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Ein Patient wartete fünf Stunden in der Warteschleife des Ärztlichen Bereitschaftsdienst – und das mit akuten Schmerzen (Symbolbild).
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Ein Patient wartete fünf Stunden in der Warteschleife des Ärztlichen Bereitschaftsdienst – und das mit akuten Schmerzen (Symbolbild).

Ärzte in Hessen

Hessen: Fünf Stunden warten auf den Arzt

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Ein Patient mit akuten Rückenbeschwerden bleibt beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst in der Warteschleife hängen. Kassenärztliche Vereinigung spricht von Engpässen.

Er hatte Schmerzen. Vom Rücken ausgehend über die Hüfte bis ins Bein. „Die Schmerzen waren kaum auszuhalten.“ Medikamente zeigten keine Wirkung, sagt Eberhard Bacher. Und die Praxen seines Orthopäden und Hausarztes waren wegen Urlaub geschlossen. Also suchte er Hilfe beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117. Was er dort erlebte, fasst der Frankfurter mit einem Wort zusammen: „Katastrophe.“ Trotz stundenlanger Versuche sei es nicht gelungen, unter der 116 117 jemand zu erreichen: „Es bleibt dem Zufall überlassen, wenn eine Verbindung zustande kommt.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) räumt ein, dass es derzeit zu Engpässen kommt. „Es wird seitens der KV Hessen kontinuierlich daran gearbeitet, die Erreichbarkeit zu steigern sowie die Wartezeiten zu reduzieren“, teilt Pressesprecher Alexander Kowalski auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit.

Kontakt

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist zuständig für nicht lebensbedrohliche akute Beschwerden, wenn die Praxen geschlossen sind; etwa am Wochenende oder am Abend.

Erreichbar sind die Dispositionszentralen in Frankfurt und Kassel über die 116 117. Sie vermitteln nach Bedarf Hausbesuche oder in eine der 70 Bereitschaftsdienstzentralen in Hessen. jur

www.bereitschaftsdienst-hessen.de

Vor knapp zehn Jahren war die 116 117 bundesweit eingeführt worden, als Anlaufstelle bei akuten Beschwerden außerhalb der Öffnungszeiten der Arztpraxen. Später hinzu kam die Terminservicestelle. Vor zwei Jahren hatte die KV noch eine aufwendige Kampagne organisiert, um die Nummer besser bekannt zu machen. Das Geld hätte sie sich sparen können. „Inzwischen ruft gefühlt jeder an, der irgendwelche Fragen zu Corona hat“, sagt Sprecher Kowalski. Dabei sei die 116 117 für Covid-19 nicht zuständig. Dieses Missverständnis sei der Grund dafür, dass die Nummer gelegentlich überlastet ist.

Wie das aus der Perspektive eines Patienten an einem Sonntag aussieht, berichtet FR-Leser Bacher: Zwei Stunden haben er permanent versucht, eine Verbindung herzustellen. „Die einzige Reaktion war ein Anrufbeantworter mit dem Hinweis: ,Willkommen bei der 116 117, wir helfen Ihnen, wenn Sie krank sind, drücken Sie die 2.‘“ Es wurde eine weitere Verbindung angesagt, gefolgt von dem bereits bekannten Text: „Willkommen bei der ...“. Alle Familienmitglieder hätten es auf unterschiedlichen Apparaten versucht - ebenso ohne Erfolg. „Nach über zwei Stunden gelang meiner Tochter aus Offenbach ein Glückstreffer.“

Der Arzt kam fünf Stunden später, um 23.30 Uhr, um den Frankfurter vorübergehend von seinen Schmerzen zu befreien. „Das ist eine Situation die man nicht akzeptieren kann“, sagt Bacher, der davon ausgeht, dass er nicht der Einzige ist. „Was ist das für ein Gesundheitsdienst, der verspricht, was er nicht hält?“

Der sogenannte Anrufbeantworter, sagt der KV-Sprecher, sortiert die Anrufer an die richtige Stelle. „Auf der Bundesebene ist dies zunächst die Auswahl zwischen Informationen und Terminen für die Corona-Schutzimpfung und dem Patientenservice.“ Beim Drücken der 2 würden akut Kranke an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst vermittelt. Das klappe derzeit nicht immer reibungslos: „Aufgrund der durch die Corona-Pandemie gestiegenen Bekanntheit der 116 117 kommt es insbesondere an Wochenenden zu extremen Spitzen bei den Anrufzahlen.“ Das führe zu Wartezeiten und Überlastung des Systems. „Das Vorgehen, über verschiedenste Apparate wiederholt die 116 117 anzuwählen, sorgt nicht zu einer Entspannung der Anruferlast, sondern wirkt somit leider kontraproduktiv.“

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