Ärztestreik

Hessen: Demonstrieren statt operieren

  • Sophie Vorgrimler
    vonSophie Vorgrimler
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Hunderte hessische Ärzte streikten am Dienstag für bessere Arbeitsbedingungen an Unikliniken. Ende Februar wird wieder verhandelt.

Die Arbeit haben 200 Ärzte der Frankfurter Uniklinik für einen Tag niedergelegt, ihre Arbeitskleidung haben sie bei ihren Demonstrationszügen am vergangenen Dienstag anbehalten. In weißen Kitteln schritten sie am frühen Vormittag erst über das Gelände der Uniklinik, später mit Hunderten weiteren hessischen Ärzten durch die Marburger Innenstadt zum Marktplatz, wo eine Kundgebung stattfand. Die Mediziner versammelten sich für bessere Arbeitsbedingungen und ein höheres Gehalt beim Schichtdienst.

„Auch die zweite Runde der Verhandlungen brachte nicht das Ergebnis, das wir uns wünschen“, sagt Caroline Backes, Pressesprecherin des Marburger Bunds, der zum Streiktag aufgerufen hatte. „Zuschläge in der Nacht, an Sonntagen und für Bereitschaftsdienste. 6,9 Prozent mehr Gehalt und eine spürbare Verbesserung der Arbeit“, zählt sie die Forderungen auf.

„Wir bieten ein attraktives Gesamtpaket“, findet Stefan Heck, Verhandlungsführer des Landes. Die Forderungen des Marburger Bunds seien unverhältnismäßig, das Angebot für die insgesamt 2200 hessischen Ärzte fair. „Wir bieten nicht nur ordentliches Plus von mehr als fünf Prozent, sondern legen noch das Landesticket oben drauf.“

„Das Landesticket wird seit Januar nicht mehr ausgegeben“, entgegnet Backes. Man wolle die Fortführung des Tickets auch vor Abschluss der Tarifverhandlungen erwirken. An „zunehmender Arbeitsverdichtung, kaum Pausen und Bergen von unbezahlten Überstunden“ stören sich die Ärzte laut einer Umfrage des Marburger Bunds. Besonders erschreckend sei die Situation bei der Erfassung der Arbeitszeiten. „Deutlich mehr als die Hälfe der bisher Befragten gab an, dass es ihnen nicht möglich ist, ihre gesamte Arbeitszeit zu erfassen und schon davon abgehalten wurden, Überstunden überhaupt aufzuzeichnen“, heißt es. In den kommenden Tagen zeichnet sich laut Backes ab, ob es einen weiteren Streik geben wird.

Die Linke unterstützt Forderungen der streikenden Ärztinnen und Ärzte. „Die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens gefährdet das Wohl der Patientinnen und Patienten“, sagt Christiane Böhm, gesundheitspolitische Sprecherin der Linken im Hessischen Landtag. „Sie führt zu starken Belastungen der im Gesundheitswesen tätigen Menschen.“ Sie wünschten sich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für alle Berufsgruppen an Kliniken.

Zwar sei eine Notfallvereinbarung mit den Arbeitgebern getroffen worden, sagt Backes. Laut Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher der Frankfurter Uniklinik, konnten „Verzögerungen im Behandlungsablauf und längere Wartezeiten“ am Dienstag nicht ausgeschlossen werden.

In Hessen waren auch die Uniklinik Marburg und Gießen vom Ärztestreik betroffen. Für den 27. Februar ist eine neue Verhandlung angesetzt. Deutschlandweit nahmen Beschäftigte von 23 Unikliniken teil.

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