an das Haus gefesselt war, hat glaube ich jeder gemerkt, wie angenehm es ist, heraustreten zu können. Für Leute, die keinen eigenen Garten haben, sind öffentliche Gärten dann besonders wichtig.

Der Garten als Erholungsort – gilt das für heutige Generationen ebenso wie für frühere?

Gärten sind einmal Orte des Sammelns von Gehölzen, von neuen Pflanzen, von Errungenschaften. Aber sie sind genauso Erholungsorte und Orte der Muße, wo man abspannen kann vom Alltag. Sie sind zugleich aber auch Orte der Natur, der kultivierten Natur und damit ökologisch relevant. Ich glaube, jeder muss sie für sich selbst entdecken und für sich selbst definieren, was Gärten sein können. Kulturgeschichtlich sind sie immer lebendige Orte, an denen es blüht, an denen man Schatten hat, Kühlung findet. Es gibt einen Ausdruck dafür: „locus amoenus“, der liebliche Ort – das ist eigentlich der Inbegriff des Gartens.

Also schaue ich mir das Schloss das nächste Mal nicht nur von innen an.

Für mich muss man sich immer zuerst den Garten ansehen (lacht). Das Spannende an den historischen Gärten ist eben, dass man diese Orte im Alltag so nicht findet. Es sind Alltagsfluchten – man kann in die Geschichte und durch die Zeit reisen. In historischen Gärten kann man sich auch vorstellen, wie Leute wie Landgräfin Elizabeth vor 200 Jahren gelebt haben. Und während man Kultur besichtigt, fördert das Spazierengehen auch noch die Gesundheit.

Interview: Laura Roban

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