Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Abgelehnte Asylbewerber steigen im Rahmen einer Sammelabschiebung in ein Flugzeug. Foto: Daniel Maurer/dpa
+
Abgelehnte Asylbewerber steigen im Rahmen einer Sammelabschiebung in ein Flugzeug (Symbolfoto).

"Intensivtäter"

Hessen: Der Geflüchtete mit zwei Namen - Täter oder Opfer?

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
    schließen

Ein Flüchtlingshelfer sieht eine Identitätsverwechselung. Doch die Behörde weist die Vorwürfe von sich und will den „Intensivtäter“ samt Familie abschieben.

  • Bei einer misslungenen Abschiebung fällt falscher Name eines Asylbewerbers auf.
  • Der Flüchtlingshelfer Kurt Bunke sieht den Fehler bei den Behörden.
  • Der falsche Name sei nach Bunke eine konstruierte Sammelpersönlichkeit.

Frankfurt - Aufgefallen war es bei der misslungenen Abschiebung. Die Polizei übergab Tarek Ramdani bei der Gelegenheit einen Strafbefehl über 1500 Euro. Dieses Behördenpapier war auf Sofian ben Abdalah ausgestellt – einen Menschen, der gar nicht existiere, sagt Kurt Bunke. Bis heute sei unklar, welcher Name damals auf den Abschiebeunterlagen gestanden habe.

Der Flüchtling mit zwei Namen - Auch Familie wurde Opfer der Behörden

Bunke ist Flüchtlingshelfer im mittelhessischen Cölbe. Er gehört zum Unterstützerkreis einer fünfköpfigen algerischen Familie. Sie war im Januar 2019 nur nicht abgeschoben worden, weil laut Medienberichten der Pilot sich geweigert hatte, die damals hochschwangere Frau mitzunehmen.

Besagter Strafbefehl machte Bunke stutzig. Bei weiteren Recherchen stellte er fest, dass Tarek Ramdani bei den Behörden nicht nur zwei Identitäten besitzt. Die Vergehen seiner beiden Brüder würden ebenfalls in der Akte ben Abdalah geführt und damit ihm zur Last gelegt. Der jüngere war nach einer Abschiebung wieder illegal eingereist, das Betrugsverfahren gegen den älteren wurde eingestellt.

Bis zu dieser Erkenntnis musste Bunke zahlreiche Akten durchwühlen, und er habe bereits erfolglos die Polizei gebeten, ihren Fehler zu korrigieren. „Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich das Absurdistan verstanden habe.“

Ausgedachte Namen - Familienvater besonders im Visier der Behörden

Vater Tarek Ramdani fällt bei den Behörden unter die Rubrik „Intensivtäter“. 20 Straftaten warf der Leiter der Zentralen Ausländerbehörde des Regierungspräsidiums Gießen ihm in einem öffentlichen Vortrag in Marburg vor. Zwölf davon haben nicht stattgefunden oder wurden nicht zur Anklage gebracht, hat Bunke herausgefunden. Die übrigen acht Delikte waren unerlaubter Aufenthalt vor dem Asylantrag, Diebstahl, Fahren nur mit dem algerischen Führerschein. Einmal hatte Ramdani bei der Polizei zunächst den Fantasienamen Sofian ben Abdalah angegeben. Dass er gleich zu Beginn der Ermittlungen seine wahre Identität preisgegeben hatte, wurde offenkundig nie aktenkundig.

Einen Menschen mit diesem Namen gibt es nicht. Für die Polizei, so scheint es, allerdings schon. Immer wieder findet Tarek Ramdani ist seinem Briefkasten behördliche Schreiben an diese nicht existente Person. „Ihm werden Straftaten zur Last gelegt, mit denen er nichts zu tun hat“, sagt Bunke. Der Familienvater bekam auch schon eine an ihn adressierte Mitteilung, wonach die Ermittlungen gegen Sofian ben Abdalah in einem Betrugsverfahren eingestellt worden seien. Dabei hatte er rein gar nichts mit der Sache zu tun.

„Spiel mit den Identitäten“ - Flüchtlingshelfer sieht Identitätsverwechslung

Bunke kommt zu dem Schluss, dass da gründlich etwas schiefläuft: „Der Intensivtäter Sofian ben Abdalah ist eine konstruierte Sammelpersönlichkeit.“ Der hessische Datenschutzbeauftragte sei eingeschaltet, der Rechtsanwalt des Algeriers bemühe sich ebenfalls, dem „Spiel mit den Identitäten“ ein Ende zu bereiten. Für die Familie ist das essenziell. Die Abschiebung hängt wie ein Damoklesschwert über ihr. Die Ausländerbehörde hat die ab 1. August fällige höhere Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz wegen angeblicher Identitätsverweigerung abgelehnt. Den Eltern wird auch vorgeworfen, die Abschiebung im Januar 2019 „rechtsmissbräuchlich und widerständig“ abgebrochen zu haben. Ein Gespräch mit dem Piloten würde das Gegenteil beweisen, sagt Bunke.

Für die Strafbefehle sei die Zentrale Ausländerbehörde des Regierungspräsidiums Gießen (RP) nicht zuständig, sagt Behördensprecher Thorsten Haas. Sondern einzig für die ausländerrechtlichen Angelegenheiten. Da die Familie nicht ausreise, werde sie „zu gegebener Zeit“ abgeschoben. Die Vorwürfe Bunkes entbehrten jeglicher Grundlage: Es existiere „kein Zusammenhang zwischen Aliaspersonalien, die der Betroffene genutzt hat, und den Entscheidungen zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft“.

Flüchtlinge in Deutschland - Menschen suchen weiterhin Zuflucht

An einer Autobahnraststätte bei Berlin sahen Reisenden plötzlich Hände, die aus einer LKW-Plane herauswinkten. Vier Flüchtlinge aus Afghanistan hatten sich angeblich unbemerkt in dem Anhänger versteckt. Wie die Flüchtlinge in den Transporter gekommen sind, könne sich der Fahrer nicht erklären.

Mehr als 4000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge befinden sich auf verschiedenen griechischen Inseln. Die Frankfurter Koalition will nun Menschen aufnehmen. Die Stadt Frankfurt soll minderjährige Flüchtlinge aufnehmen. Ein entsprechender Antrag der Koalition sei auf Initiative der Grünen im Römer auf dem Weg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare