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Hessen: Die Rückkehr des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht

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Von: Timur Tinç

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Muslimische Kinder lernen in der Grundschule spielerisch ihre Religion kennen.
Muslimische Kinder lernen in der Grundschule spielerisch ihre Religion kennen. © Michael Schick

Das Land Hessen muss wieder mit der Ditib kooperieren, hat aber weiter Vorbehalte und will neue Gutachten über die Religionsgemeinschaft in Auftrag geben.

Frankfurt - Zwei Jahre lang herrschte zwischen dem Hessischen Kultusministerium (HKM) und der islamischen Religionsgemeinschaft Ditib Funkstille. Nun sitzen die beiden Parteien wieder an einem Tisch und bereiten die Wiedereinführung des bekenntnisorientierten Islamischen Religionsunterrichts (IRU) vor. Gleichzeitig will das HKM den staatlichen Islamunterricht (ISU) als Schulversuch weiter fortführen.

Nach einem langen Rechtsstreit mit der Ditib entschied der Verwaltungsgerichtshof in Kassel im Juni letztinstanzlich, dass die einseitige Aussetzung des IRU und die Beendigung der Kooperation mit der Ditib rechtswidrig war. Bereits im Juli 2021 war das Wiesbadener Verwaltungsgericht zur gleichen Ansicht gelangt. Das HKM war in Berufung gegangen.

Islamischen Religionsgemeinschaft Ditib: Ende der Kooperation rechtswidrig

Bis zum Schuljahr 2019/2020 gab es an 50 Grundschulen und zwölf weiterführenden Schulen den bekenntnisorientierten Islamunterricht (IRU). Nach der Aussetzung wurde er durch den Islamunterricht als Schulversuch (ISU) ersetzt, der sachkundlich und nicht mehr bekenntnisorientiert war. Im abgelaufenen Schuljahr besuchten nach Angaben der Staatlichen Schulämter 3285 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur neunten Jahrgangsstufe an 56 öffentlichen Schulen den ISU. „Wie die Situation im übernächsten Schuljahr sein wird, lässt sich derzeit nicht verlässlich prognostizieren. Ohnehin muss die Evaluation des Schulversuchs ,Islamunterricht‘ abgewartet werden“, teilt das HKM auf Anfrage mit.

Bis zum 15. Juli mussten sich die Eltern der Kinder an den 50 Grundschulen und zwölf weiterführenden Schulen, an denen es bis zur Aussetzung den IRU gab, zwischen IRU, ISU und Ethikunterricht entscheiden. „Die Auswertung des Elternvotums und der Abstimmungsprozess zwischen den Schulaufsichtsbehörden – Hessisches Kultusministerium, Staatliche Schulämter – und den Schulen dauert gegenwärtig noch an“, teilt das HKM mit. Endgültige Angaben zur Bildung der Lerngruppen könnten erst unmittelbar vor Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien erfolgen. Dann würden auch die Eltern informiert.

Ditib: Neue Gutachten in Planung

Das Land Hessen sieht trotz des Urteils die Ditib weiterhin kritisch. „Nichtsdestotrotz haben wir unverändert Zweifel, ob Ditib Hessen hinreichend unabhängig vom türkischen Staat ist. Deshalb werden wir den Unterricht eng mit Unterrichtsbesuchen begleiten“, hatte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) vor rund einem Monat gesagt. Auf Anfrage, was die Ditib tun müsse, um diese Zweifel auszuräumen, heißt es: „Unter anderem muss sichergestellt sein, dass die Zusammenarbeit zwischen der türkischen Religionsbehörde Diyanet und dem Ditib-Gesamtverband, welcher den Bundesverband und die Landesverbände der Ditib umfasst, auf theologische Fragestellungen beschränkt bleibt.“

Das Land Hessen will eine erneute externe Begutachtung beauftragen. Die letzte externe Begutachtung liegt fast drei Jahre zurück und stelle daher keine optimale Entscheidungsgrundlage dar. Damals erfolgte die Begutachtung durch den Rechts- und Islamwissenschaftler, Mathias Rohe, den Türkologen Günter Seufert und den Staatsrechtler Josef Isensee. Wer die Begutachtung nun übernehmen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. „Aus derzeitiger Perspektive kann davon ausgegangen werden, dass die Gutachten bis zum Jahresende vorliegen werden“, heißt es seitens des HKM. (Timur Tinç)

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