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Schüler beim Sprachkurs.

Deutschkurse

Hessen fordert Sprachkurse für alle

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Die schwarz-grüne Landesregierung setzt sich für eine Öffnung auch auf Bundesebene ein. Dort werden Menschen aus bestimmten Ländern ausgegrenzt

Die schwarz-grüne Landesregierung hält es für falsch, einer großen Zahl von Asylbewerbern Deutschkurse zu verweigern, weil sie angeblich eine „schlechte Bleibeperspektive“ haben. An den hessischen Kursen des „Deutsch 4U“-Programms könnten „nahezu alle Erwachsenen mit Migrationshintergrund teilnehmen“, darunter Iraker, Iraner und Somalier, teilte das Sozialministerium auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Auch auf der Bundesebene setze sich Hessen „für eine Öffnung der Sprachförderangebote“ ein.

Der Bund ermöglicht Asylbewerbern und Geduldeten einen Integrations- und Sprachkurs, wenn sie eine „gute Bleibeperspektive“ haben. Dazu zählt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nur noch Syrer und Eritreer, weil mehr als 50 Prozent der Menschen aus diesen Ländern einen Schutzstatus erhalten. Bis Ende Juli fielen noch Iraker, Iraner und Somalier in diese Gruppe, doch bei ihnen ist die durchschnittliche Anerkennung gesunken, so dass sie nun keinen Anspruch auf Deutschkurse mehr haben.

Hessen verfolgt einen anderen Weg. Im Jahr 2016 legte das Land das Programm „Deutsch 4U“ auf, das für alle Nationalitäten offen ist. „Beispielsweise können auch Personen teilnehmen, die bereits seit vielen Jahren in Deutschland leben, aber bislang noch über keine ausreichenden Sprachkenntnisse verfügen oder Personen, die im Rahmen des Familiennachzugs eingereist sind“, erläutert die Sprecherin von Sozialminister Kai Klose (Grüne), Alice Engel.

Im laufenden Jahr stelle Hessen dafür drei Millionen Euro bereit. Daneben gebe es weitere Angebote in den hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen sowie berufsbezogene Sprachförderungen, die vom Land finanziert würden.

Auch wenn die Zahl der „Deutsch 4U“-Kurse von 82 im Jahr 2018 auf 289 Kurse in diesem Jahr deutlich gestiegen ist, machen die Bamf-Kurse immer noch den größten Teil der Sprachförderung für Asylbewerber aus. Fast 21 000 Ausländer nahmen daran Ende März teil. Fast 20 000 versuchten sich im vergangenen Jahr am Abschlusstest, von denen 56 Prozent die Prüfung auf dem Niveau B1 bestanden. Damit wird nachgewiesen, dass die Person wichtige Informationen verstehen und sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern kann. Die Frauen schnitten mit einer Erfolgsquote von 63 Prozent besser ab als die Männer (gut 50 Prozent).

Diese Zahlen nannte Sozialminister Klose in seiner Antwort auf Fragen der AfD und bezog sich auf Auskünfte des Bundesamts. Daraus geht auch hervor, dass jeder fünfte Prüfling zunächst einen Alphabetisierungskurs absolviert hatte, da er nicht schreiben konnte. Von diesen rund 2600 Personen schafften immerhin fast 500 den B1-Test, gut 1100 weitere erreichten das darunterliegende Niveau A2.

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