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Elmar J., hier im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Paderborn, soll dem Lübcke-Mörder die Tatwaffe verkauft haben.
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Elmar J., hier im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Paderborn, soll dem Lübcke-Mörder die Tatwaffe verkauft haben.

Lübcke-Mord

Hessen: Ermittlungen liefen ins Leere

  • VonJoachim F. Tornau
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Beweise gegen Elmar J., der den Lübcke-Mörder mit Waffen versorgt haben soll, sind dürftig.

Das Waffenarsenal von Stephan Ernst hätte gereicht, um eine ganze Kampfgruppe auszurüsten. Acht Gewehre, Revolver und Pistolen, alle sorgfältig gereinigt und eingepackt, hatte der Neonazi nach dem Mord an Walter Lübcke auf dem Firmengelände seines Arbeitgebers in Kassel vergraben. Darunter eine Uzi-Maschinenpistole, eine Pumpgun – und die Tatwaffe, mit der er den Kasseler Regierungspräsidenten am späten Abend des 1. Juni 2019 getötet hatte, aus nächster Nähe, mit einem Schuss in den Kopf.

Sämtliche dieser Waffen, erklärte der heute 47-Jährige damals der Polizei, habe er von ein und demselben Mann erworben: von dem Trödelhändler Elmar J. aus dem ostwestfälischen Natzungen. Zweieinhalb Jahre später läuft vor dem Landgericht in Paderborn der Prozess gegen den mutmaßlichen Waffendealer, am Freitag war der zweite Verhandlungstag. Und es ist ein zähes Verfahren. Denn Ernst, der Hauptbelastungszeuge, will nicht aussagen, weil über die Revision, die er gegen seine Verurteilung zu lebenslanger Haft eingelegt hat, noch nicht entschieden ist und er sich nicht weiter selbst belasten möchte.

Als glaubwürdig eingestuft

So bleibt dem Gericht bloß, diejenigen zu befragen, die seine früheren Aussagen gehört haben – im Ermittlungsverfahren, als er dreimal ausführlich befragt wurde, und in seinem Prozess vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt. „In der Gesamtschau waren die Angaben als äußerst glaubwürdig einzustufen“, sagte am Freitag ein Polizeibeamter über das erste Geständnis, das Ernst nach der Festnahme abgelegt hatte. Da hatte der Neonazi, was er später zurücknahm und durch wechselnde andere Schilderungen ersetzte, die Tat noch alleine auf sich genommen. Und er hatte erzählt, wie ihm Elmar J. die Mordwaffe, einen Revolver der Marke „Rossi“ mit fünf Patronen, verkauft habe.

„Eigentlich“, referierte der Vernehmungsbeamte, „habe Herr J. die Waffe behalten wollen. Dann habe er aber telefonisch Kontakt aufgenommen und gesagt: Du kannst die Waffe haben.“ Für 1100 Euro, bezahlt natürlich in bar.

Bereits 2016 soll das gewesen sein, so lange vor dem Attentat auf Walter Lübcke also, dass die Anklage in dem mutmaßlichen Waffengeschäft keine Beihilfe zum Mord, sondern nur noch eine fahrlässige Tötung sieht: Auch wenn der Angeklagte von dem Anschlag auf den CDU-Politiker noch nichts habe wissen können, hätte er doch ahnen müssen, dass Ernst in seinem rechten Hass irgendwann einen Menschen töten könnte.

J. bestreitet den Verkauf des „Rossi“-Revolvers kategorisch. Nur den illegalen Besitz von gut 100 scharfen Patronen, die bei ihm gefunden worden waren, räumt der 66-Jährige ein. Und die sieben weiteren Waffen aus Ernsts Erdbunker haben noch nicht einmal den Weg in die Anklage gefunden. Was vor allem daran liegt, dass alle Ermittlungen zur Herkunft der Pistolen, Gewehre und Revolver ins Leere liefen.

„Die Wege sind irgendwann sehr vernebelt“, formulierte es eine Beamtin des hessischen Landeskriminalamts. Auch über die Mordwaffe wisse man nur, dass sie in Brasilien hergestellt worden sei und später einem „schon sehr alten“ Herrn in der Schweiz gehört habe, dem sie irgendwie „verlustig gegangen“ sei. „Bei ihm konnte man nur noch den Karton sicherstellen.“ Alles Weitere: unklar.

Am 19. Januar wird der Prozess fortgesetzt. Ob es dann schon, wie ursprünglich geplant, ein Urteil gibt, ist offen: Generalstaatsanwaltschaft wie Verteidigung haben bereits laut darüber nachgedacht, wen sie noch als Zeug:innen benennen könnten – für Ernsts Glaubwürdigkeit beziehungsweise für seine Unglaubwürdigkeit.

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