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Insgesamt zeigen ein Viertel aller Schulkinder in Hessen psychische Auffälligkeiten.

Gesundheit

Hessen: Immer mehr Schüler leiden laut DAK-Report unter einer Depression

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In Hessen sind Depressionen bei Minderjährigen auf dem Vormarsch. Das zeigt ein DAK-Report: Ein Viertel aller Schüler zeigt demnach psychische Auffälligkeiten.

  • Immer mehr Schüler in Hessen leiden unter einer Depression
  • Innerhalb eines Jahres stieg die Diagnose um zehn Prozent
  • DAK-Report deckt auch Lücken in der Versorgung auf

Darmstadt - Immer mehr Minderjährige in Hessen leiden unter einer Depression. Innerhalb eines Jahres stieg die Diagnose um zehn Prozent. Dies ergab der am Mittwoch (05.02.2020) in Darmstadt vorgestellte DAK-Gesundheitsreport 2019 mit dem Titel „Ängste und Depressionen bei Schulkindern“. Den Angaben zufolge sind hochgerechnet rund 10 900 hessische Kinder zwischen zehn und 17 Jahren depressiv, 10 100 leiden unter einer Angststörung. 

Demnach sind Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahre dreimal so häufig betroffen wie Jungen. 22 Prozent der weiblichen Erkrankten bekommen mindestens einmal im Jahr ein Rezept für ein Antidepressivum. Bei den gleichaltrigen männlichen Erkrankten sind es 17 Prozent.

Hessen: Immer mehr Schüler leiden unter einer Depression

Insgesamt zeigen ein Viertel aller Schulkinder in Hessen psychische Auffälligkeiten, heißt es in dem Report, den die Universität im DAK-Auftrag erstellte. Sie untersuchten auch den Einfluss bestimmter Faktoren auf die Entwicklung. Das Ergebnis: Bei einer chronischen körperlichen Erkrankung, insbesondere im Jugendalter, steigt das Depressionsrisiko um das 4,5-fache.

Die Studie

Die repräsentative Studie entstand auf Basis der Abrechnungsdaten aus 2016 und 2017.

Für die Analyse wurden die Daten von rund 90 000 minderjährigen Versicherten der DAK-Gesundheit in Hessen durch die Universität Bielefeld ausgewertet.

Das entspricht 8,6 Prozent aller hessischen Kinder und Jugendlichen. jur
www.dak.de/presse

Das deckt sich mit den Erfahrungen von Kay Latta, Ärztlicher Direktor und Chefarzt am Clementine Kinderhospital in Frankfurt. „Wir sehen nicht selten, dass junge Patienten mit einem Typ-1-Diabetes oder einer schweren Rheumaerkrankung auch psychische Probleme entwickeln“, sagte er. „In der Pubertät ist ihre Situation besonders wackelig.“ In dieser Zeit sei es besonders belastend, vernünftig zu sein und nicht so unbekümmert leben zu können wie körperlich gesunde Gleichaltrige. Als weiteren großen Faktor nennt der Report das familiäre Umfeld. Kinder psychisch kranker Eltern sind demnach um das Dreifache gefährdeter. „Erkrankungen der Eltern können für Kinder und Jugendliche eine große seelische Belastung sein“, sagte Latta.

Auf der Liste der meisten Erkrankungen und Diagnosen 2017 rangieren die seelischen Erkrankungen auf Platz fünf, hinter Leiden der Atemwege, Infektionen, Erkrankungen der Augen und der Haut. Bei den Jüngeren liegt der Schwerpunkt bei Entwicklungsstörungen, zu denen Sprach- und Sprechstörungen gehören. Verbreitet sind auch Verhaltensstörungen wie das Aufmerksamkeitsdefizit ADHS.

DAK-Report in Darmstadt vorgestellt: Immer mehr Schüler in Hessen sind depressiv

Nach Angaben von Studienautor Julian Witte bietet der Report auch belastbare Analysen zur stationären Versorgungssituation in Hessen im Vergleich zum Bund. Depressive Schulkinder würden seltener in ein Krankenhaus eingewiesen. Nach der Entlassung fehle oft eine passende ambulante Nachsorge. Mehr als jedes vierte der Zehn- bis 17-Jährigen sei innerhalb von zwei Jahren mehrfach stationär in Behandlung. Das decke sich mit den Bundeszahlen: „Wir haben offenkundige Versorgungslücken nach der Krankenhausentlassung“, sagte Geitner. „Eine Rehospitalisierungsquote von 27 Prozent ist alarmierend.“

Kathrin Anders, Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion für Grundschulen, forderte ein Ende der Tabuisierung der Krankheit und der Stigmatisierung von Betroffenen. „Für eine wirksame Prävention gegen Depressionen und Angststörungen von Kindern brauchen wir endlich eine offene, gesellschaftliche Diskussion, an der alle Beteiligten teilnehmen.“

DAK-Report: Immer mehr Schüler in Hessen leiden unter einer Depression

Die DAK-Studie belege die Notwendigkeit einer „Kultur des Hinschauens“. Die schwarz-grüne Koalition trage dem Rechnung, indem sie im Haushalt 2020 zusätzliche Mittel für Supervision von Lehrkräften bereitstelle. „Wir arbeiten daran, ein ganzheitliches Konzept zur psychologischen Beratung an hessischen Schulen zu entwickeln und installieren“, sagte Anders. Ziel sei ein Umfeld, das psychische Gesundheit fördere.

Von Jutta Rippegather

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