Eine angehende Konditormeisterin (r.) beim praktischen Unterricht an einer Gewerblichen Schule.
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Eine angehende Konditormeisterin (r.) beim praktischen Unterricht an einer Gewerblichen Schule.

Arbeitsmarkt

Corona-Krise trifft Ausbildung stark

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Bisher haben deutlich weniger junge Leute als vor einem Jahr in Hessen einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Wirtschaftsminister Al-Wazir kündigt ein neues Programm zur Ausbildungsplatzförderung an.

In Hessen sind bisher deutlich weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als vor einem Jahr. Das haben Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen bei der Bundesagentur für Arbeit, am Donnerstag mitgeteilt. Dabei beziehen sie sich auf Zahlen der Handwerkskammern, bei denen die Zahl der Verträge um 14,1 Prozent zurückgegangen ist und der Industrie- und Handelskammern, die im Vergleich zum Vorjahr sogar einen Rückgang von 15,7 Prozent registrieren.

Die Unternehmen hätten in der Corona-Krise weniger Ausbildungsstellen ausgeschrieben. Zugleich seien viele junge Menschen verunsichert und entschieden sich seltener als noch vor einem Jahr für eine Ausbildung, heißt es in der Mitteilung.

Noch gibt es dennoch zumindest rechnerisch mehr offene Lehrstellen in Hessen als junge Menschen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen. Auf 9528 unbesetzte Plätze kamen im August 7894 Bewerber. „Wir werden auch in diesem Jahr jedem Menschen ein Angebot unterbreiten und alles dafür tun, damit es nicht zu einer Generation Corona kommt“, verspricht Martin. Der Fokus liege nun auf der Nachvermittlung und der Intensivierung von Informationskampagnen, sagt Al-Wazir. Für eine Bewerbung sei es noch nicht zu spät.

Der Wirtschaftsminister kündigt ein neues Programm für Ausbildungsverbünde kleinerer und mittlerer Unternehmen an, um dort Stellen für derzeit noch unversorgte Bewerberinnen und Bewerber zu schaffen. Das Land habe zudem die Bewerbungsfrist für ein Programm verlängert, aus dem Betriebe einen Zuschuss erhalten, wenn sie junge Leute mit Hauptschulabschluss ausbilden. Die Angebote beschränkten sich dabei nicht auf die unmittelbar corona-geschädigten Unternehmen, betont Al-Wazir. „Denn wir möchten den Ausbildungsmarkt insgesamt stabilisieren.“

Gerade in der Krise zeige sich, wie wichtig eine berufliche Qualifikation sei, sagen Al-Wazir und Martin. Mehr als die Hälfte des corona-bedingten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen gehe auf Menschen ohne Berufsabschluss zurück. „Geringqualifizierte werden eher arbeitslos und finden in Krisenzeiten noch schwerer in den Arbeitsmarkt zurück“, sagt Martin.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD im Landtag, Tobias Eckert, sagt, Al-Wazir habe mit dem neuen Programm für eine Verbundausbildung einen SPD-Vorschlag übernommen. Wieder habe der Wirtschaftsminister aber nichts zur überbetrieblichen Ausbildung gesagt, kritisiert Eckhardt – und schlägt vor, die Innungen, die überbetriebliche Unterweisungen und Ausbildungen anbieten, in der Krise finanziell zu unterstützen.

Stefan Naas, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP, kritisiert, dass neue Programm komme sehr spät. „Schließlich hat das Ausbildungsjahr mittlerweile begonnen, und die Corona-Krise ist schon einige Monate alt.“

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