Eltern und Landtagsabgeordnete der Linken protestierten am Dienstag vor einer Offenbacher Kita gegen das Vorgehen der Landesregierung.
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Eltern und Landtagsabgeordnete der Linken protestierten am Dienstag vor einer Offenbacher Kita gegen das Vorgehen der Landesregierung.

Darmstadt/Offenbach

Hessen und Darmstadt: Eltern fordern mehr Planungssicherheit

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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  • Fabian Scheuermann
    Fabian Scheuermann
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Nicht nur Eltern üben Kritik am teilweisen Kita-Neustart der Landesregierung. In Darmstadt und Offenbach wurde am Dienstag gegen das Vorgehen - und für weitere Öffnungen - demonstriert.

Das ist kein eingeschränkter Regelbetrieb, sondern eine erweiterte Notbetreuung“, sagt Diane Siegloch, kurz bevor sie am Dienstag am Rande eines Pressetermins in Offenbach Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) zur Rede stellt. Die Wiesbadener Mutter sagt, sie könne ihre Kinder lediglich für vier Stunden pro Woche in die Kita bringen – und fordert vom Land im Namen der Initiative „Familien in der Krise“ planbare, tägliche Betreuungszeiten für alle Kinder.

Mit dem gestrigen Beginn des „eingeschränkten Regelbetriebs“ in Kitas wird der Kreis der in Hessen betreuten Kinder weiter vergrößert. Kommunen wird dabei viel Entscheidungsfreiheit gelassen. Doch nicht nur Eltern äußern an dem Vorgehen der Landesregierung Kritik. Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, fordert einen Kita- und Schul-gipfel, auf dem sich Elternvertretungen, Sozialpartner und Landesregierung beraten könnten. Beschäftigte bräuchten eine Perspektive, wie sie in Pandemiezeiten Beruf und Familie vereinen könnten.

Zudem führe die Entscheidung des Sozialministeriums, die konkrete Umsetzung den Kommunen und Trägern zu überlassen, „zu einem unübersichtlichen Flickenteppich, in dem Chaos vorprogrammiert ist“, so Rudolph. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen fordert einheitliche Leitlinien für Gruppengrößen und Personalausstattung. Einzelregelungen seien den Eltern „nicht vermittelbar“ und brächten die Kita-Träger an ihre Grenzen.

Der Fraktionsvorsitzende der FDP im Hessischen Landtag, René Rock, sagte, die Landesregierung suggeriere mit „Regelbetrieb“ etwas, das nicht zutreffe. Linken-Abgeordnete Christiane Böhm kritisierte, dass das Antragsverfahren bei Verdienstausfällen von Eltern ohne Kinderbetreuung erst kürzlich freigeschaltet worden sei.

In Darmstadt hatte die Initiative „Familien in der Krise“ am Dienstag zu einer Demo auf dem Friedensplatz aufgerufen. Die Eltern forderten unter anderem die Aufhebung der Systemrelevant-Regelung und die Betreuung aller Kinder in Anlehnung an das Modell in Nordrhein-Westfalen – sowie eine Kompensation für Eltern, die ihre Kitakinder weiter zu Hause betreuen möchten. Viele Eltern hätten sehnsüchtig auf den 2. Juni gewartet, schreibt die Initiative. Nun seien viele „am Ende ihrer Kräfte“ . fab/cka (mit dpa)

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