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Ein Blick in die Grube Messel zeigt die riesigen Ölschiefer-Halden.

Wissenschafter in Hessen

Hessen forscht 2018

An den Hochschulen und Forschungsinstituten in Hessen wurde auch in diesem Jahr fleißig experimentiert, gegrübelt und getüftelt. Manche Erkenntnisse werden sich aber erst in einigen Jahren bezahlt machen.

Hessens Wissenschaftler haben 2018 Urtiere entdeckt, im Kleinen geforscht und zu den Sternen gegriffen. Die Zahl ihrer Veröffentlichungen ist groß, kaum ein Tag vergeht an den Hochschulen und Forschungszentren ohne Erkenntnisgewinn. Ein Überblick:

Hoch hinauf: geht es für ein von Studenten der Universität Frankfurt entwickeltes Experiment. Im November kommt die Apparatur auf der Internationalen Raumstation (ISS) an. Weil dort Schwerelosigkeit herrscht, soll quasi unter realistischen Bedingungen getestet werden, ob Blitze bei der Entstehung von Planeten eine Rolle spielten.

Flüssiges Eiswasser: muss kein Widerspruch sein. Ein Forscherteam des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt misst flüssiges Wasser bei einer Temperatur von minus 42,6 Grad - also weit unterhalb des Gefrierpunkts. Diese Erkenntnis könnte Fortschritte beim Verständnis des Klimas bringen, heißt es. Die eiskalten Wassertröpfchen wurden bei Experimenten für die Entwicklung des internationalen Beschleunigerzentrums Fair in Darmstadt gemessen, der derzeit im Bau ist. Solche Tropfen kommen den Forscher zufolge auch in der oberen Erdatmosphäre vor.

„Grüner“ Supercomputer: rechnet stromsparend. Die Uni Frankfurt arbeitet an einem Hochleistungsrechner, der besonders energieeffizient sein soll. Sein Geheimnis ist unter anderem ein Kühlsystem, das Main-Wasser nutzt. Dadurch sei der Supercomputer deutlich sparsamer als andere Rechner seiner Art.

Tüfteln an Teilchenbeschleuniger

Ganz schön winzig: soll ein Teilchenbeschleuniger sein, an dem Elektrotechniker der Technischen Universität Darmstadt tüfteln. Der lasergetriebene Elektronenbeschleuniger ist, so die Idee, derart klein, dass er auf einen Mikrochip passt. Das könne nach Angaben der Hochschule die Grundlagenforschung wesentlich vereinfachen.

Uralte Insekten: lebten vor 47 Millionen Jahren. Wissenschaftler entdecken im Unesco-Weltnaturerbe Grube Messel bei Darmstadt Fossilien von sieben bisher unbekannten Schlupfwespen-Arten. Eine dieser Arten gehört dem Frankfurter Senckenberg Forschungsinstitut zufolge zu einer Untergruppe, die man bisher nur Nordamerika, Australien und Neuguinea zuordnen konnte.

Auf einen Klick: soll eine bessere Schulverpflegung möglich sein. Forscher der Hochschule Fulda haben ein Markenzeichen für gesunde Lebensmittel und hochwertige Fertiggerichte entwickelt - abrufbar auf einem Online-Portal. Ausgezeichnet werden demnach Produkte, die eine hohe Ernährungsqualität gewährleisten, in den Schulen leicht zuzubereiten sind und von Schülern verkostet und gut bewertet wurden. Caterer und Mensabetreiber sollen so unterstützt werden, die richtigen Lebensmittel für ihre Speisepläne auszuwählen.

Virtuelle Einblicke: schaffen neues Wissen über die Milz. Forscher der Uni Marburg haben mit Kollegen aus Bayreuth dreidimensionale Modelle entwickelt, die eine „Wanderung“ zwischen den feinen Blutgefäßen des Organs ermöglichen - mithilfe einer „Virtual Reality“-Brille. Dadurch fand das Team heraus, so die Hochschule, wie das Geflecht der Milzgefäße bei Menschen im Detail strukturiert ist.

Tierische Forschungen: sollen der bedrohten Fauna helfen. Gießener Veterinärmediziner etwa entwickeln ein Verfahren, mit dem sie Papageien-Sperma für eine spätere künstliche Besamung überlebensfähig einfrieren können. Die Forscher testeten die Methode an Nymphensittichen und hoffen, dass sie künftig bei Erhaltungszuchtprogrammen eingesetzt werden kann. Gießener Zoologen haben derweil untersucht, welche Auswirkung die Verschmutzung mit Mikroplastik auf Korallen hat. Im Labor stellen sie fest, dass sie die Teilchen mitunter mit Nahrung verwechseln. Die Studie weist den Forschern zufolge darauf hin, dass Mikroplastik für die Tiere ein Stressfaktor ist - und möglicherweise neben anderen Faktoren zu einem weiteren Rückgang der Korallenriffe beiträgt. (dpa)

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