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Hessen: Ein zartes Plus an Mitgliedern in Sportvereinen

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Von: Timur Tinç

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Flag Football bei den Universe in Frankfurt erfreute sich auch während Corona großer Beliebtheit.
Flag Football bei den Universe in Frankfurt erfreute sich auch während Corona großer Beliebtheit. © Peter Jülich

Der Landessportbund Hessen präsentiert Zahlen und ist froh, den Negativtrend aufgrund der Corona-Pandemie gestoppt zu haben. Allerdings ist der Rückgang an weiblichen Mitgliedern besonders hoch. In Frankfurt gibt es erfreuliche Zahlen.

Rolf Müller hat nach eigener Aussage in den vergangenen 25 Jahren noch nie so viel Lob erhalten. „Darauf hätte ich gerne verzichtet“, sagte der Präsident des Landessportbunds Hessen (LSBH) am Donnerstag. Denn den positiven Zuspruch gab es dafür, dass der Verband sich dafür eingesetzt hat, dass die Sportvereine in Hessen nicht ganz so dramatisch von den Corona-Einschränkungen betroffen waren wie in anderen Bundesländern. „Die Vereine haben sich als wehrhaft erwiesen“, lobte Müller zurück.

Das lässt sich auch an den Zahlen ablesen, die der LSBH gestern vorstelle. Im Vergleich zum Vorjahr zählte er 7011 Mitglieder mehr in den Sportvereinen. Hauptgeschäftsführer Andreas Klages sprach von einem „zarten Plus“. Damit waren am 1. Januar 2022 rund 2,071 Millionen Menschen Mitglied in einem hessischen Sportverein. Das ist aber noch weit von den Zahlen vor der Pandemie entfernt: Am 1. Januar 2020 waren es 2,134 Millionen Menschen. Immerhin sei der negative Trend aus dem vergangenen Jahr gestoppt worden, als der LSBH einen Rückgang um 69 000 Mitglieder verzeichnete.

Große Unterschiede gab es jedoch sowohl bei Geschlecht und Altersgruppen als auch bei Verbänden und Vereinen. Während die Zahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen um 10 058 Mitglieder stieg, sank sie in der Altersgruppe zwischen 41 und 60 Jahren um 5628. Ganz dramatisch ist der Rückgang bei der Zahl der Frauen: 3026 weniger als im Vorjahr. „Über zwei Jahre hinweg ist das ein Minus von fast 40 000 Mitgliedern“, sagte Klages. Eine endgültige Erklärung über die besondere Corona-Belastung für Frauen gebe es noch nicht.

zahlen

Der Landessportbund Hessen (Lsbh) hat zum Stichtag 1. Januar 2022 insgesamt 20713222 Millionen Menschen in Sportvereinen gezählt. Ein Plus von 7011 Mitglieder im Vergleich zum Vorjahr. Der Lsbh hat 7481 Sportvereine, 23 Sportkreise, 60 Sportverbände und 14 Verbände mit besonderen Aufgaben.
2766 Sportvereine hatten mehr Mitglieder als im Vorjahr. 3512 weniger. Die Zahl der Vereine ist insgesamt um 51 auf 7481 geschrumpft. tim

Auf dem Land stabiler

Im ländlichen Bereich seien die Mitgliederzahlen stabiler als in den Städten. Eine Ausnahme bildet der Sportkreis Frankfurt, der 7358 Mitglieder gewonnen hat. Bei den Verbänden und Vereinen gebe es ganz klare Gewinner und Verlierer durch die Pandemie. Sportarten, die an der frischen Luft stattfinden können, haben allesamt Zuwächse erfahren. Cricket (34,5 Prozent), Base- und Softball (28,57 Prozent) oder Frisbee (16,97) waren prozentual die größten Gewinner. Aber auch der hessische Fußball zählt immerhin 3,42 Prozent mehr Mitglieder. Die größten Verluste gab es beim Athletenverband (-14,22 Prozent, im Behinderten- und Rehasport (-6,9 Prozent sowie beim Boxen (-6,58 Prozent).

„Die Groß- und Mehrspartenvereine stehen weiter unter einem gewissen Druck. Das bildet sich auch in diesem Jahr wieder ab“, berichtete Klages. Ausnahmen sind Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98, die zusammen 10 019 Mitglieder hinzugewinnen konnten. Da 20 Vereine Ergänzungsmeldungen abgegeben haben und vierstellige Mitgliederzugänge erwartetet werden, „nivelliere“ (Müller) sich der Eindruck, dass der Zuwachs vor allem durch die Eintracht und Lilien zustande gekommen sei.

Für den hessischen Sport gab es in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt 17,2 Millionen Euro an Corona-Hilfen vom Land. Trotz der großen Flexibilität und Innovationen der Vereine mit hybriden Angeboten hat Müller auch „Ermüdungen, Depressionen, Enttäuschungen, Zermürbung bei Ehrenamtlichen“ festgestellt. Dem Präsident ist es deshalb genauso wichtig, die Menschen wieder für das Ehrenamt zu motivieren. Der LSBH will deshalb gezieltere Angebote bei der ehrenamtlichen Personalentwicklung machen und Qualifizierungen von Übungsleiter:innen durch Onlineangebote erleichtern.

Dass ab dem heutigen Donnerstag 3G für Sport im Innenbereich gilt, sei „eine weitere Erleichterung“, betonte Klages. Bis zur endgültigen Entwarnung würden weiter die Hygienekonzepte der Vereine gelten. Der Landessportbund habe auch immer für das Impfen plädiert, betonte Rolf Müller. Dafür sei er auch fast so oft beschimpft worden wie für andere Dinge gelobt.

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